Über Social Scoring, Hegel und die deutsche Bulldogge

Wenn man in Münster als „Hegel“ beschimpft wird, ist man kein unglaublich heller Philosophenkopf sondern hat nicht mehr alle Latten im Zaun.

„Ey, du Hegel. Licht an“, schrie letztens ein Mann zu mir rüber, der mir auch mal zeigen wollte, dass ich nicht mehr alle Latten im Zaun hatte. Ich saß auf dem Rad, und hatte kein Licht an selben und für den feinen Herren stand fest, dass so ein Lichtloser auch sonst ein ziemlicher Hallodri sein müsse.

Später las ich in der Zeitung, dass China seine Einwohner mit dem Social-Credit-System (SCS)motivieren will, bessere Menschen zu werden. Wer sich systemtreu, ordnungsliebend, straßenverkehrs- und öffentlichkeitstauglich benimmt, bekommt Punkte und Punkte bedeuten mehr Lohn, eine bessere Wohnung, eine gelungenere Freizeitgestaltung oder eine kostenlose Nutzung des E-Bike oder Car Sharings. Die Botschaft: Punkte sind geil.

„Ey, du Hegel. Mach die Augen auf.“

Heute sammeln wir Bahn-Card-Punkte im ICE, Bonusheftchen Stempel beim Zahnarzt und beim Tanken gibt es Payback Points. Udo hat jetzt einen Schrittzähler und Gabi kriegt jeden Tag einen digitalen Pokal, wenn sie ihre Yoga Übung gemacht hat.

In China essen sie keine Hunde, aber man ist ganz heiß auf Treuepunkte. Hier schreit man: „„Ey, du Hegel. Diktatur, Dystopie, hier bei uns doch nicht, hier nie.“

Ich denke: „Mach die Augen auf.“ Die deutsche Bulldogge sammelt nicht weniger gerne Punkte. Und auch wenn uns der Konfuzius fehlt und der Hegel irrt, bin ich überzeugt, auch bei uns funktioniert „Social Scoring“.

Schön verpackt, mit einer klasse Marketing Schleife sammeln wir uns auch hier – mit Liebe – in die totale glückliche Überwachung. Da wette ich meine Payback Punkte drauf, ich Hegel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.