Über Kultur in kulturarmen Zeiten, die GEMA und das Fräulein Rottenmeier

2020, Kultur in kulturarmen Zeiten. „Sie haben Post“, sagte der Postbote und gab mir einen Brief. GEMA stand dort. Nachdem mich der Brief ein paar Tage blöde angelächelt hatte oder ich mir einbildete, dass er blöde lächelte, öffnete ich ihn heute, also den blöde, lächelnden Brief. Ich täuschte mich nicht, der Brief war so charmant wie das Fräulein Rottenmeier in Heidis schlimmsten Albträumen. Das Fräulein Rottenmeier suchte nach neuen Einnahmequellen, nachdem die alten auf Grund einer Seuche versickert waren.

2020, Kultur in kulturarmen Zeiten. Das Fräulein Rottenmeier hält auch noch die letzten Kulturschaffenden von ihrem Handwerk ab. Das geschriebene Wort auf der Bühne, vielleicht mit einem Lächeln präsentiert, wird als literarisches Kabarett einsortiert. „Und das ist gebührenpflichtig, Herr Weber. Sie können doch nicht einfach lesen, was sie wollen.“ „Aber es sind doch meine Worte“, sage ich leise und erfahre, dass auch meine Worte kostenpflichtig sind.

2020, Kultur in kulturarmen Zeiten. Ein paar schreien, was das Fräulein Rottenmeier alles Gutes für sie getan hat, „Nein. Es geht nicht um mich. Es geht um mein Recht“, schreien sie. Ein paar schreien immer, schreibe ich. Wer 2020 noch Künstler sein möchte, sollte es vor allem auf dem Papier sein. GEMA Mitglied, KSK Mitglied und gerne noch einen täglich gepflegten Social Media Account. Dein Online Poesie Album für deine Kunst, lachen sie. Ich lache auch. „Haha.“ Na, habe ich gelacht?

2020, Kultur in kulturarmen Zeiten. Vor vier Jahren war es bei mir soweit. „Herr Weber, Sie haben Post“, sagte der Postbote und gab mir einen Brief, der wenig Hoffnung versprach und letztlich doch welche gab. Es war die Künstlersozialkasse, die mir schrieb. Ein Bescheid, stand dort. „Nach §1 KSVG sind sie im Sinne des Gesetzes ein Künstler und nach §8 Abs. 1 KSVG auch noch ein versicherungspflichtiger.“ Ich war nach dem Gesetz auf einmal ein Künstler. So einfach geht das, dachte ich. Ich lachte. „Haha.“ Na, habe ich gelacht? Jetzt hatte ich es schwarz auf weiß: Nicht die Arbeit zählt, sondern der Paragraph.

2020. In diesen kulturarmen Zeiten ist der Künstler auch nur noch eine Schraube, ein Zahnrad im Getriebe der Bürokratie, der Soforthilfe und des Verwertungsgesetzes. Aber ein Zahnrad mit einem schönen Online Poesie Album, lachen sie. „Haha.“ Na, ich habe auch gelacht. 2020. Ich sage zu euch Künstlern Verwertern, Versicherern: Fotz- und Fischköppe stinken aus dem Hals, was auch immer das bedeuten mag.

Notizen aus dem Reihenhäuschen – Pasquill

(Das bzw. der Pasquill (italienisch: „kleiner Pasquino“, auch: die Pasquinade) ist eine Schmäh- oder Spottschrift, die verfasst wird, um eine bestimmte Person zu verleumden oder in ihrer Ehre zu verletzen. Quelle: Wikipedia)

Martin hat eine neue Freundin. „Die Helga“. So hat sie sich vorgestellt. „Hallo, ich bin die Helga.“ Das Kind hat die Helga gesehen und gelacht. „Du bist ja ganz fett“, hat das Kind gesagt. Wir haben alle mehr oder weniger gelacht. Mehr das Kind, wir anderen weniger. Jedenfalls besucht die Helga den Martin jetzt immer am Wochenende. Martin und Helga haben sich für eine Fernbeziehung entschieden.

Fernbeziehungen sind Rollenmodelle, die in einer eingeschlechtlichen, zweigeschlechtlichen oder anders- geschlechtlichen Partnerschaft eingegangen werden, damit man den Druck aus der Spritze bekommt.

