Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke.
„Nächstes Jahr ist wieder Documenta. Fährst du hin, Herr Hoffmann?“, fragt Lukas, Langzeitstudent und Kiosk – Stammkunde.
„Nein“, sagt Herr Hoffmann kurz und knapp.
„Das ist die größte Kunstschau der Welt. Also…“
„Ich weiß, was die Documenta ist. Aber ich muss arbeiten.“
„Du kannst doch mal für einen Tag zumachen,“ meint Lukas.
„Nein, kann ich nicht. Sieben Tage, sonst rechnet sich das Büdchen nicht“, sagt Herr Hoffmann.
„Das ist ja eine ziemlich blöde Arbeit“, sagt Lukas, verzieht das Gesicht.
Auch Herr Hoffmann verzieht das Gesicht, will antworten, aber da läutet das Türglöckchen.
Es ist Herr Ärmel.
„Hallo zusammen.“
„Hallo Herr Ärmel“, sagt Lukas.
„Hallo“, grüßt auch Herr Hoffmann.
„Was gucken Sie denn alle so komisch?“, will Herr Ärmel wissen.
„Herr Hoffmann kann nicht zur Documenta, weil er arbeiten muss. Sieben Tage die Woche. Nie Urlaub. Jeder Lohnsklave führt ein besseres Leben“, jammert Lukas ironisch. Herr Hoffmann guckt böse zu ihm rüber.
„Wenn der Laden so wenig abwirft, macht ein Tag den Braten aber auch nicht fett“, sagt Herr Ärmel.
„Genau“, bestätigt Lukas. „Mein Reden, sehr richtig, Herr Ärmel.“
Herr Hoffmann will gerade antworten, da geht erneut das Türglöckchen. Und es ist wieder ein Stammkunde. Was ist denn heute los? Es ist Michael. Schnorrer Michael.
„Hallo zusammen“, sagt Michael und winkt leicht schüchtern. Michael ist nicht besonders selbstbewusst.
„Hallo Michael.“
„Michael.“
„Hallo.“ Die Anderen grüßen freundlich, aber ohne Winken.
„Was guckt ihr denn so?“, fragt Michael. Auch er hat gleich bemerkt, dass in dem Büdchen etwas in der Luft liegt.
„Herr Hoffmann kann nächstes Jahr nicht zur Documenta. Er geht bankrott, wenn er sich mal frei macht“, erklärt Herr Ärmel dem Schnorrer.
„Soll ich dir das Geld leihen, Herr Hoffmann?“, fragt Michael, aufrichtig betroffen.
„Jetzt reicht es aber“, sagt Herr Hoffmann aufgebracht. „Du bezahl erst einmal deinen Deckel“, sagt er zu dem ewigen Schnorrer.
„Einverstanden“, sagt Michael für alle überraschend. „Ich bezahl den Deckel und du, Herr Hoffmann, nimmst einen Tag Urlaub und fährst Kunst gucken.“
„Wisst ihr was?“ Jetzt mischt sich wieder Herr Ärmel ein. „Ich bezahle Michaels Deckel und Herr Hoffmann sagt hier und heute fest zu. Wir fahren alle zusammen nach Kassel.“ In seiner Euphorie bemerkt Herr Ärmel gar nicht, dass er sich gerade selber eingeladen hat. Doch Lukas, und ja auch Schnorrer Michael feiern den Entschluss.
„Ich…“ Herr Hoffmann will noch was sagen.
„Jetzt wird der Mund gehalten, Herr Hoffmann“, lacht Michael.
Herr Hoffmann fühlt sich überrumpelt. Echt, jetzt wirklich, er weiß nicht, ob das jetzt gut war.
Vor der Theke stehen Michael, Herr Ärmel und Lukas und freuen sich auf den gemeinsamen Ausflug. Für sie war, ja, ist es gut.

Regens niemanden Unterschlupf im Eingangsbereich gewährt. „Der Eingang muss frei bleiben. Bitte nicht die Kunst betreten. You destroy the art. You destroy the art“, schreit die Aufsicht und lässt auch die ältere, fußkranke Dame im Regen stehen, die ihn anfleht, sich unter das Regendach stellen zu dürfen. „Nein heißt nein“, seine Antwort auf ihr Flehen. Wie gesagt: Ein harter Hund. Ich denke, Student der sozialen Arbeit oder Primarstufe. Ein Sadist in Stoppersocken. 





Hundert Tage Skulptur Projekte. Hundert Tage Tagebuch. Eindrücke. Die Lokalzeit Münsterland berichtet ausführlich über die tollen Kunsttage. Ist das Kunst oder kann das weg, sagt der Fersehmoderator am Anfang des Beitrags mit einem Augenzwinkern. Dann wird über den Steg von Ayşe Erkmen berichtet. Eine Hundefrauchen ist jetzt schon traurig, wenn der Steg weg ist, Ihr Jazz, ein Dackel mit Mischling, läuft jeden Morgen über den Steg und findet es richtig gut. Ein Kunstkenner, sagt das Hundefrauchen mit einem Augenzwinkern. Sie selber fällt lieber kein Urteil. Das überlassen wir mal den Profis, lacht der Fersehmoderator mit einem Augenzwinkern. Ja, das ist schon traurig, denke ich ganz ohne Augenzwinkern.