Hoffmanns Büdchen (7) – Der Zorn der Anderen

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. Im Radio sagen sie, es ist immer noch „Corona“. Herr Hoffmann muss jetzt immer Maske tragen, wenn Kunden kommen. Lästig, aber Herr Hoffmann kann es sich nicht leisten, krank zu werden. Es kommen sowieso schon weniger Kunden, denkt Herr Hoffmann. Er macht sich Sorgen. Nicht nur um sich, aber vor allem um sich.

Das Glöckchen läutet. Ein Kunde betritt den Kiosk. „Hallo“, nuschelt der Mann hinter seiner Maske. Er geht zu den Spirituosen, nimmt sich eine Flasche Korn und drei Flaschen Bier. Gestern hat Herr Hoffmann noch gelesen, dass „Corona“ viele Menschen in den Alkohol treibt. Herr Hoffmann kann das bestätigen. An der Kasse zieht der Kunde seine Maske runter. „Ich kriege keine Luft mehr“, behauptet der Korntrinker. Herr Hoffmann überlegt kurz, ob er was sagen soll, sagt dann aber nichts. „Das hat die Merkel schön eingefädelt“, schimpft der Kunde. Herr Hoffmann schweigt. „Warten Sie mal ab. Das haben sich die da oben schön ausgedacht.“ Herr Hoffmann gibt dem Herrn sein Wechselgeld. „Und die Presse streichelt der Kanzlerin den Arsch“, sagt der Kunde. „Wiedersehen“, sagt Herr Hoffmann. Der Kunde verlässt den Laden. Herr Hoffmann guckt ihm noch einen Moment hinter her. Widerlich, denkt Herr Hoffmann. Manchmal fragt er sich, wo auf einmal die ganzen Idioten herkommen. Aber höchstwahrscheinlich gab es die auch schon vorher. Nur in der Krise fallen sie mehr auf.

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