Später gehen das Kind und ich einkaufen. Das Kind möchte wissen, was eine Fernbeziehung ist und warum Martin immer so traurig guckt, wenn die Helga wegfährt. Bei einer Fernbeziehung wohnen die Partner an verschiedenen Orten, erkläre ich dem Kind. Auf Grund des Berufes, Verpflichtungen die sich aus früheren Lebensgemeinschaften ergeben, manchmal aber auch medizinischen Gründen, hier sind als Beispiele eine asthmatische Erkrankungen oder eine Pollenallergie zu nennen, ist es nicht möglich, zusammenzuziehen. Oft sind alle deswegen sehr traurig.

Das Kind und ich stehen an der Supermarktkasse. Das Kind sagt, dass es auch sehr traurig ist. Leider versucht es in seiner Trauer ein paar Süßigkeiten zu mopsen und wird vom Filialleiter des Diebstahls überführt. Ich versuche mich für das Kind zu entschuldigen, aber das Kind weiß sich selber zu helfen. Erst kratzt es sich am Po, dann schreit es aus allen Rohren. „Meine Scheide brennt“, kreischt es, schmeißt sich auf den Boden. „Meine Scheide.“

Ich kenne diese Auffälligkeiten bei ihr schon, andere nicht. Böse Blicke erreichen den Filialleiter: Ein Kleinkind, ein älterer Herr in einem grauen Supermarktkittel, der das Kind offensichtlich gegen dessen Willen festhält, eine brennende Scheide. Der Fall ist für das Publikum klar und das Kind kommt ohne Strafe davon, darf sogar die Süßigkeiten behalten. Trotzdem werden wir hier nicht mehr einkaufen. Nicht der erste Supermarkt, denke ich.

Studien zeigen, Fernbezieher ziehen es früher als andere vor, wieder wieder alleine zu leben. Sächsische Wissenschaftler (vielleicht auch niedersächsische, das spielt hier gar keine Rolle) haben in einer mehrjährigen Langzeitstudie, dass Verhalten der Fernbezieher zum Benzinpreis analysiert und gezeigt, dass Forschung nicht immer sinnvoll ist.

Wieder zu Hause klingelt das Kind beim Nachbarn und fragt, ob Martin und die dicke Helga auf Grund des Berufes, Verpflichtungen, die sich aus früheren Lebensgemeinschaften ergeben oder aus medizinischen Gründen nicht zusammenziehen. Martin erklärt darauf meine Tochter zur persona non grata und schmeißt seine Tür zu. Das Kind bleibt mit vielen Fragen vor der Tür zurück. Aber so ist das in dem Alter. Wichtig: Für mich bleibt das Kind eine persona gratissima.

(Als Persona non grata bezeichnet man den Status eines Angehörigen des diplomatischen Dienstes oder einer anderen Person, deren Aufenthalt von der Regierung des Gastlandes per Notifikation nicht mehr geduldet wird. Das Gegenteil ist die persona grata beziehungsweise die persona gratissima. Quelle: Wikipedia)

Notizen auf dem Reihenhäuschen – Homeoffice

Ich bin im Homeoffice. Das Kind liegt auf dem Bett und hat versprochen mich nicht zu stören. Es guckt sich ein Buch an, ein Vogelbuch, und wackelt mit den Füßen. Ich fühle mich nicht gestört.

Ich sitze an meinem Schreibtisch und überlege, was ich heute in mein dystopisches Glossenportal huste. Ich nenne das Arbeit.

Papa? Das Kind hat aufgehört, in das Buch zu gucken. Papa? Jetzt guckt es mich an.

Ich fühle mich immer noch nicht gestört. Papa? Was ist das für ein Vogel?, fragt es. Das Kind steht mit dem Buch neben meinem Schreibtisch. Du hast versprochen, mich nicht zu stören, sage ich, versuche dabei ein wenig Vorwurf in die Stimme zu legen. Das Kind kennt Vorwurf noch nicht, lacht und legt das Vogelbuch auf meinen Tisch, es zeigt auf einen Pfau. Ich fühle mich vielleicht doch gestört. Das ist ein Pfau, sage ich. Kann der fliegen?, will das Kind wissen. Ich spule mein spärliches Pfauen Wissen ab. Jetzt verzieh dich, sage ich. Das Kind gehorcht.

