Opa und Schopenhauer (Opa und die Philosophen Teil 2)

Ohren, Ohren. Er hat keine Ohren, der taube Musikant, sagte Schopenhauer über Richard Wagner. Das finde ich schon mutig. Würde ich nicht sagen. Bin aber auch nicht Schopenhauer.

In einer Achtziger Jahre Dokumentation über den Denker, der auf Grund eines früh ausgezahlten Erbes nie nach Arbeit schauen musste, weiß ein Professor Doktor Schnädelbach, Philosophie-Professor aus Hamburg, dass der wütende Mann, der dort gegen den Musiker Star wettert, der Stammvater des Modernen Irrationalismus ist.

Um diesem Stammvater Ehre zu erweisen, hat das Fernsehen sich etwas ausgedacht. Es hat den Herrn Professor auf ein Sofa drapiert, es lässt ihn von der Seite, leicht von oben zu uns Kindern in den Wohnzimmer sprechen. Er hat uns etwas zu sagen, sagt die Geste und das Fernsehen, etwas, was wir nie vergessen dürfen.

Kinder, euer Opa ist sehr, sehr krank. Sein Glaube reichte nicht aus, die schweren Prüfungen des modernen Mannes, die moralisch religiösen Herausforderungen der postmodernen Moderne, also unseres Lebens zu bestehen. Lust, Laster, Leidenschaft, den Apfel und die Eva wählte er, nach Evas Schwestern, Cousinen, Freundinnen und Bekannten lüsterte er. Lasterhafter Blick, leidenschaftlich Spiel mit den Schlangen des rotköpfigen Schlangenherrschers SchlangoMania, erotische Gespielin der Höllenbrut.

Der Professor Schnädelbach hält inne, lässt die Spannung in unseren Achtziger Wohnzimmern steigen.

Euer Opa, Kinder…

Leonardo Cocktail Gläser beschlagen, Blue Curacao fließt auf Glas-Coach Tische, dessen Licht in Scherben Spiegel vor schwarz-weißen Harlekins zurückgeworfen wird .

Euer Opa ist das Böse.

Auch wenn er etwas anderes sagt, der feine Herr Professor, gucken tut er so. Natürlich drapiert man heute Professoren anders beim Fernsehen. Meistens setzt man sie vor Bücherregale oder vor überladene Schreibtische. Zeitzeugen dagegen setzt das Fernsehen gerne vor eine schwarze Wand, sicher wegen der dunklen, undurchsichtigen Geschichte. Aus der tiefen Nacht der Historie hören wie noch die Zeugen der Zeit.

Aber in den Achtzigern war eben mehr Lametta, mehr Glamour. Und so erzählt der Herr Professor über den Denker und ich denke an Opa, meinen Opa, wie er auf dem Sofa sich drapierte und leicht von oben zu mir, seinem Enkel sprach.

Kind, dein Vater ist sehr, sehr krank. Lust, Laster, Leidenschaft, den Apfel und die Eva wählte er.

Heute weiß ich, dass Opa nicht so gut mit meinem Vater konnte. Aber damals war ich sehr beeindruckt und hatte lange an Opas Geschichte zu kauen.

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