Autor: Andreas

  • Ü40 ist jetzt auch nicht so geil

    Früher war mehr Gekicher und Geflirte. Wenn ich mit meinem Fahrrad zur Arbeit fuhr, guckte man immer Mal in ein lächelndes Gesicht. Heute nicht mehr so. Eigentlich guckt fast niemand mehr und wenn, dann ist es eher dieser misstrauische Blick. „Ist das schon wieder so ein Corona Leugner?“ „Vielleicht sogar Impfgegner, Verschwörungstheoretiker, Reichsbürger, QAnon Anhänger?“

    Für einen Single ab Vierzig ist es momentan schwierig. Unmöglich jemanden beim Radeln kennenzulernen. Die Meisten der Ü40 haben mittlerweile ihr Nest eingerichtet. Ein, zwei Kinder, Reihenhäuschen oder vielleicht sogar was Freistehendes auf dem Land (!). Hund, Katze, Hochbeet und mit den Nachbarn kommt man auch gut aus. Das gibt man doch nicht für ein Lächeln auf dem Fahrrad auf.

    Eigentlich hat er oder sie oder ich oder du es doch auch gar nicht so schlecht getroffen. Ein Freund sagte mal, ihn würde schon der Papierkram von einer Scheidung abhalten. Hand hoch, wer noch, denke ich. Jedenfalls ist gerade eine schlechte Zeit für Partnerwechsel, auch wegen den Handgreiflichkeiten, die nie ohne Abstand gehen. In beide Richtungen.

    „Früher war alles besser“, sagt man dann ab Vierzig. Ich denke, unter den Jüngeren, den unter Vierzigjährigen wird immer noch viel gelächelt und geflirtet. Hormon-Geysire, die dich aus der Pedale heben, dich zum Pendaloman machen, sind mehr „flirty flirty“ als Mißtrauen (Kack-Satz).

    Misstrauen kennt kein Alter, aber im Alter, also ab Vierzig, kommt es häufiger vor, denke ich. Wobei ich die Anderen ab Vierzig meine. Nicht mich.

    („Du bist ja auch schon fast Fünfzig“, schreit eine Stimme aus dem Off. „Beweisen“, schreie ich zurück. Mist, denke ich. Also ehrlich.)

    Doch ich auch. Misstrauen kann ich und Neid und Eifersucht, und manchmal hilft nur ein Lächeln, das ganze Misstrauen zu zerbröckeln. (Wieder Stimmen: „Du bist so ehrlich zu dir selbst.“ „Ui, ganz toll.“ Eine rosa Lämpchen geht an. Ich grinse doof.) „Papa, Po abputzen.“ Ich grinse doof. Ich bin zu Hause. Ein Kind sitzt auf meinem Klo, lächelt mich an. Es kennt noch kein Misstrauen, denke ich da noch. Aber auch das ist falsch.

  • Der heilige Martin hat da mal was programmiert oder Kita Laternenfest 2.0

    Beim digitalen Kita Laternenfest werden die Kinder gefragt, was ihre Eltern beruflich machen. Alle Kinder dürfen etwas über das Zoom Fenster erzählen. Das ist Medienpädagogik für die ganz Kleinen, lacht die Barbara, die immer viel lacht. Mein Papa ist Geschichtenerzähler, sagt mein Kind stolz. Ach, Hartz 4, kreischt eine Mutter ins Internet. Hinter den Kacheln, die mit kleinen digitalen Laternchen geschmückt sind (ein Papa, der Martin (wer sonst?), ist Softwareentwickler und hat das mal programmiert), lächelt die Elternschaft und auch die Erzieher grinsen. Die anderen Kita Kinder gucken komisch und mein Kind grinst, weil es nicht weiß, was Hartz4 ist. Nur ich lache nicht. Lustiges Beruferaten mit Kind, Kachel und Laterne. Lehrer, Arzt, Softwareentwickler, Versicherungsmakler, Supermarkt Mitarbeiter und ein Geschichtenerzähler, der aber wegen Corona gerade auf Hartz 4 macht. Das denken alle, denke ich. Und ist ja auch richtig.

