Hoffmanns Büdchen (36) – Hoffmanns Spinnen

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. Auf seinen Kassenschälchen krabbelt eine Spinne. Herr Hoffmann greift nach der BILD. Er braucht nur einen Schlag.

Herr Hoffmann wischt mit einem Feuchttuch das tote Insekt weg. Die Feuchttücher liegen direkt neben der BILD. Herr Hoffmann mag keine Natur in seinem Laden: Keine Spinnen, keine Käfer und auch keine Yucca Palmen, Kakteen oder kleine Orchideen, sogar Haustiere versucht er aus seinem Büdchen fern zuhalten. An der Tür hat er ein Aufkleber mit einem durchgestrichenen Hund. Versteht trotzdem nicht jeder.

Als Kind war Herr Hoffmann da noch anderes, erinnert sich Herr Hoffmann. Da hieß er aber auch noch nicht Herr Hoffmann. Als Kind war er jeden Tag im Wald und nicht selten krabbelten ihm später kleine Käfer, Spinnen, Ameisen aus der Hose. Mutter schrie dann immer und sprang auf einen Stuhl. „Heinz – Gerd, mach das weg“, quietschte das elterliche Vorbild und sein Vater holte eine BILD und klatschte das Problem tot. Heute klatscht Herr Hoffmann tot. Mutter sagt: „Alles wiederholt sich.“ „Ach Mutter“, flüstert Herr Hoffmann und will gerade einen gepflegten Büdchentalk mit sich selber führen, da läutet sein Türglöckchen und ein Stammkunde, der Michael, Schnapstrinker, BILD Leser stolpert herein. Michael fragt, ob Herr Hoffmann noch Schnaps hat. Herr Hoffmann hat. Michael fragt, ob Herr Hoffmann erlaubt, noch einmal anzuschreiben. Herr Hoffmann verzieht das Gesicht, schreibt Zeitung und Schnaps zu den andern Flaschen und Zeitungen auf Michaels Deckel. Michael grinst doof, dankt und verzieht sich schnell. Ich bin einfach zu gutmütig, denkt der Kiosk Betreiber. Er steht hinter seiner Theke. Neben seiner Kasse sitzt ein Weberknecht. Herr Hoffmann grinst. Er greift nach der BILD. Er braucht nur einen Schlag.

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