Hoffmanns Büdchen (Episode 68) – Nicht Hoffmanns Krieg

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. Es ist Sonntag, aber für Herrn Hoffmann ist Sonntag auch nur ein Arbeitstag. Wie immer steht er von zehn Uhr morgens bis zehn Uhr abends im Büdchen.

Glücklicherweise sind heute aber wenigstens die Schulen dicht. „Jetzt auch noch einen Haufen Schüler, die mir auf den Kopf rumtanzen. Das fehlte mir heute noch“, denkt Herr Hoffmann und guckt auf die Sonntagszeitungen, die vor ihm auf der Theke liegen. Die Schlagzeilen schlagen alle die gleichen Zeilen:

Es ist Krieg. Krieg

Das Türglöckchen läutet. Herr Hoffmann erschrickt. Es ist Herr Ärmel. Gott sei dank, nur der Ärmel, denkt Herr Hoffmann erleichtert. Herr Ärmel ist Stammkunde in Hoffmanns Büdchen und Herr Hoffmann freut sich, ihn wiederzusehen. Der Architekt im Ruhestand war schon ein paar Tage nicht mehr im Kiosk.

„Guten Tag, Herr Hoffmann. Wie geht’s im Denkerstübchen?“

Herr Ärmel sagt zum Büdchen immer Denkerstübchen. Er findet das lustig. Herr Hoffmann findet es auch lustig.

„Herr Ärmel, wie schön“, sagt also Herr Hoffmann. Er freut sich aufrichtig – sogar an so einem Tag freut er sich aufrichtig den kleinen Philosophen, und ein kleiner Philosoph ist Herr Ärmel, also dem kleinen Philosophen wiederzusehen. Aber der Weltschmerz hat den Büdchen Betreiber gleich wieder gepackt.

„Wie soll es einem gehen, Herr Ärmel. Es ist Krieg!“, sagt Herr Hoffmann ernst.

„Ja, es ist Krieg“, sagt nicht weniger ernst Herr Ärmel.

„Zeitenwende“, sagt Herr Hoffmann.

„Ja, Zeitenwende“, sagt nun auch Herr Ärmel.

Beide Männer sind eigentlich nicht auf den Kopf gefallen. Beiden wirken ganz schön auf den Kopf gefallen. An diesem Sonntag. Es ist Krieg. Sie sind sprachlos. Wie auf den Kopf gefallen. Oder von den Schlagzeilen erschlagen. Es ist Krieg.

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