Die Zimmertür geht auf. Unterm Türrahmen steht eine Frau. Es ist die Mutter des Kindes, meine Frau. Klopfen war früher, denke ich, bleibe aber ruhig. Die Frau ist aufgedreht. Sie hat heiße News, sagt sie. Weißt du, wer mit wem zusammen ist? Da kommst du nie drauf. Die Frau lacht glücklich. Robert und Doro. Sie schaut mich erwartungsvoll an. Ich kenne keinen der beiden. Trotzdem lache ich kurz auf. Ich will ein  erfreutes Erstaunen zum Ausdruck zu bringen. Die Beiden, versuche ich mein Lachen zu unterstreichen. Mittlerweile fühle ich mich sehr gestört.

Die Frau fragt, warum ich so blöde lache. Auf dem Bett fängt das Kind an zu weinen. Es hat hat sich eine Kante des Vogelbuchs in die Nase gesteckt. Natürlich blutet sie Buch und Bett voll. Die Frau fragt, ob ich so komisch lache, weil das Kind blutet. Ich sage, dass ich wegen Robert und Doro lache. Die Frau guckt gar nicht mehr freundlich. Sie fragt sich manchmal, ob ich ein wenig gestört bin. Ich klappe den Deckel des Notebooks runter. Ich nicke. Vollkommen richtig, denke ich. Ich fühle mich nicht nur gestört, ich bin mittlerweile gestört.

Notizen aus dem Reihenhäuschen – Mutter

MUTTER

Bei meiner Mutter im Haus ist ein Nachbar gestorben. Der Herr Jonas. Herr Jonas und Mutter hatten nie ein besonders persönliches Verhältnis zueinander, eigentlich hatten sie gar kein Verhältnis zueinander. Nach dreißig Jahren unter einem Dach, solange wohnt meine Mutter schon in dem Haus (Herr Jonas wohnte dort schon, bevor es mich gab, also vor einer für mich relevanten Zeitrechnung), also nach einem halben Raucher- Menschenleben unter einem Dach beschränkte sich das soziale Miteinander bei Mutter und Herrn Jonas auf ein Grüßen im Treppenhaus oder ein Kopfgenicke auf dem Garagenhof. Ich glaube, wenn sie sich mal außerhalb der Nachbarschaft sahen, versuchten sie sich zu übersehen. Einmal begegneten meine Mutter und ich Herrn Jonas in der Innenstadt. Ich wollte gerade meiner Mutter sagen, dass dort Herr Jonas ist, da war sie aber schon verschwunden. Sie hatte sich hinter einer Häuserecke versteckt, damit man sich nicht unnötiger Weise grüßen oder sogar noch miteinander reden musste. „Ist zwischen euch was vorgefallen“, fragte ich, nachdem ich sie in ihrer dunklen Ecke gefunden hatte. „Rede nicht so ein Blödsinn“, sagte Mutter hinter ihrer Häuserecke. „Oh, guck mal ein Kaufhaus“, windete sie sich hinter ihrer Ecke her, „Wir sollten …“, sie zog mich am Ärmel runter von der belebten Straße. „Socken kaufen.“ „Socken?“, fragte ich, baff der rhetorischen Finnesse meiner Mutter. „Socken“, sagte sie mit Nachdruck. Also kauften wir Socken, da man dadurch ein Gespräch mit Herrn Jonas aus dem Weg ging und man Socken immer gebrauchen konnte.

