Hoffmann Büdchen (Teil 2 – Sport ist Mord)

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. Er macht Kniebeuge. Sein Arzt hat ihm gesagt, er muss was tun. “Was tun?“ Herr Hoffmann tat so, als ob er nicht verstand. „Sport, Herr Hoffmann. Sport“, lachte der Arzt. Herr Hoffmann kann darüber nicht lachen. Er steht jeden Tag zehn Stunden hinter der Theke, wie soll er da auch noch Sport machen? Herr Hoffmann sagt immer: „Sport ist Mord.“ Das hat mal ein amerikanischer Präsident, der Churchill, gesagt, weiß Herr Hoffmann und ist ganz seiner Meinung.

Das Ladentürglöckchen läutet. Ein junges Pärchen betritt seinen Kiosk. „Moin“, sagt der junge Mann. „Hallo“, sagt die junge Frau. Herr Hoffmann nickt nur, da er noch ziemlich außer Atem ist. Die Frau fragt nach Zigaretten. Ihr Freund steht hinter ihr. Während sie nach ihrem Geld sucht, versucht der Mann die Frau zu liebkosen. Er berührt ihren Po, ihre Brüste und was er noch zu fassen bekommt. „Jonas, lass das“, lacht die Frau. Der junge Mann grinst. Er hält sich für unwiderstehlich. Wie viele in seinem Alter, denkt Herr Hoffmann und reibt sich hinter der Theke seine schmerzenden Knie. „Jonas, ich habe gesagt, lass das“, wiederholt die junge Frau ihre Bitte. Als der junge Mann nicht ablässt, mischt sich Herr Hoffmann ein. „Hey, ihre Freundin sagte, Sie sollen das lassen“, kommt er hinter der Theke zur Hilfe. Die Frau lacht. „Ey, Süßer, ich kann mir schon selber helfen.“ Herr Hoffmann legt ihr die Zigaretten und das Wechselgeld auf das Geldschälchen und schwört sich wieder einmal, sich nicht mehr in die Angelegenheiten anderer einzumischen. Als die Beiden blöde gackernd seinen Laden verlassen haben, macht er wieder seine Kniebeuge. Noch zehn Stück, dann hat er heute sein Tagwerk getan. „Sport ist Mord.“ Dieser Churchill hatte gut reden. Der stand sicher auch nicht zehn Stunden hinter der Theke.

Hoffmanns Büdchen – Die Geschichte beginnt

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. Eigentlich alles wie immer. Plötzlich wird die Tür aufgerissen, das Glöckchen über der Tür klingelt schneller als sonst. Man merkt sofort, da stimmt etwas nicht. Eine Frau kommt in den Laden. Sie drückt die Tür hinter sich zu, guckt ängstlich raus. Herr Hoffmann weiß auch nicht, was er jetzt sagen soll und sagt erst Mal „Guten Tag“. Die Frau dreht sich zu ihm um, lächelt, sagt „Guten Tag“, dann stirbt sie. Herr Hoffmann ruft die Polizei und sie finden ihn kurze Zeit später immer noch an der Stelle, von der er alles gesehen hat. Die Presse will am nächsten Tag wissen, ob er Angst hatte. Herr Hoffmann hatte keine Angst.