Hoffmanns Büdchen (19) – Lockdown Love

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. In der Zeitung schreiben sie über den Brexit, Corona und die einsamen britischen Inseln. Herr Hoffmann war noch nie in Großbritannien. Herr Hoffmann war überhaupt selten weg. Mal an der Nordsee, auch mal in Berlin, aber sonst kennt er nur die Niederlande. Herr Hoffmann ist früher gerne nach Enschede gefahren, um den ein oder anderen Coffee Shop zu besuchen. Wobei er mit früher vor dem LockDown meint. „Alte Sünden lässt man nicht.

Eine schöne Zeit war das“, denkt Herr Hoffmann gerade, da läutet sein Türglöckchen. Es ist Lukas. Herr Hoffmann greift hinter sich nach den Zigaretten – er kennt die Süchte seiner Stammkunden. „Guten Tag, Herr Hoffmann.“ „Lukas. Wie geht’s?“ Er legt Lukas die Schachtel auf die Theke. „Es geht, Herr Hoffmann. Es geht.“ Neugierig schaut Herr Hoffmann zu Lukas und blickt in ein nachdenkliches, trauriges Gesicht. „Was ist passiert?“, fragt er den Studenten, und Lukas erzählt bereitwillig, dass er eine neue Freundin hat. “Seit ein paar Monaten”, erzählt er. Aber sie, Laura, kommt aus England und auf Grund der Pandemie und des Brexits können sie sich nicht sehen. „Scheiße“, sagt Herr Hoffmann. „Das kann man wohl laut sagen“, antwortet der junge Student. “Scheiße”, sagt Herr Hoffmann lauter.

Lukas nickt und dann berichtet er Herrn Hoffmann von der Romanze. Letztes Jahr war Lukas in den Niederlanden im Urlaub und in Amsterdam lernte er Laura kennen. Sie verstanden sich gleich gut, lästerten zusammen, liebten sich in einer Jugendherberge und versprachen sich, dass ihr Verliebtsein mehr ist, als ein Sommernachtstraum.

„Jetzt haben wir uns schon seit acht Monaten nicht mehr getroffen. Klar, wir telefonieren. Oft stundenlang, aber das ist doch nicht das selbe. Und wie lange kann so etwas gut gehen?“, fragt Lukas. Herr Hoffmann guckt auf seine Zeitung. Den Artikel mit den einsamen Briten sollte er Lukas nicht zeigen. „Wird schon“, tröstet er Lukas (mehr als Floskel). „Du bist echt ein Freund, Herr Hoffmann“, sagt Lukas und geht, ohne noch ein Wort zu sagen.

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. Er sagt nichts. Was sollte er auch sagen. Vorhin und jetzt. Aber dass Lukas ihn Freund genannt hat, hat Herr Hoffmann schon mitbekommen. Herr Hoffmann lächelt und widmet sich weiter seiner Zeitung.

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