Jetzt ist der Herr Jonas gestorben. Meine Mutter hat es mir am Telefon gesagt. Woran weiß sie nicht, aber sie muss noch eine Karte schreiben, ihre nachbarschaftliche Pflicht erfüllen. Das ist meiner Mutter wichtig, die Pflicht erfüllen. Es gibt noch weitere Nachbarn, die sonst reden. Sie tuscheln, wenn man nicht seine Pflichten erfüllt, zu laut Musik hört, vergisst das Treppenhaus einmal die Woche sauber zu halten, den Hof nicht fegt, die Nachbarn nicht grüßt, den Müll nicht trennt, das Unkraut sprießen lässt, den Keller nicht aufräumt, das Licht brennen lässt, die Fenster nicht putzt oder auch noch Wannen voller Schlüpfer im Gemeinschaftsgarten an der Wäschespinne trocknet und dazu noch aussieht, als ob man sich gar nichts leisten kann, vor allem keine Waschmaschine.  Sie tuscheln und ist der Ruf erst einmal ruiniert, lebt es sich in der Nachbarschaft meiner Mutter ganz sicher nicht ungeniert. Ne, dann kann man sehen, wo man bleibt, sagt Mutter.  In dieser Nachbarschaft bleibt man nämlich ganz sicher nicht, wenn man nicht weiß, was Nachbarschaft und Pflicht heißt, erklärt sie mir.

Und meine Mutter, sie ist nun Mitte Siebzig, will nicht auf der Straße sitzen und betteln.  Weil auf ihren Sohn muss sie ja nicht zählen. Da weiß sie, womit sie zu rechnen hat und womit nicht. Sicher nicht mit Hilfe. „Apropos Hilfe, kannst du mir eine Karte schreiben und vorher kaufen und einwerfen und dann sollte es aber auch gut sein, mit den Nachbarn, dem Herrn Jonas. Dann hat man doch seine Pflicht erfüllt?“, fragte Mutter am Telefon. Ich nickte. „Was“, fragte Mutter, da man mein Nicken nicht durchs Telefon sah. Ich nickte also laut und Mutter nickte auch laut und fragte am Ende des Telefonats, ob ich mir zu Weihnachten nicht ein paar Socken wünschen würde. Es war Frühjahr, April, aber ich konnte mir gut vorstellen, dass ich mir Weihnachten ein paar Socken wünschen würde. So nickte ich noch einmal durchs Telefon, nickte laut und legte auf.

Herr Jonas ist tot. Aber Mutter hat gemacht, was man machen muss. Die Pflicht erfüllt. Den Rest mache ich. Dafür gibt es Socken. Sie hat sich nichts vorzuwerfen. Sie ist aber auch nicht gestorben.

 

Angst essen Seelen auf

Sommer 2019. Angst essen Seelen auf. Angst essen Deutsche auf. Ausländer nehmen unsere Frauen, unsere Arbeit, unsere Wohnungen und die Autobahnen. Angst essen Autofahrer auf. Die Ausländer kommen, rasen und wir reparieren, also die Straßen. Das ist doch gemein, oder?

Angst essen Seelen auf. Das Kind kann nur schlafen, wenn die Tür offen bleibt und das Licht im Flur brennt. Unter ihrem Bett ahnt sie Trolle, Hexen, Einhörner, Feen, ja es gibt in ihrer Welt böse Feen und Riesen, riesige Riesen-Insekten. Und Oma zittert in Fahrstühlen und in der Regionalbahn Münster-Bielefeld. Wir müssen die Ängste der Bürger ernst nehmen, sagt Politik. Krankhaft übersteigerte oder nicht rational begründbare Angst wird als Angststörung bezeichnet, sagt Wikipedia. 1974, „Angst essen Seelen auf“ erscheint. Das ist ein wirklich guter Film, aber ich bin drei Jahre alt und interessiere mich noch nicht für Filme. Dennoch: Ich bin geborgen und ich bin glücklich. Nur Nachts lässt die Mutter das Licht brennen.Wegen dem Monster unter meinem Bett. Ich habe es gesehen. Wirklich.

Internet find ich super und den Mond irgendwie auch.

Fünfzig Jahre Mondlandung. Auf der Heimfahrt oder Rückfahrt von einem Poetry Slam höre ich ein Radiofeature auf WDR5. Eine Stunde Top-Songs und Anekdoten über den Mond. Nach der Stunde weiß ich: Rein musikalisch war die erste bemannte Mondlandung ein voller Erfolg. Immerhin.

Auch wenn meine musikalische Erziehung nach ein paar Minuten C Flöte Spiel endete, begleitete auch mich der Mond in der Musik an vielen Wendepunkten meines Lebens. Kindheit: La-le-lu / Nur der Mann im Mond schaut zu / Wenn die kleinen Babies schlafen /Drum schlaf‘ auch du, sang damals nicht nur meine Mutter sondern auch Heinz Rühmann. Heute sing ich für mein Kind: La-le-lu / Nur der Mann im Mond schaut zu?

