Notizen aus dem Reihenhäuschen – Opa will nicht sterben

„Und das ist die alte Oma. Der Opa ist gestorben“, sagt das Kind und setzt eine Lego Figur auf die Lego Rutsche. Dann fasst das Kind sich an den Kopf. „Bin ich doof“, sagt es. „Oma ist viel zu dick für die Rutsche.“ Das Kind lacht. Vater und Mutter lachen. Oma guckt etwas bescheiden und Opa fragt, warum er immer schon gestorben sein muss.

Tote leben länger. In meiner Tageszeitung berichten sie heute von einem Opa, den die Zeitungen schon mehrmals für Tod erklärt haben.  Dreimal musste der früherer französische Manager und Minister Bernard Tapie  schon erklären, dass er noch unter den Lebenden weilt. Beim ersten Mal entschuldigte sich noch ein Nachrichtensender  für die Panne. Beim zweiten Mal berichtete ein Sportsender über seinen Tod, zuletzt ein Radiosender.

Bernard Tapie soll tatsächlich schwer erkrankt sein, weswegen er sicher wenig Freude an seinen Nachrufen hat, die eben doch so etwas wie Vorhersagen sind. Es ist, als ob alle auf seinen Tod warten und jeder der erste sein will, der die Nachricht bringt.

Vor kurzem wurde der Nachruf Herbert Feuersteins gesendet. Feuerstein hat schon Jahre vor seinem Tod die Sache mit seinem Nachruf geregelt. Damit hier kein Quatsch (kein Feuerstein Quatsch) gesendet und gesagt wird, hat er den Nachruf selber in die Hand genommen (eben als Vorhersage).

„Und das ist die Mama. Guck mal, wie die Mama rutschen kann. Hui…“, sagt Kind und setzt eine weitere Lego Figur auf die Lego Rutsche. Ich frage mich, ob das mit der Mama gut gehen kann. Die Oma klemmt noch im Lego.

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