Tag 3 – Skulptur Projekte. Über Zahlenspiele und Wartezeiten

Nicole Eisenman, Sketch for a Fountain

600 000 Gäste werden zu den Skultur Projekten erwartet. Gregor Schneiders Installation “N. Schmidt” darf immer nur von einer Person betreten werden. Die Öffnungszeiten sind von 10 Uhr bis 20 Uhr. Die Ausstellung endet am 1. Oktober 2017. Durchschnittlich hat jeder Kunstbetrachter weniger als eine Sekunde für seine Installation. Das reicht. Wir warten.

Wir warten. Gut lässt sich am Brunnen von Nicole Eisman warten oder heißt sie Eisenman? Sie hat an der Promenade einen Brunnen bauen lassen. Fünf Figuren hängen darum herum, zwei aus Bronze, drei aus Gips. Die Frau sagt: “Die Gipsfiguren lösen sich mit der Zeit durch das Wetter auf.” Auch sonst hängen viele Figuren um den Brunnen herum. Kinder baden. Mütter wickeln. Väter fotografieren. Japaner fotografieren. Mütter lesen Kunstkataloge. Väter rauchen. Man wartet, hängt ab. Die Frau sagt: “Das gefällt mir bisher am Besten.” Ich nicke. “Brunnen finde ich auch super”, sage ich und hänge mit ihr noch ein wenig ab.

Tag 2 – Skulptur Projekte. Über Wartezeiten und Lokalpatriotismus

Wir sind Kunst. Eröffnung der Skulpturprojekte. Installation von Cosima von Bonin und Tom Burr

Wir warten. Wir warten vor der ehemaligen Eissporthalle Münster. In naher Zukunft soll die Halle abgerissen werden und Wohnungen entstehen. Jetzt hat erst mal Pierre Huyghe die leere Eissporthalle für sich entdeckt. Die Schlange am Eingang ist circa fünfzig Meter lang. Egal, wir warten.

Es dürfen immer nur kleine Gruppe in die Halle. Das ist verständlich. Wenn alle gleichzeitig reindürften, würde man gar nichts mitbekommen, sehen. Ich war ,mal in der Sixtinischen Kapelle, da wird täglich einfach nur durchgeschoben. Da kann man sich besser ein Bild im Internet anschauen.

Also warten. In der Warteschlange höre ich Franzosen, Japaner, Engländer, Chinesen, Litauer und Schwaben. Münster ist auf einmal sehr international. Wir sind international. Wir sind Münster. Wir sind Kunst. Einen kurzen Moment bin ich sehr stolz auf meine Stadt. Darf man stolz auf seine Stadt sein? Ab wann darf man nicht mehr stolz sein? Ich bin nicht stolz auf mein Land. Ich bin nicht stolz auf mein Bundesland. Ich bin froh, im Münsterland zu leben, aber stolz? Ich schweife ab. Wir warten.

Nach einer Viertelstunde geben wir auf und beschließen ein anderes Mal wiederzukommen, wenn man nicht so lange warten muss. Man munkelt, dass die Wartezeit länger als eine Stunde beträgt. Das ist uns heute für die Kunst zu lang.

Tag 1 – Skulptur Projekte. Über kleine Bürgermeister und Schönwetterkunst

Ayşe Erkmen “On Water” – Kunst als Event?

Eröffnung der Skulptur Projekte im Landesmuseum. Es sprechen verschiedenen Persönlichkeiten, die sich für die Ausstellung verdient gemacht haben. Ein Bürgermeister, eine Kulturstaatssekretärin, ein Museumsdirektor feiern ihre Verdienste und die Verdienste der Anderen. Der Bürgermeister Münsters ist sehr klein und wirkt immer ein wenig lustig. Das macht ihn bürgernah, sagt die Frau. Nun ja.

Als der Vorsitzende der Sparkasse Münster die Bühne betritt, verlassen viele die Eröffnung. Ich denke, weil er aussieht wie ein Vorsitzender einer Sparkasse. Wir verlassen auch lieber die Eröffnung.

Wir fahren an den Hafen, um die Installation von Ayşe Erkmen zu sehen. Sie hat einen Steg über den Kanalhafen gebaut. Das Gitter des Steges ist knietief unter der Wasseroberfläche, so dass man sich die Hosen bis zu den Knien hochkrempeln muss, um trocken rüber zu kommen.

Es ist ein sehr sonniger, heißer Tag, so haben viele Spaß durchs Wasser zu laufen. Wie Jesus, sagt einer. Das ist so eine Anspielung auf Jesus, wie er übers Wasser lief, glaubt er zu wissen. Der Schlaukopf. Viele können leider nicht den Steg überqueren, da sie zu dicke Beine haben und die engen Hosen nicht hochziehen können.

Jesus hin und her. Ich denke, dass Ayşe Erkmen Installation Schönwetterkunst ist und sicher ganz gut in den hundert Tagen ankommen wird, da man übers Wasser laufen kann, so ein bisschen Event hat.