  • Ich verstecke mich hinter Autos 6 – plötzlich taucht brauner Pöbel auf

    Hier verstecke ich mich hinter einem grauen Geländewagen. Doch leider taucht brauner Pöbel auf und machte – wie immer – alles kaputt.
  • Ich verstecke mich hinter Autos 5

    Hier verstecke ich mich zwischen einem weißen und einem schwarzen Auto. Es ist aber kein Schwarz Weiß Bild, weil man sonst gar nichts sehen würde. Zuerst war ich fest davon überzeugt, dieses Mal ein hundertprozentiges Versteck gefunden zu haben. Aber ich habe einfach diese elendig langen Beine. Die muss man erst einmal versteckt bekommen, die Beine.
  • Scheitern am Schloss

    Isaac Newton saß 1666 unter einem Apfelbaum. Plötzlich gab es einen Windstoß und ein Äpfelchen fiel zu seinen Füßen. Newton ahnte, hier war was wichtiges passiert.
    Andreas Weber stand 2020 auf einer kleinen Treppe. Plötzlich gab es einen Windstoß und ein Weberchen fiel von der Treppe.. Weber ahnte, hier war was wichtiges passiert.
  • Notizen aus dem Reihenhäuschen – Opa will nicht sterben

    „Und das ist die alte Oma. Der Opa ist gestorben“, sagt das Kind und setzt eine Lego Figur auf die Lego Rutsche. Dann fasst das Kind sich an den Kopf. „Bin ich doof“, sagt es. „Oma ist viel zu dick für die Rutsche.“ Das Kind lacht. Vater und Mutter lachen. Oma guckt etwas bescheiden und Opa fragt, warum er immer schon gestorben sein muss.

    Tote leben länger. In meiner Tageszeitung berichten sie heute von einem Opa, den die Zeitungen schon mehrmals für Tod erklärt haben.  Dreimal musste der früherer französische Manager und Minister Bernard Tapie  schon erklären, dass er noch unter den Lebenden weilt. Beim ersten Mal entschuldigte sich noch ein Nachrichtensender  für die Panne. Beim zweiten Mal berichtete ein Sportsender über seinen Tod, zuletzt ein Radiosender.

    Bernard Tapie soll tatsächlich schwer erkrankt sein, weswegen er sicher wenig Freude an seinen Nachrufen hat, die eben doch so etwas wie Vorhersagen sind. Es ist, als ob alle auf seinen Tod warten und jeder der erste sein will, der die Nachricht bringt.

    Vor kurzem wurde der Nachruf Herbert Feuersteins gesendet. Feuerstein hat schon Jahre vor seinem Tod die Sache mit seinem Nachruf geregelt. Damit hier kein Quatsch (kein Feuerstein Quatsch) gesendet und gesagt wird, hat er den Nachruf selber in die Hand genommen (eben als Vorhersage).

    “Und das ist die Mama. Guck mal, wie die Mama rutschen kann. Hui…”, sagt Kind und setzt eine weitere Lego Figur auf die Lego Rutsche. Ich frage mich, ob das mit der Mama gut gehen kann. Die Oma klemmt noch im Lego.

  • Ich verstecke mich hinter Autos 4

     

    Direkt vor dem Münsteraner Schloß konnte ich mich heute hinter einer echten Karre verstecken. Und so sauber, den konnte man ablecken, wenn man wollte. Ich wollte aber nicht.
  • Mensch und Ratte

    “Unter allen Lebewesen gibt es nur zwei Tiere, die einfach so töten, um zu töten – nicht um das Weibchen zu bekommen oder das Revier zu verteidigen – einfach nur um zu töten: Der Mensch und die Ratte.”

    “Und der Mensch ist für den Menschen eine Ratte.”
    (Michel Serres)

  • Ich verstecke mich hinter Autos 3

    Hier verstecke ich mich hinter einem getarnten Taxi.