Notizen aus dem Reihenhäuschen – Beste Freunde

„Das ist meins“, schreit das Kind und reißt ihrer besten Freundin die Puppe aus der Hand. Die beste Freundin ist heute zum Spielen da. Beide haben sich sehr auf den Nachmittag gefreut. Jetzt schreien und weinen sie abwechselnd.

Wer glaubt, es ist nicht normal, wenn Kinder sich ums Spielzeug prügeln. Wer denkt, Kinder können doch nett zusammen sitzen, ein Gläschen Limonade trinken und dabei in Ruhe vielleicht ein Puzzle lösen, der hat die „Ich verstehe Kinder“ – Prüfung noch nicht gemacht oder nicht bestanden.

Kinder sitzen nicht nett zusammen und bereden Probleme. Das machen Erwachsene oder Kinder, die erwachsen sein wollen.

Doch auch bei den „Großen“ hat sich die Streitkultur verändert: Als mein Kumpel Klaus vor Jahren mal richtig sauer auf mich war, weil ich seine Alte durch gebummert hatte, kaufte ich ein gutes Stück Fleisch und vier Flaschen Bier und löste unseren kleinen Konflikt, in dem ich ihm ein Steak briet. Heute ist das leider nicht mehr so einfach.

Die eine Hälfte der Freude lebt mittlerweile vegan oder wenigstens „teilweise“ fleischlos (Frühstücksvegetarier). Die andere Hälfte hat sich die Leber kaputt gesoffen, so dass man ihnen mit einem „Bierchen in Ehren“ nicht mehr zu kommen braucht.

Kinder sollten natürlich sowieso kein Alkohol trinken und wenn das Kind ihrer besten Freundin ein Steak braten würde, weil sie sich um einen Kita Jungen oder meinetwegen um eine Barbie streiten, fände ich das auch nur so halb. So fehlt also Kindern und mittlerweile auch vielen Erwachsenen die Möglichkeit einen blöden Streit mit einem guten Stück Fleisch und einem winzigen Körnchen zu beenden. Es bleibt nur die harte Tour: Anschreien, wegschubsen, zuschlagen, Freundschaft kündigen. Früher war eben doch alles besser.

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