Pubertät: Kennen Sie „Walking on the moon“ von The Police? Bei diesem Klassiker der Schmusi– Schmusi – Lieder zeigte mir Monika Homann, wie man mit Zunge küsst. Wer will bestreiten, wie wichtig Schmusen für die spätere Entwicklung ist? Ich nicht.

Postpupertät: Zu David Bowie und Space Oddity nahm ich pschoaktive Pilze. Man sagt: Man erfährt auf so einer Psychoreise eine Menge über sich und lernt das Tier kennen, was man nach seiner Wiedergeburt ist. Ich werde später ein Kartoffelkäfer sein.

Fünfzig Jahre Mondlandung. Dreißig Jahre Schmusen mit Monika Homann. Ein Leben Kartoffelkäfer. In fünf Minuten steht meine digitale Playlist mit Songs, die den Mond im Titel feiern. Das Internet braucht 0,61 Sekunden für 9 777 000 Einträge. Vor dem Internet: Bibliotheken, Katalogkästen und Registerkarten. Heute 0,61 Sekunden für ein Haufen Vergangenheit und Erinnerungen. Internet? Internet find ich super und den Mond irgendwie auch.

Nachtrag: Mein Deutschlehrer belehrte uns, dass man „irgendwie“ nicht in seiner Sprache nutzen sollte. Das ist schlechtes Deutsch, sagte er. Ich sage: Mein Deutschlehrer war irgendwie ein Penner, der seine Kartoffeln auch irgendwie mit heißem Wasser kocht.

Schluss mit Facebook. Geht mal wieder in den Wald oder kauft euch ne Katze

Es ist soweit: Alle finden Facebook, Twitter, Instagram und Co doof. Zum Beispiel Claudia S. aus M. Auf die Frage wie sie Facebook findet, schreibt die Hernerin: „Ich find Facebook doof. Nur Hate Speech, blöde Katzenvideos und Penispumpen.“ Die Claudia kann sich darüber richtig aufregen. „Wissen sie, was sie mit ihrer Penispumpe machen können?“, fragt Claudia S. aus H. „Die können sie sich über die Nase ziehen. Das können sie damit machen“, beantwortet sie ihre eigene Frage. Trotz ihrer Wut hat Claudia S. ihren Humor noch nicht verloren.

Und die Claudia ist nicht die Einzige, die so denkt. Viele finden momentan Facebook doof. Doch die Claudia geht sogar einen Schritt weiter. „Morgen melde ich ab. Dann ist Schluß, schrieb Claudia überraschend für viele heute Morgen auf ihre Pinnwand. Zuerst hatte Claudia Angst vor diesem Schritt, aber ihre Freunde haben sie unterstützt und ihr gezeigt, dass es der richtige Weg ist.

„Zuerst war ich unsicher, aber ich habe soviel Zustimmung erfahren. So viele liebe Worte. Das war echt toll“, schreibt die Claudia uns. Viele ihre Freunde haben ihr mit einem „Gefällt mir“ Daumen gezeigt, wie mutig sie den Schritt fanden, aber so mancher hat auch geschrieben, dass Claudia ihnen fehlen wird.

„Wenn man diesen Schritt wagt, sollte man genau überlegen, wie man die Zeit, die einem auf einmal zur Verfügung steht, sinnvoll nutzt. Viele fallen in ein tiefes analoges Loch, nachdem sie sich abgemeldet haben, sagt Social Media Versteher Klaus von Bülow. Nicht selten füllen sie das Loch mit alkoholischen Getränken oder Tabletten. Die Experten sprechen hier von Suchtverlagerung.

Auch Claudia S. hat keine Angst, dass sie die neue Freiheit nicht füllen kann. Sie hat sich vorgenommen, jeden Tag einen Spaziergang zu machen. Auch überlegt sie, sich eine Katze zu kaufen. „Vielleicht mache ich dann selber Katzenvideos.“ Sie lacht bei dem Gedanken. Und wenn es es gar nicht funktioniert, weiß sie, dass sie immer wieder zurück kann. Ihr persönlichen Daten bleiben im Netz und bei Facebook. Für immer.

