Mein Freund, der Verschwörungstheoretiker

Ich habe einen Freund, der ist jetzt Verschwörungstheoretiker. Natürlich sagt der Freund nicht: „Hey Andreas, ich bin jetzt Verschwörungstheoretiker.“ Der Freund sagt, er habe Fragen gehabt, die ihm keiner beantworten kann. So hat er selber nach Antworten gesucht und gefunden. Er sagt, ich soll mal aufpassen: „Aufstehen, arbeiten, Alkohol, ausruhen. Aufstehen, arbeiten, Alkohol, ausruhen. ABER: Aufstehen, arbeiten, Analyse, Alkohol, ausruhen. Aufstehen, arbeiten, Analyse, Alkohol, ausruhen.“ Er fragt, ob ich was merke. Ich sage, dass ich ja nicht blöd bin. Er nickt. „Dann weißt du ja Bescheid“, sagt er. „Sowas von Bescheid“, sage ich und denke: „Oh, oh … mein Freund, der ist jetzt Verschwörungstheoretiker.“

Er sagt, weil er eine andere Meinung hat, wird er jetzt von der Gesellschaft geschnitten. Freunde wenden sich ab, auf dem Elternabend in der Kita wurde ihm sogar der Vorsitz entzogen und in seiner Stammpinte soll er jetzt Mundschutz tragen. Ich sage: „Schwierig, schwierig.“

Mein Freund sagt: „Andreas, wir leben in einer linken Meinungsdiktatur.“ Aber er, der Freund, trägt jetzt keinen Mundschutz mehr. In seinem Supermarkt haben sie ihn gebeten, zu gehen. Mein Freund sagt: „Und weißt du, was ich gemacht habe. Ich bin gegangen.“ Ich sage: „Schwierig, schwierig.“ Ich denke, was ist die Alternative? Bleiben?

Mein Freund sagt: „Andreas, die Gesellschaft ist gespalten. Überlege mal, wer die Gewinner sind.“ Ich überlege. Keine Ahnung. Ich bin gespalten.

Mein Freund sagt, er wird jetzt als Verschwörungstheoretiker beschimpft, weil er sich informiert hat. Er zeigt mir Youtube Videos von Menschen, die die Wahrheit sagen. Ich frage, warum die Wahrheit so schwer zu verstehen ist? Warum die Videos so ruckeln?

Mein Freund sagt, die Wahrheit findet seinen Weg. Aber sie versuchen, ihn ruhig zu stellen, zu unterdrücken. Unterdrücken?“, frage ich. Mein Freund sagt, er kann nicht mehr mit Menschen befreundet sein, die sich unterdrücken lassen. Er ist viel zu wütend, um ruhig zu bleiben. „Schwierig, schwierig“, sage ich und überlege, ob  mein Freund noch mein Freund sein kann. Schwierig, schwierig.

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