Skulptur Projekte. Über den Minnesang. Mailied, Sommerlied und Winterlied.

Die Skulptur Projekte schafft Arbeitsplätze. Zum Beispiel das Amt der Aufsicht. Münster, 16 Uhr, 29 Grad im Schatten. Eine schwitzden Aufsicht sitzt in seinem Picknickstuhl, den er sich für das letzte Rock am Ring Festival gekauft hat, vor der Installation und liest. Nächste Woche muss er ein Referat über die Naturlieder des mittelalterlichen Minnesangs halten, die ihn ähnlich berühren wie die Installation, vor der er hundert Tage fünfmal die Woche vier Stunden sitzen muss.

Er darf aufpassen, dass niemand Plakate anklebt, an die Installation pinkelt, Graffiti sprüht, drauf klettert, etwas abbricht. Außerdem darf er erzählen, dass es kostenlose Führungen gibt. Sonst soll er besser den Mund halten. Das Reden soll er mal schön anderen überlassen. Das Minnesang Referat würde er auch gerne anderen überlassen. Wenn es zur Randale kommt, soll er die Polizei anrufen und natürlich das Orga Team. Randale und Radau gibt es immer wieder, haben sie gesagt. Beim Minnesang dagegen geht es mehr um die Liebe, oft um die Unerfüllte und später auch um Erotik. Aber Randale und Radau weniger.

Ein bißchen Afrika, ein bißchen Scream, ein bißchen Kunst. Die Masken von Hervé Youmbi.

Am Haus Kump haben sie am Wochenende eine LED Matte aus der Licht und Klanginstallation von Ei Arakawa herausgeschnitten. Jetzt funktioniert die ganze Arbeit nicht mehr richtig. Ich kann mit der Installation nichts anfangen, trotzdem muss man die ja nicht gleich zerstören. „Wer macht den sowas?“, fragt sich nicht nur die Aufsicht, die heute bei Dienstbeginn von der Schandtat gehört hat. Die Randale stand aber auch in der Zeitung. Die Frau ist übrigens sehr traurig, da sie die Arbeit oder den Gedanken der Arbeit ganz gut findet. „Ganz gut find ich sie eben nicht“, sage ich ihr, da ich ihre Trauer nicht teilen kann. „Ganz gut finde ich die Masken in dem Waldstück hinterm Schloss.“ (Hervé Youmbi, Les masques célèstes – Himmlische Masken). Ich will nicht, dass sie denkt, dass ich alles scheiße finde. Menschen, die alles scheiße finden, wirken nicht besonders symtphatisch. Ich finde auch gar nicht alles scheiße.  Die Masken finde ich zum Beispiel gut. „Ihh, bah“, sagte die Frau, was ich nicht besonders Erklärend als Urteil finde. „Ihh, bah“ ist nichts, mit dem man arbeiten kann. „Gut“ ist allerdings auch nicht viel besser.

Im Picknickstuhl höre ich es wieder flüstern. „Minnesang. Minnesang. Naturlieder finden sich selten als reine Jahreszeitenlieder. Meist dienen sie als Eröffnung eines Minneliedes. Je nach beabsichtigter Stimmung unterscheidet man Mailied, Sommerlied und Winterlied“, höre ich es aus dem Stuhl flüstern. Minnesang habe ich eigentlich gar keine Meinung zu, denke ich und gehe weiter.

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