Mit Maaßen trinken

Herr Maaßen ist gestern vorzeitig pensioniert worden. Mein AOK Gesundheitsmagazin warnte schon vor längerer Zeit, dass viele Frührentner oder frühpensionierte Schwierigkeiten haben, die neue Freizeit sinnvoll zu füllen. Sie fangen an zu trinken, sitzen den ganzen Tag vor der Glotze und tyrannisieren ihre Mitmenschen. Ich weiß, wovon ich rede. Mein Vater war auch Frührentner. Doch er konnte nie den lieben Gott einen gut Mann sein lassen. Das sagte er immer: Ich kann doch nicht den lieben Gott einen gut Mann sein lassen und dann zog er seine grünen Gummistiefel an und mähte bei den Nachbarn für ein paar Mark den Rasen oder Schnitt ihre Hecke. Nachbarschaftshilfe ist das, hat mein Vater mir erklärt, wenn ich fragte und auch wenn ich nicht fragte, hat er es mir erklärt. Er war eben auch ein bißchen stolz darauf. Meine Mutter nicht. Sie sagte, ich darf das nicht in der Schule erzählen, dass der Papa Nachbarschaftshilfe macht und ich versprach es.

Herr Maaßen kann jetzt auch Nachbarschaftshilfe machen. Als alter Geheimdienstler weiß er auch genau, was man weiter erzählen darf und was nicht. Herr Maaßen hat schon angekündigt, dass er ein wenig Nachbarschaftshilfe machen möchte. Natürlich möchte Herr Maaßen nicht den Rasen seiner Nachbarn mähen – auch wenn das eine hochanständige Arbeit ist, was man auch mal sagen muss. Herr Maaßen dachte eher an etwas politisches oder eine wirtschaftliche Geschichte. Vielleicht mal ein Straßenfest organisieren oder eine Mahnwache abhalten. Mit den neuen Freunden für eine gute Sache eintreten. Die neuen Freunde, die so zahlreich geworden sind, auch weil man hier und da ein Auge zugedrückt hat. Oder man könnte Spenden sammeln gegen die radikalen Elemente in der Sozialdemokratie. Gegen Brandstifter wie diesen hanseatischen Polit-Hooligan, der sich Finanzminister schimpft, oder gegen Aufrührer und Populisten wie diese stämmige Matrone, die erst gerade wieder Pipi Langstrumpf auf der politischen Bühne zitiert hat.

Es gibt viele Arte der Nachbarschaftshilfe. Man darf darüber aber eigentlich nicht sprechen, weil man als Frührentner und vorzeitig Pensionierten eigentlich gar nichts mehr machen sollte. Wenn ich mir etwas zu Weihnachten wünschen dürfte dann würde ich mir wünschen, dass Herr Maaßen keine Nachbarschaftshilfe machen kann. Das ihn einfach keiner will. Aber das geht nicht natürlich nicht. Der Wunsch. Wegen dem Weihnachtsmann und auch der Selbstgerechtigkeit, meine ich.

Über Rentner, die von Rollatoren erschlagen werden (Die wahre Geschichte)

Es war ein heißer Tag in Fußgängerzone Bochums. Auf dem glühenden Asphalt flimmerte die Luft. Bei diesem Wetter sollte man mit Freunden das Freibad genießen oder ein kühles Getränk im Schrebergarten oder auf Bad Balkonia zu sich nehmen. In den Nachrichten rieten die Moderatoren, zu Hause zu bleiben. „Obacht! Hitzealarm!“, sagten sie. Wer Probleme mit Hitze hat, solle die Fenster verhängen, sich zu Hause in seinem Sessel ein wenig Ruhe gönnen, warten bis die schlimmste Mittagshitze vorbeigezogen ist, empfahlen die Wetterfrösche.

Eine Rentnerin hat die Meldungen nicht gehört oder nicht hören wollen. Ein wenig später war sie tot. Mord. Der Mörder, ein Asylant. Ein Ausländer.

