Hoffmanns Büdchen (45) – Ein Brief an Herrn Ärmel

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. „Was schreibst du da, Herr Hoffmann“, fragt Paket Paul und beobachtet den Büdchen Betreiber interessiert, wie er scheinbar einen Brief schreibt.

„Einen Brief“, sagt Herr Hoffmann.

„Ah“, sagt Paket Paul. Er hätte wissen müssen, dass die Kiosk Größe nicht mehr Worte als nötig verliert.

„Und?“, fragt Paket Paul weiter. Er weiß Herrn Hoffmann mittlerweile richtig zu nehmen.

„An Herrn Ärmel. Wegen unserem Missverständnis vor ein paar Tagen“, sagt Herr Hoffmann, während er konzentriert weiter auf sein Briefpapier schaut.

„Ah“, sagt Paket Paul. Herr Hoffmann guckt zu seinem Stammkunden, also Paket Boten hoch. Ihm ist nie aufgefallen, wie oft Paket Paul „Ah“ sagt.

„Darf ich dir den Brief mal vorlesen?“, fragt Herr Hoffmann.

Er weiß seinen Paket Boten mittlerweile richtig zu nehmen.

Paket Paul nickt. „Gerne.“ Er geht rüber zum Stehtisch, dem einzigen Möbel für die Kunden in Hoffmanns Büdchen, lehnt sich auf die Tischplatte.

„Na, dann mal los“, sagt er.

Und Herr Hoffmann legt los.

Lieber Herr Ärmel,

ich möchte mich bei Ihnen für mein Fehlverhalten vor drei Tagen entschuldigen.

Sie haben mir ihre tiefsten Gedanken über die Kunst eröffnet und ich habe nicht zugehört.

Stattdessen habe ich mich an einem Schwitzfleck auf ihrem Hemd festgeguckt. Die feuchten Achseln vorm Ärmel. Verstehen Sie die Doppeldeutigkeit? Mich amüsierten die Achseln vom Ärmel so sehr, dass ich Ihnen nicht zu hören konnte. Es tut mir wirklich leid und ich hoffe, Sie verstehen meinen Schalk und können bald wieder mit mir lachen.

Ihr,

Herr Hoffmann

„Und?“, fragt Herr Hoffmann.

„Ja“, sagt Paket Paul, wobei er sein „ja“ absichtlich lang zieht.

„Das heißt?“, fragt Herr Hoffmann vorsichtig.

„So bist du eben, Herr Hoffmann. Und Herr Ärmel ist auch schräg genug für so einen Brief.“

Herr Hoffmann zieht seine Augenbrauen hoch, Paket Paul ist noch nie aufgefallen, wie oft Herr Hoffmann seine Augenbrauen hochzieht, dann gibt er Paket Paul seinen Brief und widmet sich ohne ein weiteres Wort über den Brief wieder seinen Kiosk Geschäften. Drüben an der Schule hat gerade die Glocke zur Großen Pause geläutet. Gleich werden wieder Schüler (und natürlich auch Schülerinnen) seinen Kiosk stürmen, da braucht er seine ganze Kraft. Noch einmal durchatmen, da geht schon sein Türglöckchen. Es geht los.

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