Über Lesebühnen

Münster, Montag, 16 Uhr. Ich bin Lesebühnenautor. Das heißt, dass ich mich regelmäßig auf Bühnen stelle und Kurzgeschichten vorlese und dabei Bier trinke, manchmal Wein, selten Limo. Früher habe ich auf der Bühne auch noch sehr viele Zigaretten geraucht.

Heute rauche ich aber nicht mehr auf Bühnen, da man in Clubs und Kneipen nicht mehr rauchen darf und ich mich zurücknehmen muss, da ich sowieso sehr ungesund lebe. So trinke ich auf Lesebühnen Bier, manchmal Wein, selten Limo während ich meine Kurzgeschichten vorlese. Da ich regelmäßig auf Bühnen meine Kurzgeschichten vorlese, trinke ich sehr viel, lebe also sehr ungesund. So ist es gut, wenigstens nicht mehr so viel zu rauchen.

Ich schweife ab. Thema Lesebühne: In Münster habe ich seit 2007 eine Lesebühne. Sie heißt Lesebühne Die2, weil sie aus zwei Stammlesern besteht.

Eine Lesebühne ist eine literarische Veranstaltungsform, bei der ein festes Autorenensemble regelmäßig am gleichen Ort selbst verfasste, oft unterhaltsame Texte vor Publikum vorträgt. Viele Lesebühnen sind nach dieser Definition keine richtigen Lesebühnen, da sie kein oder kaum Publikum haben. Unsere Lesebühne Die2 hat ein Publikum, somit dürfen wir sagen, dass wir eine richtige Lesebühne sind, eine literarische Veranstaltungsform.

Das feste Autorenensemble unserer Lesebühne besteht aus dem Essener Autor und Metall DJ Micha El Goehre und aus meiner Person. Wir lesen regelmäßig am gleichen Ort, einmal im Monat, oft unterhaltsame Texte.

Es gibt verschiedene Motivationen, warum man eine Lesebühne betreibt. Drei Gründe werden immer wieder genannt. 1. Geld 2. Eitelkeit 3. Partnersuche.

Zu 1. Oft werden Lesebühnen von einem festen Autorenensemble gegründet, damit Geld in die Brieftasche kommt. Hierfür braucht man ein größeres Publikum, welches regelmäßig die Lesebühne besucht und bereit ist, Eintritt zu zahlen. Da wir ein Publikum haben, aber kein größeres, ist Geld kein Motivation für mich.

Zu 2. Die Eitelkeit. Die Eitelkeit ist die übertriebene Sorge um die eigene körperliche Schönheit oder die geistige Vollkommenheit, den eigenen Körper, das Aussehen und die Attraktivität oder die Wohlgeformtheit des eigenen Charakters.

Oft wird die Eitelkeit als Grund und Motivation angeben, eine Lesebühne zu betreiben. Auch die Eitelkeit sehe ich bei uns nicht als Antriebsfeder. Unser Publikum ist nicht groß genug, um unseren Charakter wohl zu formen und mit körperlicher Schönheit hat unser Lesebühne gar nichts am Hut.

Zu 3. Partnersuche. Da ich schon vor dem Start unserer Lesebühne eine Partnerin hatte und auch nicht gedenke, mir eine neue zu suchen, sehe ich auch diesen Punkt nicht als Motivation an, monatlich meine Geschichten auf der Bühnen vorzulesen.

Was ist es dann? Was treibt mich monatlich an, neue Geschichten zu schreiben und sie auf der Lesebühnen vorzulesen. Ich befürchte, es hat was mit Bier, machmal Wein, selten Limo zu tun. Daneben braucht man einen ein Ventil, um Gefühle Gedanken herauszulassen. So mancher malt, macht Musik, furzt heiße Luft, ich schreibe. Da ich es nicht mag, für die Schublade zu schreiben, habe ich eine Lesebühne. Sie ist also mein Ventil, meine Art Schadstoffe heraus zu pupsen.

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