Hoffmanns Büdchen (25) – Die Süßigkeiten Laube oder Schüler abzocken

Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. „Wenn du das Heft lesen möchtest, musst du es kaufen.“ Der Schüler legt das Heft zurück ins Regal. „Danke, wollte nur mal schauen. Sie können ihr Heft behalten.“ „Gestern wolltest du auch nur schauen“, sagt Herr Hoffmann ärgerlich zum dem Jungen. Währenddessen stehen zwei andere Schüler vor seinem Süßigkeitenregal. Herr Hoffmann hat sich erst letztes Jahr das Regal bauen lassen. Jetzt können seine Kunden sich eine kleine Papiertüte mit seinem Logo seitlich am Regal abreißen und sich mit einer Metallzange das Weingummi aus den Fächern baggern. Mit der Schule gegenüber hatte sich “Hoffmanns Süßigkeiten-Laube”, so der Arbeitstitel, schon nach ein paar Monaten gerechnet.

„Allerdings sind die kleinen Hosenscheißer“ – so nennt er die Schüler an guten Tagen – „auch nicht immer einfach“, sagt Herr Hoffmann, wenn ihn jemand fragt und irgendeiner fragt ja immer.

„Hey, wenn ihr das Weingummi anfasst, müsst ihr es kaufen“, schreit er zu den zwei Jungs rüber. Tatsächlich bringt der Eine, die „Saure Gurke“, die er angepatscht hat, zur Theke. Er legt achtzig Cent vor Herrn Hoffmann hin. „Und zwei Zigaretten, bitte.“ Herr Hoffmann grinst. Der Junge schaut sich die Auslagen an, nimmt sich kurz die Nüsschen, guckt vorsichtig nach oben. Herr Hoffmann grinst. „Wie alt bist du denn?“, fragt Herr Hoffmann, als der Junge sich traut, seine Augen bis zum Kioskbesitzer anzuheben. „Ich?“ Herr Hoffmann lacht. „Ja, du. Oder hat gerade ein anderer, vielleicht elf jähriger Junge gefragt, ob ich ihm Zigaretten verkaufe? Ich glaube nicht, dass das ein anderer Junge war.“ Herr Hoffmann nimmt sich die zwanzig Cent für die Saure Gurke von der Theke. Als der Junge sich noch einmal traut, hochzublicken, guckt Herr Hoffmann streng, ja sogar sehr streng. Er zeigt mit einer Augenbewegung Richtung Tür. Der Junge versteht. Er winkt ohne ein Wort seinen Kumpels zu und die drei Schüler verlassen den Kiosk.

Vor Herrn Hoffmann liegt noch das restliche Geld des Jungen. Herr Hoffmann legt es neben die Kasse. Er weiß, dass der Junge zu feige ist, sich die paar Cent wiederzuholen. Er war damals als Schüler auch zu feige. An seiner Schule gab es wie hier einen Kiosk und Herr Hoffmann stand dort genauso peinlich wie gerade der Junge vor der Theke. Seine Mutter sagte damals immer „Alles wiederholt sich“. Das ist wohl Schwachsinn, weiß Herr Hoffmann. Aber manches ändert sich erst gar nicht, denkt er, doch da läutet wieder das Glöckchen und eine Horde Schulmädchen stürmt den Kiosk und er muss sich anderem widmen.

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