Über Crowdfounding Plattformen, zweite Einkommen und natürlich Mutter

Ich bin jetzt bei „steady, sagte mir Anfang Juni ein Lesebühnen Kollege. Er hatte sich kurz vor der Corona Pandemie angemeldet und während des Stillstands hatten ihn die regelmäßigen Einnahmen durch die Veranstaltungspause gebracht. Der Kollege lebt hauptsächlich von seinen Auftritten und Buchverkäufer am Bühnenrand, da war die Corona Krise eine existenzbedrohende Sache.

Ich hatte noch nie von „steady“ gehört und fragte ihn, was das denn genau sei, wo man so nebenbei noch ein Einkommen bekommt. Er zeigte mir darauf, wie man sich auf eine Crowdfounding Plattform selber bewirbt und gegen laufende Zahlungen exklusive Inhalte oder ein „Danke schön“ anbietet. Spannend, dachte ich. „Danke schön“ kann ich. Als dann ein paar Tage später ein anderer Autor enthusiastisch eine ähnliche Plattform anpries, „patreon“, war ich angestachelt. Steckt da wirklich eine Chance dahinter? Das Prinzip ist immer das Gleiche: Künstler, Autor, Fotograf, Designer, Blogger, Taxifahrer oder was auch immer werden über ein Abonnement unterstützt. Der Abonnent kriegt dafür vom „Publisher“ exklusive Inhalte oder einfach ein „Danke schön“. Klar überlegt man, ob man auch „Publisher“ wird. Ein weiteres Einkommen ist ein sehr guter Grund, das „weitere“ brauche ich gar nicht, das Einkommen reicht mir schon.

Aber was ist, wenn dich keiner abonniert? Das ist sie wieder, meine Angst: Ich kann mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen, dass mich jemand abonniert. Warum auch? Weil ich ein wenig vor mich hinblogge? Oder weil ich einmal im Monat auf einer Lesebühne stehe? Weil ich ein paar Bücher herausgebracht habe? Weil ich in den letzten Jahren jedes kleinste Kuhkaff besucht habe, wenn jemand Poetry Slam schrie (ne, habe ich gar nicht)? Oder weil ich fleißig in die Künstlersozialkasse einzahle, da mich der Staat für einen Künstler hält? Ja, warum? Warum? Gerade mich? Gerade mich?

Ich stöbere herum. Auf der „steady“ Seite finde ich tatsächlich einen Slam Poeten und Comedian, der früher auch mal in meiner Stadt auftrat. Er hat – „Achtung! Achtung! Jetzt kommt eine Durchsage!“ – einen Abonnenten (sic!) und ich wette eine handsignierte Ausgabe meines letzten Buches, dem Bestseller „Herr Weber auf Safari“ darauf, dass es seine Mutter ist.

Aber ich will nichts gesagt haben oder nur leise. Wenn ich meine Erzeugerin bitten würde, mich auf einer Crowdfounding Plattform als regelmäßige Abonnentin mit einem kleinen Betrag zu unterstützen, würde sie mir nur erschrocken sagen, dass ich mich nicht auf so einen gefährlichen Unsinn einlassen soll. „Junge, du hast doch studiert. Du endest noch wie dein Vater, wenn du so weiter machst“, sagt sie dann wieder und ich werde wieder überlegen, wie mein Vater denn geendet ist, dass es meine Mutter so beeindruckt hat.

Ja, „steady“ und Co sind nichts für mich. Das weiß ich jetzt. Nicht wegen meiner Mutter oder dem einem gruseligen Abonnenten. Nein, es ist, weil man auch so eine Plattform wieder pflegen muss, also arbeiten und da bin, so regelmäßig, nicht gut drin. Das ist das Kreuz, das ich trage.

 

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