Hoffmanns Büdchen – Hoffmanns Ohrhaar

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke und unterhält sich mit Paket Paul.

Paket Paul heißt eigentlich nur Paul, aber da er Pakete ausliefert nennen ihn alle Paket Paul. Er bestreitet aber ,dass ihn alle Paket Paul nennen. „Nur Herr Hoffmann und seine blöden Stammkunden nennen mich Paket Paul“, behauptet Paket Paul und so hat man ihm Kiosk immer ein Punkt über den man hitzig streiten kann.

Jedenfalls unterhalten sich Herr Hoffmann und Paket Paul und auf einmal schreit Paket Paul auf. „Du hast ja richtige Büsche in den Ohren. Wie sieht das denn aus?“ Automatisch fasst sich Herr Hoffmann an die Ohren. „Jeder hat ein paar Härchen in den Ohren“, sagt er, streichelt es glatt. „Das sind keine Haare. Das ist eher Mähne wie beim Pferd. So Borsten.“ Paket Paul fängt an zu lachen. Leider geht genau in diesem Moment das Türglöckchen und zwei Studentinnen, Mitte Zwanzig, Modebloggerinnen, Bikini Models und dabei auch noch mit einem sehr gesundem Gender -Bewusstsein ausgestattet, also perfekte Partnerinnen für einen romantischen Abend mit gepflegter Konversation, betreten den Laden. Sie sehen Paket Paul lachen und sind schon nach wenigen Augenblicken von seinem Lachen angesteckt. Unter breiten Grinsen fragen sie, was denn so lustig ist. Paket Paul zeigt auf Herrn Hoffmann. „Die Borsten in seinen Ohren. Härchen nennt Herr Hoffmann das. Härchen.“ Paket Paul muss sich an der Auslage festhalten. Die beiden Studentinnen gucken zu Herrn Hoffmann, grinsen, kommen näher. Herr Hoffmann weicht zurück, prallt gegen das Zigarettenregal. Zigaretten und Nüsschen kullern auf den Boden. Doch dann gewinnt er die Initiative zurück und unter seinem lauten Geschrei und dem Gegacker seiner Kunden wirft er Paket Paul und die beiden blöden Weiber aus seinem Laden.

Ganz gegen seine Regeln schließt er kurze Zeit später für ein Stündchen seinen Laden ab. Er muss sich ein wenig frisch machen. Nüsschen wegfegen und vielleicht ein paar Härchen schneiden. In den Ohren.

Hoffmann Büdchen (Teil 2 – Sport ist Mord)

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. Er macht Kniebeuge. Sein Arzt hat ihm gesagt, er muss was tun. “Was tun?“ Herr Hoffmann tat so, als ob er nicht verstand. „Sport, Herr Hoffmann. Sport“, lachte der Arzt. Herr Hoffmann kann darüber nicht lachen. Er steht jeden Tag zehn Stunden hinter der Theke, wie soll er da auch noch Sport machen? Herr Hoffmann sagt immer: „Sport ist Mord.“ Das hat mal ein amerikanischer Präsident, der Churchill, gesagt, weiß Herr Hoffmann und ist ganz seiner Meinung.

Das Ladentürglöckchen läutet. Ein junges Pärchen betritt seinen Kiosk. „Moin“, sagt der junge Mann. „Hallo“, sagt die junge Frau. Herr Hoffmann nickt nur, da er noch ziemlich außer Atem ist. Die Frau fragt nach Zigaretten. Ihr Freund steht hinter ihr. Während sie nach ihrem Geld sucht, versucht der Mann die Frau zu liebkosen. Er berührt ihren Po, ihre Brüste und was er noch zu fassen bekommt. „Jonas, lass das“, lacht die Frau. Der junge Mann grinst. Er hält sich für unwiderstehlich. Wie viele in seinem Alter, denkt Herr Hoffmann und reibt sich hinter der Theke seine schmerzenden Knie. „Jonas, ich habe gesagt, lass das“, wiederholt die junge Frau ihre Bitte. Als der junge Mann nicht ablässt, mischt sich Herr Hoffmann ein. „Hey, ihre Freundin sagte, Sie sollen das lassen“, kommt er hinter der Theke zur Hilfe. Die Frau lacht. „Ey, Süßer, ich kann mir schon selber helfen.“ Herr Hoffmann legt ihr die Zigaretten und das Wechselgeld auf das Geldschälchen und schwört sich wieder einmal, sich nicht mehr in die Angelegenheiten anderer einzumischen. Als die Beiden blöde gackernd seinen Laden verlassen haben, macht er wieder seine Kniebeuge. Noch zehn Stück, dann hat er heute sein Tagwerk getan. „Sport ist Mord.“ Dieser Churchill hatte gut reden. Der stand sicher auch nicht zehn Stunden hinter der Theke.

Hoffmanns Büdchen – Die Geschichte beginnt

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. Eigentlich alles wie immer. Plötzlich wird die Tür aufgerissen, das Glöckchen über der Tür klingelt schneller als sonst. Man merkt sofort, da stimmt etwas nicht. Eine Frau kommt in den Laden. Sie drückt die Tür hinter sich zu, guckt ängstlich raus. Herr Hoffmann weiß auch nicht, was er jetzt sagen soll und sagt erst Mal „Guten Tag“. Die Frau dreht sich zu ihm um, lächelt, sagt „Guten Tag“, dann stirbt sie. Herr Hoffmann ruft die Polizei und sie finden ihn kurze Zeit später immer noch an der Stelle, von der er alles gesehen hat. Die Presse will am nächsten Tag wissen, ob er Angst hatte. Herr Hoffmann hatte keine Angst.