Hoffmanns Büdchen (59) – Herr Hoffmann und das kleine Abenteuer

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. Das Türglöckchen läutet und Herr Ärmel und eine Prise kalte Luft kommen in den Kiosk. „Guten Tag, Herr Hoffmann,“, sagt Herr Ärmel wie immer freundlich.

„Herr Ärmel“, grüßt Herr Hoffmann kurz und knapp, aber nicht mit weniger Freundlichkeit zurück.

„Und Herr Hoffmann? Haben Sie mal wieder ein kleines Abenteuer in ihrem Denkerstübchen erlebt“, fragt Herr Ärmel neugierig. Und tatsächlich: Herr Hoffmann hat ein kleines Abenteuer erlebt.

Heute morgen guckte er, es war kurz nach halb elf, hinter seiner Theke aus dem Fenster und sah eine junge Frau, die draußen an der Straße auf die „15“ wartete. Sie guckte immer wieder auf ihre Uhr, und Herr Hoffmann sah aus seinem Büdchen, dass sie es wohl sehr eilig hatte.

Plötzlich sprang aus einer dunklen Ecke ein schwarzgekleideter Mann oder eine Frau – Herr Hoffmann glaubt, die Gestalt war hinter den Mülltonnen des Mietshauses gegenüber versteckt. Die schwarzgekleidete Gestalt hatte sich als Ninja verkleidet, so dass sie – Herr Hoffmann gab ihr den Namen „Schattenblitz“ – fast unsichtbar war. Schattenblitz entriss der Frau die Handtasche. Die junge Frau schrie. „Hilfe. Zu Hilfe. Ein Überfall“. Doch Schattenblitz sprang schon wieder zurück in den Schatten.

Nur sprang Schattenblitz zu langsam. Er hatte nicht mit den zwei weiteren Fahrgästen gerechnet, die mit der jungen Frau auf die „15“ warteten. Die beiden Männer – Herr Hoffmann gab ihnen die Arbeitsnamen Muskel und Knöchelknacker – erwischten Schattenblitz noch im Flug. Muskel riss Schattenblitz die Beine weg. Knöchelknacker sprang auf seinen Rücken, wollte Schattenblitz gerade mit einem Spezialgriff unschädlich machen, da sah er Muskel, der auf einmal die Handtasche an sich riss und mit der Beute weglaufen wollte. „Du Hund“, rief Knöchelknacker hinter Muskel her.

Hingegen hatten beide nicht mit der Frau gerechnet. Schnell hatte sie sich gefangen und nun sprang sie auf Muskel, um sich selber die Tasche wiederzuholen. Mit einem Spray in der Hosentaschen ging sie auf die menschliche Maschine zu, der schon nach wenigen Sekunden jammernd am Boden hing.

Nun war es Knöchelknacker, der nicht begreifen konnte, wie die Frau mit ihrer Hilfe umging. Denn auch Muskel hatte es nicht verdient, besprüht zu werden. Immerhin hatte er gerade Schattenblitz niedergeworfen.

Laut schimpfend ging Knöchelknacker mit der Frau auf dem Bürgersteg zu Gericht. Am Ende stand sogar Schattenblitz, also der diebische (oder die diebische) Ninja, dabei und lauschte den Tiraden des Knöchelknackers.

„Es war wirklich absurd. Die junge Frau hat sich nachher sogar entschuldigt“, sagt Herr Hoffmann über die Theke. „Aber sonst war nicht viel los.“

Herr Ärmel lächelt und blättert eine Illustrierte durch.

„Sagt eigentlich noch jemand Illustrierte, Herr Hoffmann?“, fragt er den Büdchen Betreiber.

„Sie, Herr Ärmel. Sie.“

„Das ist richtig.“

„Und die Geschichte?“, fragt Herr Ärmel.

„Erfunden“, antwortet Herr Hoffmann

„Wusste ich“, sagt Herr Ärmel und macht sich auf zu gehen.

„Okay“, sagt Herr Hoffmann. So sicher ist er sich nicht.

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