Tag 2 – Skulptur Projekte. Über Wartezeiten und Lokalpatriotismus

Wir sind Kunst. Eröffnung der Skulpturprojekte. Installation von Cosima von Bonin und Tom Burr

Wir warten. Wir warten vor der ehemaligen Eissporthalle Münster. In naher Zukunft soll die Halle abgerissen werden und Wohnungen entstehen. Jetzt hat erst mal Pierre Huyghe die leere Eissporthalle für sich entdeckt. Die Schlange am Eingang ist circa fünfzig Meter lang. Egal, wir warten.

Es dürfen immer nur kleine Gruppe in die Halle. Das ist verständlich. Wenn alle gleichzeitig reindürften, würde man gar nichts mitbekommen, sehen. Ich war ,mal in der Sixtinischen Kapelle, da wird täglich einfach nur durchgeschoben. Da kann man sich besser ein Bild im Internet anschauen.

Also warten. In der Warteschlange höre ich Franzosen, Japaner, Engländer, Chinesen, Litauer und Schwaben. Münster ist auf einmal sehr international. Wir sind international. Wir sind Münster. Wir sind Kunst. Einen kurzen Moment bin ich sehr stolz auf meine Stadt. Darf man stolz auf seine Stadt sein? Ab wann darf man nicht mehr stolz sein? Ich bin nicht stolz auf mein Land. Ich bin nicht stolz auf mein Bundesland. Ich bin froh, im Münsterland zu leben, aber stolz? Ich schweife ab. Wir warten.

Nach einer Viertelstunde geben wir auf und beschließen ein anderes Mal wiederzukommen, wenn man nicht so lange warten muss. Man munkelt, dass die Wartezeit länger als eine Stunde beträgt. Das ist uns heute für die Kunst zu lang.

Tag 1 – Skulptur Projekte. Über kleine Bürgermeister und Schönwetterkunst

Ayşe Erkmen „On Water“ – Kunst als Event?

Eröffnung der Skulptur Projekte im Landesmuseum. Es sprechen verschiedenen Persönlichkeiten, die sich für die Ausstellung verdient gemacht haben. Ein Bürgermeister, eine Kulturstaatssekretärin, ein Museumsdirektor feiern ihre Verdienste und die Verdienste der Anderen. Der Bürgermeister Münsters ist sehr klein und wirkt immer ein wenig lustig. Das macht ihn bürgernah, sagt die Frau. Nun ja.

Als der Vorsitzende der Sparkasse Münster die Bühne betritt, verlassen viele die Eröffnung. Ich denke, weil er aussieht wie ein Vorsitzender einer Sparkasse. Wir verlassen auch lieber die Eröffnung.

Wir fahren an den Hafen, um die Installation von Ayşe Erkmen zu sehen. Sie hat einen Steg über den Kanalhafen gebaut. Das Gitter des Steges ist knietief unter der Wasseroberfläche, so dass man sich die Hosen bis zu den Knien hochkrempeln muss, um trocken rüber zu kommen.

Es ist ein sehr sonniger, heißer Tag, so haben viele Spaß durchs Wasser zu laufen. Wie Jesus, sagt einer. Das ist so eine Anspielung auf Jesus, wie er übers Wasser lief, glaubt er zu wissen. Der Schlaukopf. Viele können leider nicht den Steg überqueren, da sie zu dicke Beine haben und die engen Hosen nicht hochziehen können.

Jesus hin und her. Ich denke, dass Ayşe Erkmen Installation Schönwetterkunst ist und sicher ganz gut in den hundert Tagen ankommen wird, da man übers Wasser laufen kann, so ein bisschen Event hat.