Hoffmanns Büdchen (3) – Der Fall Nüsslein

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. Er liest Zeitung. Ein Herr Nüsslein aus der CSU hat sich an der Corona Pandemie unmoralisch bereichert. Herr Hoffmann möchte gerade ansetzen, los zu schimpfen, da reißt ihn das Türglöckchen aus seinen Gedanken. Ein ältere Herr in Wander Outfit betritt den Kiosk. „Guten Tag“, sagt der Mann und deckt sich an den Hoffmannschen Regalen mit Kaltgetränken, Nüsschen und Schokoriegel ein. Dabei berichtet er, dass er eine Städtetour macht. „Münster, ich habe viel von ihrer schönen Stadt gehört“, sagt er. Herr Hoffmann knurrt kurz. „Die schönen Kirchen, die schöne Kunst. Ihre Fahrradfahrer“, der Wanderer lacht, als ob er einen Witz gemacht hätte. Herr Hoffmann guckt fragend. Er hat den Witz nicht verstanden. Dann quält er sich aber doch noch sowas wie ein Grinsen raus. „Ja, wirklich lustig, diese Fahrradfahrer“, sagt er gequält. „Aber die Menschen sollen hier etwas verschlossen sein, im schönen Münster. Also, das schreiben sie hier“, sagt der Wanderer mit einem Augenzwinkern und zeigt auf seinen Marco Polo Reiseführer (mit Insider Tipps. Fahrradrouten und einem handlichen Stadtplan). „Oder ist es Einfalt?“ Ein letzter Versuch des Touristen. Beleidigungen der Eingeborenen. Herr Hoffmann nickt und lächelt. Er hat den Wanderer verstanden.

Mit einem „Idiot“ verabschiedet sich der Mann. Herr Hoffmann widmet sich wieder seiner Zeitung. Der Herr Nüsslein ist ein Netzwerker, der mit jedem in seinem Wahlkreis gut kann, mit allen ein Pläuschchen hält. Herr Hoffmann kommt wieder der Wanderer in den Sinn. Das war auch so ein Nüsslein, denkt er, und kurz überlegt Herr Hoffmann, ob der Wanderer nicht wirklich das Nüsslein war? Ein abtrünniger CSU Politiker im Münsterschen? Verkleidet als Wanderer auf der Flucht vor der Staatsanwaltschaft München 1? “Ach Blödsinn”, flüstert Herr Hoffmann, wieder ganz realistischer Münsteraner, und liest weiter seine Zeitung.

Hoffmann Büdchen (Teil 2 – Sport ist Mord)

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. Er macht Kniebeuge. Sein Arzt hat ihm gesagt, er muss was tun. “Was tun?“ Herr Hoffmann tat so, als ob er nicht verstand. „Sport, Herr Hoffmann. Sport“, lachte der Arzt. Herr Hoffmann kann darüber nicht lachen. Er steht jeden Tag zehn Stunden hinter der Theke, wie soll er da auch noch Sport machen? Herr Hoffmann sagt immer: „Sport ist Mord.“ Das hat mal ein amerikanischer Präsident, der Churchill, gesagt, weiß Herr Hoffmann und ist ganz seiner Meinung.

Das Ladentürglöckchen läutet. Ein junges Pärchen betritt seinen Kiosk. „Moin“, sagt der junge Mann. „Hallo“, sagt die junge Frau. Herr Hoffmann nickt nur, da er noch ziemlich außer Atem ist. Die Frau fragt nach Zigaretten. Ihr Freund steht hinter ihr. Während sie nach ihrem Geld sucht, versucht der Mann die Frau zu liebkosen. Er berührt ihren Po, ihre Brüste und was er noch zu fassen bekommt. „Jonas, lass das“, lacht die Frau. Der junge Mann grinst. Er hält sich für unwiderstehlich. Wie viele in seinem Alter, denkt Herr Hoffmann und reibt sich hinter der Theke seine schmerzenden Knie. „Jonas, ich habe gesagt, lass das“, wiederholt die junge Frau ihre Bitte. Als der junge Mann nicht ablässt, mischt sich Herr Hoffmann ein. „Hey, ihre Freundin sagte, Sie sollen das lassen“, kommt er hinter der Theke zur Hilfe. Die Frau lacht. „Ey, Süßer, ich kann mir schon selber helfen.“ Herr Hoffmann legt ihr die Zigaretten und das Wechselgeld auf das Geldschälchen und schwört sich wieder einmal, sich nicht mehr in die Angelegenheiten anderer einzumischen. Als die Beiden blöde gackernd seinen Laden verlassen haben, macht er wieder seine Kniebeuge. Noch zehn Stück, dann hat er heute sein Tagwerk getan. „Sport ist Mord.“ Dieser Churchill hatte gut reden. Der stand sicher auch nicht zehn Stunden hinter der Theke.

Hoffmanns Büdchen – Die Geschichte beginnt

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. Eigentlich alles wie immer. Plötzlich wird die Tür aufgerissen, das Glöckchen über der Tür klingelt schneller als sonst. Man merkt sofort, da stimmt etwas nicht. Eine Frau kommt in den Laden. Sie drückt die Tür hinter sich zu, guckt ängstlich raus. Herr Hoffmann weiß auch nicht, was er jetzt sagen soll und sagt erst Mal „Guten Tag“. Die Frau dreht sich zu ihm um, lächelt, sagt „Guten Tag“, dann stirbt sie. Herr Hoffmann ruft die Polizei und sie finden ihn kurze Zeit später immer noch an der Stelle, von der er alles gesehen hat. Die Presse will am nächsten Tag wissen, ob er Angst hatte. Herr Hoffmann hatte keine Angst.