Hoffmanns Büdchen (55) – Hoffmanns Schulkamerad

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. Das Türglöckchen läutet und ein Mann in ungefähr Herrn Hoffmanns Alter betritt den Kiosk.

„Herr Hoffmann. Hallo“, grüßt der Mann überschwänglich.

„Ja… guten Tag“, sagt Herr Hoffmann verhalten.

„Erkennst du mich nicht?“, fragt der Mann lachend.

Herr Hoffmann nickt. Er erkennt ihn nicht.

„Dein alter Schulkamerad. Albert“ Der Mann lacht immer noch.

„Ach, der Albert“, sagt der Büdchen Betreiber. Herr Hoffmann erinnert sich immer noch nicht.

Der Mann kauft ein paar Nüsschen und eine kleine Flasche Wasser. Beim Bezahlen zeigt er auf die Straße. Vor Hoffmanns Büdchen steht ein dicker, ein wirklich dicker BMW.

„Muss weiter. Ja, das Auto. Geht leider nicht ohne. Meine Partner erwarten das. Aber zu Hause bin ich, sind wir bio“, sagt der Mann, der Albert heißt. „Aber so ist das nun mal“, fügt er mit Lachen hinzu.

Herr Hoffmann nickt. „Ja, so ist das nun mal.“

„Du, ich muss weiter. Wir kriegen heute unser Solardach. Neu gebaut. Ökohaus. Aber du kennst das ja.“ Herr Hoffmann nickt. Ja, er kennt das ja.

„Herr Hoffmann. Bis dann“, sagt der Mann mit einem letzten Grinsen.

„Bis dann, Adolf“, sagt Herr Hoffmann.

„Albert“, sagt der Mann ernst. „Ich heiße Albert.“

„Ja, Albert genau“ , sagt Herr Hoffmann und endlich grinst Herr Hoffmann auch einmal.

Hoffmanns Büdchen (32) – Alter weißer, geiler Mann

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. „Bald ist wieder Inventur“, denkt er. Einmal im Monat macht Herr Hoffmann Inventur. Er zählt dann die Ware und jedesmal fehlt was. Seine Kunden beklauen ihn. Herr Hoffmann findet das armselig, einen Büdchen Besitzer beklauen, und die letzten Wochen ist er noch mißtrauischer geworden. Mit Mundschutz ist der Gauner kaum zu erkennen, denkt der Büdchen Besitzer und forscht im Internet nach Sicherheitstechnik für den kleinen Geldbeutel. Seine Stammkunden hatten natürlich auch ihre Ideen: Videoüberwachung, Lichtschranken, Sicherheitspersonal, Security und die Anstecker, die immer in der Neuware klemmen und die erst an der Kasse entfernt werden. Aber Herr Hoffmann war nicht sehr überzeugt.

„Nächste Woche ist Inventur. Dann sehe ich es wieder“, denkt Herr Hoffmann traurig.

Das Türglöckchen läutet und holt ihn aus seinen schweren Gedanken. Drei Schülerinnen sprengen seinen Laden. „Mundschutz, langsam, hintereinander“, schreit Herr Hoffmann, doch die Schülerinnen geben wenig auf die Worte des alten weißen Mannes. „Verkaufen sie auch Sex-Magazine?“, fragt die Lauteste von ihnen, während sie seine Zeitungen durchblättert. „Nein“, ängstlich schaut Herr Hoffmann auf seine Ausgaben. „Bitte liegen lassen“, ruft er ein wenig zu verzweifelt. Die anderen Mädchen lachen, wodurch sich die Anführerin bestärkt fühlt. „Na, unter der Theke haben sie doch sicher noch was liegen, alter weißer, geiler Mann.“ Sie grinst überlegen. Herr Hoffmann ist sprachlos. Da geht das Türglöckchen. Es ist Paket Paul. Paket Paul war noch nie sprachlos. Nach wenigen Augenblicken hat er die Situation durchschaut. „Einmal die Täschchen öffnen, verdeckte Drogenkontrolle”, schreit er und baut sich in seinem Paketboten-Uniform vor den fiesen Schulmädchen auf. Dem Trio fällt die Farbe aus dem Gesicht, ein panischer Blickwechsel und sie rennen wie vom Teufel gestochen aus dem Kiosk. Paket Paul klopft stolz über seine Uniform. „Einmal die Täschchen öffnen, verdeckte Drogenkontrolle?“ Herr Hoffmann kratzt sich am Kopf. „Hätte auch nicht gedacht, dass die das glauben.“ „Ja, die waren auch ein bißchen dumm. Danke.“ Herr Hoffmann nickt noch einmal anerkennend Richtung Paket Paul, sie lachen noch einmal über die ganze Dummheit, dann widmet sich jeder wieder seiner Arbeit.