Deutschlandreise #5 – Osnabrück Bahnhofsvorplatz

Osnabrück Hauptbahnhof. Zwanzig Minuten bis mein Zug kommt. Ich setze mich auf den Vorplatz beobachte Land und Leute. Der Platz schneidet gut im Vergleich zu anderen Bahnhofsvorplätzen ab. Keine Hauptstraße direkt vor der Tür, sondern nur ein paar Bänke, Bäume, Bushaltestationen und der obligatorische Taxistand. Ein paar Fahrer stehen vor ihren Autos, rauchen, unterhalten sich über die schlechten Umsätze. „Früher war alles besser“, sagen sie. „Früher war alles besser“, sagte ich schon vor zwanzig Jahren, als Taxifahrer mein Beruf war.

Auf dem Vorplatz ein wenig Kunst aus Metall. Auf Kreisverkehren, Bahnhofsvorplätzen und Autobahnabfahrten stehen oft riesige Metallskulpturen. Die Lücke mit ein wenig Kunst füllen, das dient der kulturellen Bildung unserer deutschen Staatsbürger und macht ein gutes Bild vor unseren ausländischen Gäste. Gerne zeigt man im Öffentlichen Raum, in Veraltwaltungen und in Bankhäusern auch Kunst von Kindern, die sich zu einem Thema wie Krieg oder Umweltverschmutzung Gedanken gemacht haben. Natürlich nicht im Kreisverkehr oder auf Autobahnabfahrten, aber wenn was mit Kindern geht, werden ihre Arbeiten gerne genommen. Wir sind ein kinderfreundliches Land, sagen diese Bilder. Auf dem Vorplatz Osnabrück Hauptbahnhof aber eine Metallskulptur. Kunst, die nicht weg weht und auch nicht so schnell durch Rabauken beschädigt werden kann. Hier geht leider nichts mit Kindern.

Rund um den Bahnhofsvorplatz die typischen Bahnhofsvorplatz-Dienstleister und Geschäfte. Ein Kebabhaus neben einem Drogeriemarkt, ein McDonald neben der Post, es folgen Hotels für jeden Geldbeutel und ein Cinestar Kinokomplex. Im Hintergrund ein Spielkasino, wofür Osnabrück bekannt ist. Tante Heide hat hier mal ihre schmale Sozialhilfe verzockt, was ihre Stellung in unserer Sippschaft nicht gerade aufgewertet hat.

Osnabrück Hauptbahnhof. Noch zwei Minuten bis meine Bahn kommt. Ich schulter meinen Rucksack und verlasse den Vorplatz. Die rauchenden Taxifahrer rauchen immer noch und klagen über die schlechten Zeiten, ein Stadtbus verschlingt ein paar Reisende und vor dem Kasino sehe ich eine Frau, die ihren Mann mit einer Handtasche verprügelt. „Du hast was gemacht…?“, schreit sie über den Platz. Alle ahnen, was er gemacht hat. Tante Heide hat das damals auch gemacht,  auch Prügel bekommen.

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