Hoffmanns Büdchen (15) – Thomas Müller

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. Er klemmt die Seite eins der BILD Zeitung auf einen kleinen Ladenstopper, der vor seinen kleinen Büdchen die kleinen und auch große Kunden locken soll. Daneben hat er noch eine Winkekatze und ein Hufeisen von seinem Vorgänger im Türbereich. „Umsatz, Umsatz, Umsatz, Herr Hoffmann“, sagte letztens Herr Kaiser von der Deutschen Bank, während Herr Hoffmann dachte „Idiot, Idiot, Idiot.“ Herr Hoffmann führt einen Kiosk und keinen Dax Konzern. Wenn die Schüler in den Pausen ihr Taschengeld in seinen Laden bringen, sind ihre Hosentaschen vielleicht zerbeulter, viel reicher ist Herr Hoffmann nicht.

In der BILD steht heute das Thomas Müller der häufigste Name Deutschlands ist. Herr Hoffmann kennt selber schon zwei mit dem Namen. „Aber Hoffmann ist auch nicht pure Lust am Wort“, denkt Herr Hoffmann, nimmt sich den Aufsteller, um ihn an die Straße zu stellen, doch da geht sein Türglöckchen.

„Guten Tag, Herr Hoffmann“, sagt ein ihm vollkommen Fremder.

„Guten Tag. Aber woher kennen Sie meinen Namen?“, fragt Herr Hoffmann.

„Steht an der Tür“, sagt der Fremde.

„Ah…“, sagt Herr Hoffmann.

„B…“, sagt der Fremde und grinst Herr Hoffmann freundlich an. „Nur ein wenig Blödsinn, Herr Hoffmann. Thomas Müller, mein Name“, entschuldigt sich der Fremde mit einem Lächeln. „Ich wollte nur mit einem Spaß anfangen, bevor es ernst wird, Herr Hoffmann“, sagt Thomas Müller. Er hebt seinen Zeigefinger, zum Zeichen, dass es ernst wird. „Ich möchte mit ihnen über Unfälle sprechen. Über das Unglück von heute auf morgen nicht weiterarbeiten zu können, im Rollstuhl zu sitzen, gelähmt, verbrannt, gebrochen, verwirrt, verarmt, zerkratzt, zerschrammt, zerbrochen, zerstört zu sein. Ich möchte mit Ihnen, Herr Hoffmann, über ihren Versicherungsschutz reden.“

Herr Hoffmann guckt Herrn Müller an. Drei Thomas Müller kennt er jetzt. „Und alles Idioten“, sagt er, geht an dem unerzogenen Vertreter und größten Durchschnitt vorbei und stellt seinen Aufsteller vor die Tür. „Der glänzt ja wieder“, sagt er und streichelt seinen Kundenstopper.

Thomas Müller dagegen schleicht sich. Er hat verstanden. Er merkt, dass er bei einem Herrn Hoffmann heute nicht landen kann.

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