Ein sehr wichtiges Interview mit zwei Stadtführer über die Skulptur Projekte

Münster, Montag, 16 Uhr. In einem unglaublich hippen Café in Münster treffe ich auf meinen alten Kumpel Klaus Vöstmann. Früher Slam Poet, heute nur noch Poet. „Die schreien immer soviel auf Slams“, sagt Klaus. „Nicht alle“, sage ich. „Aber viele.“ Ich nicke.

Er sitzt mit seiner Kollegin Julia zusammen bei Kaffee und Keksen. Beide machen seit Jahren Stadtführungen. Gerade machen sie Pause, da störe ich mit einem blöden Interview. „Hey!“, sage ich. „Was?“, fragt Klaus. „Wollen wir ein Interview machen?“ „Unbedingt.“ Und los geht es.

Ihr macht Stadtführungen, momentan hauptsächlich zu den Skulptur Projekten. Könnt ihr als Stadtführer überhaupt so spezielle Fragen zur Kunst beantworten und muss man nicht Kunsthistoriker sein, um dieses Kunst zu verstehen?

Klaus: Da unsere Gäste zum großen Teil auch keine Kunsthistoriker sind, ist es manchmal sogar von Vorteil, die gleiche Sprache zu sprechen. Also wir haben uns intensiv mit den Kunstwerken beschäftigt und uns alle erst einmal angeschaut. Ich glaube wir haben manchmal einen etwas einfacheren Zugang zur Kunst.

Habt ihr euch vorher eingelesen?

Klaus: Ja, klar.

Julia: Wir haben vorher eine LWL Führung mitgemacht

Welche Skulptur gefällt dem Publikum am Besten?

Klaus: Der Steg im Hafen. Von der Ayşe Erkmen

Julia: Ja, das ist das Event. Da wollen alle hin.

Nairy Baghramian, Beliebte Stellen

Wo seht ihr das große Fragezeichen beim Publikum?

Julia: Ganz sicher bei Nairy Baghramian am Erbdrostenhof. Aber ich finde die Arbeit spannend, da sie gerade nicht so leicht zu deuten ist. Ist eben nicht alles so eingängig wie die Kirschen vom Schütte.

Klaus: Justin Matherly finde ich auch schwierig.

Julia: Stimmt, der ist noch schwieriger.

Ja, komme ich auch nicht mit klar.

Klaus: Ich hatte jetzt Künstlerin bei einer Führung. Sie hat mir die Arbeit erklärt. Diese Irritation, dass man einen Berg auf einer Wiese hat, wo es eigentlich keine Berge gibt und der Kontrast zu den 50er Jahre Gebäud

  Nietzsche’s Rock
Justin Matherly, Nietzsche’s Rock

en.

Andreas: Hmmm….

Klaus: Das Projekt an sich, fällt mir schwer.

Andreas: Das ist eines dieser Sachen, wo ihr sagt, ohne Vermittlung geht es nicht?

Julia: Ja, da steht man wie der Ochs vorm Berge vor.

Klaus: Da wollen alle drauf klettern und dann hört man, dass man da nicht drauf klettern darf. Ja, das ist ganz schwierig.

Muss man sich einlesen, bevor man Kunst guckt? Oder sollte man einfach los gucken?

Klaus: Erst mal gucken, dann lesen.

Julia: Sich einen Eindruck verschaffen.

Klaus: Also wenn man zuerst in den Katalog schaut… Da merkt man schon, dass das ein Kunsthistoriker geschrieben hat. Viele Gäste sagten schon, dass der unverständlich ist. Ich finde den auch sehr kantig.

Andreas: Verschrobelt sind die Texte.

Klaus: Das ist aber nicht der objektive Interviewer.

Andreas: Ne, stimmt.

Julia: Ich hatte eine Gruppe, die sagten, sie fanden die Führung super, weil eben nicht von oben herab

Klaus: Ne, diesen kunsthistorischen Blick. Das wollen die Leute auch gar nicht. Die wollen gar nicht alles erklärt bekommen. Die wollen selber gucken und diskutieren.

Julia: Es gibt auch Blickwinkel bei den Gästen, die ich interessant finde. Es geht nicht darum, dass ich den Leuten bei den Führungen etwas aufzwinge.

Klaus: Gerade für Münsteraner finde ich es toll, dass man Orte neu entdeckt. Also ich war eben im Sternbusch bei dem Projekt von Hreinn Friðfinnsson. Da bin ich noch nie gewesen.

Julia: Den Study Garden hinterm Geologischen Museum kannte ich auch nicht und das ist mitten in der Stadt.

Andreas: Eure „Top 3“ alter und neuer Projekte?

Schlange stehen für die Kunst

Klaus: Also meine „Top 3“ der Alten: also auf jeden Fall die „100 Arme der Guan-yin“ an der Marienkirche, dann das „Gegenläufige Konzert“ von Rebecca Horn im Zwinger und der „Trunk“ von Richard Serra, aber der ist ja nicht mehr da. Bei den Neuen: Im Theaterinnenhof CAMP, dann im Asia Laden Mika Rottenberg gegenüber dem Gefängnis. Und den Ofen am Kanal von Oscar Tuazon. Das ist ne Ecke zu fahren, bin ich auch noch nie gewesen. Sieht schon völlig mitgenommen aus, dieser Ofen. Die Leute sollen das eben auch benutzen.

Julia: Für mich auf jeden Fall auch Rebecca Horn im Zwinger. Dann Ilya Kabakov mit seinen Sendemasten („Blickst du hinauf und liest die Worte…“) und … die Drying Pool Balls, weil die sich von der anfänglichen Ablehnung am Anfang zum Wahrzeichen der Stadt gewandelt haben. Bei den Neuen? Auf jeden Fall auch CAMP. Tuazon finde ich auch toll. Und Aram Bartholl. Der steht an drei Stellen und bricht alles runter auf Feuer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.