Mickie Krause, Gürkchen und ich

Montag, 19 Uhr. Ich sitze im Backstage Bereich des Jovels, einem Club in Münster, esse belegte Brötchen, Schokoriegel und Gürkchen. In einer Stunde soll ich Kurzgeschichten auf der Bühne vorlesen, deswegen darf ich hier sitzen und umsonst Gürkchen knuspern.

Die Show, von der ich ein Teil bin, heißt Sebel + 1. Sebel, ein Musiker aus Recklinghausen, lädt monatlich Künstler ein, auf der Bühne ihre Musik oder ihre Texte zu präsentieren. Neben den angekündigten Showacts gibt es auch immer einen Überraschungsgast. Heute heißt dieser „Mickie Krause“. Mickie Krause ist Schlagersänger und wurde bekannt durch seinen Topsong „Zehn nackte Friseusen“. Auch wenn ich kein Schlager höre, kenne ich Mickie Krause und seine Friseusen.

Sebel fragt mich, wie er mich ankündigen soll. „Kann ich Poetry Slammer Andreas Weber sagen?“, fragt er. Ich nicke. „Das kann man sagen“, antworte ich und knuspere weiter meine Gürkchen.

Ich muss daran denken, dass Gürkchen sehr kalorienarm sind und reich an Nährstoffen. Daher bieten sie sich für eine gute und gesunde Ernährung an, aber ich schweife ab.

Ich bin ein Poetry Slammer. Ein Poetry Slam ist ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum vorgetragen werden. Die Zuhörer küren anschließend den Sieger, der eine Flasche Schnaps als Preis bekommt. Da ich seit über vierzehn Jahren literarische Vortragswettbewerbe besuche und veranstalte, kann man mich als Poetry Slammer bezeichnen. Ich habe auch schon oft den Schnaps bekommen, weswegen ich heute auch Teil der Show sein darf.

Mickie Krause kommt in den Backstage Raum und schüttelt Hände. „Mickie“, sagt Mickie. „Andreas“, sage ich und verschlucke mich an einer Gurkenscheibe. Ich hätte nicht vermutet, dass Mickie Krause so ein netter Typ ist, denke ich. Oft sind Stars unnahbar, aber dieser Mickie ist ein ganz lockerer Star.

Wir sitzen eine Weile zusammen und Mickie schüttelt weitere Hände und ißt vom gleichen Buffett wie wir anderen Gurkenscheibchen.

Dann beginnt die Show. Ich beginne den Abend, erzähle auf der Bühne ein wenig vom Leben eines Poetry Slammers und lese eine halbe Stunde Kurzgeschichten. Nach mir kommt eine Indie-Pop-Band an die Reihe. Die Lieferanten. Sie erzählen auf der Bühne ein wenig vom Leben einer Indie-Pop-Band und spielen eine halbe Stunde gute Popsongs. Sie klingen ein wenig wie Selig. Endlich ist Mickie dran. Er erzählt ein wenig vom Leben eines Schlagersängers und singt danach eine halbe Stunde Schlagerlieder. Das Publikum singt teilweise mit. Als Zugabe gibt es seinen Topsong „Zehn nackte Friseusen“.

Später im Backstage sage ich zu Mickie Krause, dass ich nicht gedacht hätte, mir mit ihm mal die Bühne zu teilen. Mickie Krause sagt, dass er letzte Woche Helene Fischer getroffen habe. Sie hat zu ihm genau das gleiche gesagt. Vor Jahren stand sie vor ihm auf der Bühne. Mickie Krause ist also für den späteren Erfolg ein gutes Omen. Aus der Helene ist auch was geworden, sagt der Mickie, schüttelt ein letztes Mal Hände und ißt ein Gürkchen.

 

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