Hintergrund: Die Rentnerin Elisabeth Schulze Erdel konnte heute nicht zu Hause warten. Sie hatte Hummeln im Po. Sie musste dringende, wichtige Einkäufe in der Stadt erledigen. Am nächsten Wochenende feierte ihr Lieblings-Enkel Wolfgang Schulze Erdel aus Bottrop seinen achtzehnten Geburtstags und Oma Elisabeth, wie sie liebevoll von allen, die sie kannten, genannt wurde, wollte ihrem Wolli in der Stadt noch ein paar Geschenke kaufen. Sonst würde Elisabeth Schulze-Erdel sicher nicht auf die Idee kommen, bei der Hitze rauszugehen. Hatte der Arzt ihr nicht geraten, gerade im Sommer es Ruhig angehen zu lassen. „Ihr Herz, liebe Frau Schulze-Erdel, ihr Herz, es ist nicht mehr das Jüngste. Frau Schulze Erdel. sie sind keine Achtzehn mehr. Auch wenn man ihnen sicher nicht ihre Jahre ansieht, sollte sie ihrem Arzt vertrauen“, scherzte noch gestern ihr Hausarzt.

Aber was machte Oma Elisabeth nicht alles für ihren Enkel, der ihr schon vor drei Jahren einen Urenkel geschenkt hatte? Welche Oma darf das heute noch erleben, Ur-Oma werden?

Auf jeden Fall war Frau Schulze Erdel gerade mit ihrem Rollator, einem Drive Medical Rollator Nitro, in der Fußgängerzone zwischen Karstadt und Kaufhof Sie überlegte, ob sie sich vor dem Kauf einer neuen Armbanduhr für ihren Enkel noch eine Bratwurst gönnen sollte, als plötzlich ein fremdländisch aussehender Mann ihren Weg kreuzte und sie anrempelte. Hä, schrie Frau Schulze-Erdel, die nicht wusste, wie ihr geschah. Doch statt sich für seinen Rempler zu entschuldigen, rempelte der fremdländisch aussehende Mann sie ein zweites Mal an, so dass sie auf den Popo plumpste. Und plötzlich passierte es: Ein Mord am helllichten Tag. Der Mann, der scheinbar drogensüchtig war, so nimmt heute die Staatsanwaltschaft an, nahm sich den Rollator, einen modernen Drive Medical Rollator Nitro, und schlug ihn Frau Schulze Erdel auf den Hinterkopf. Danach schnappte er sich den Drive Medical Rollator Nitro, der auch gebraucht noch gute Preise erzielt, und flüchtete in den Kaufhof hinein, wo er sich scheinbar verstecken wollte.

Doch die Flucht mißglückte. Im Kaufhaus wurde er glücklicherweise sofort von diversen Passanten und einem Kaufhausdetektiv gestellt. Sie sperrten den drogensüchtigen Ausländer in eine Damenumkleide und eine Verkäuferin „Oberhemden und Damenunterwäsche“ rief die Polizei.
Wäre die Polizei nicht schnell genug dagewesen, man weiß nicht, wie weit die Wut der Passanten gegangen wäre. Der drogensüchtige, lumpig aussehende Ausländer bekam den ganzen Hass der Passanten zu spüren. Du dreckiger Ausländer, brüllten sie. Ich will auch spuken, riefen sie.

Später stellte es sich heraus.: Es war natürlich ein Wirtschaftsflüchtling. Nachdem sein Antrag auf Urlaub in der Hängematte Deutschlands gescheitert war, ist er ausgerastet. Die Staatsanwalt berichtete heute unserer Zeitung, dass der dreckige Ausländer am Morgen seinen ablehnenden Asylbescheid bekommen hatte. Aus Hass auf Amt und Beamte ging er ihn die Stadt und beschloss, eine wehrlose Dame zu verletzen, die zu ihrem Unglück Oma Elisabeth hieß.

Einen Tag danach. Wir fragen: Wie lange noch? Müssen erst noch weitere Rentnerinnen von Rollatoren erschlagen werden. Was kommt als Nächstes? Werden unsere Kinder bald von afrikanische Drogendealern unterrichtet? Ist der Afrikaner dabei, unsere deutsche Kultur zu übernehmen.

Lesen sie nächste Woche: Hunderkrieg in Berlin: Rumänischer Mischling beklaut deutschen Schäferhund. Mütter protestieren: Asylbewerber wirbt für Kinderschokolade.