Hoffmanns Büdchen (10) – Hoffmanns Rücken

Herr Hoffmann steht hinter der Theke. Herr Hoffmann hat Rückenschmerzen. „Seit Tagen habe ich Rücken“, sagt Herr Hoffmann zu sich selber (Büdchentalk nennt er diese Selbstgespräche). Aber wen wundert es? Herr Hoffmann steht jeden Tag zwölf Stunden im Büdchen, und natürlich hat man da Rücken.

Hoffmanns Arzt sagt, Herr Hoffmann muss mehr Sport machen. Muskelaufbau und für seine Kondition soll er auch was machen. „Herr Hoffmann, sie sind keine Achtzehn mehr“, sagte Hoffmanns Arzt beim letzten Besuch und gab Herrn Hoffmann einen Zettel, auf dem Rückenübungen erklärt wurden. Damit der Blödmann sagt, dass Herr Hoffmann keine achtzehn ist, dafür hätte er nicht extra den Laden dicht machen müssen, dachte Herr Hoffmann später, als er den Zettel in seiner Tasche wiederfand. Rückenschmerzen hatte er auch immer noch.

Alles Quacksalber, denkt Herr Hoffmann hinter seiner Theke heute. Da läutet das Türglöckchen. Herein kommt ein Mann, vielleicht Mitte dreizig, vielleicht aber auch über fünfzig, ein sehr geheimnisvoller Mann, der aber auch was weibliches hat, vielleicht sogar eine Frau ist, ja, eher eine Frau ist, Herr Hoffmann wird später nicht sagen können, ob Mann oder Frau. Der Mann oder die Frau sagt: „Herr Hoffmann , ich will dir helfen.“ Und der Mann geht zu Herrn Hoffmann hinter die Theke und die Frau oder Mann nimmt ihn hoch und streckt ihn und die Schmerzen sind weg. Einfach so, denkt Herr Hoffmann. „Einfach so“, sagt die Frau. Sie kauft eine Packung Camel und ein Feuerzeug, dann verabschiedet sie sich, und Herr Hoffmann wird lange Zeit keine Rückenschmerzen mehr haben und einmal mehr denken, dass die Eulen echt nicht sind, was sie scheinen.

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