{"id":814,"date":"2020-10-12T17:59:11","date_gmt":"2020-10-12T15:59:11","guid":{"rendered":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/?p=814"},"modified":"2020-10-12T18:10:02","modified_gmt":"2020-10-12T16:10:02","slug":"pilze-in-der-wueste","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/2020\/10\/12\/pilze-in-der-wueste\/","title":{"rendered":"Quadrophenia oder Putzen, Pillen, Psycho Pilze"},"content":{"rendered":"<p>Was f\u00fcr ein armes M\u00e4nnchen! Quadrophenia mit Sting <i>(seine erste Rolle als Schauspieler)<\/i> gesehen und am n\u00e4chsten Tag dem Opa den alten Armeeparka aus dem Schrank geklaut. Das M\u00e4nnchen wollte Mod oder Scooter Boy werden. So genau war das nicht klar; so genau kannte das M\u00e4nnchen den Unterschied nicht. Wichtig war aber <i>(neben der Vespa, ein nie erf\u00fcllter Wunsch): <\/i>Tabletten schlucken, bis man kotzt. Wie die Helden und Rebellen im Fernsehen. \u201e<i>Mods, Mods, we are Mods&#8221; <\/i>schrie es beim M\u00e4nnchen im Kopf <i>(Kotz, Kotz&#8230;bis es kotzt). <\/i><\/p>\n<p>Alleine war das M\u00e4nnchen nicht mit seiner ganzen Subkultur, auch bei anderen schrie es im Kopf: Beim Schulkumpel Karl zum Beispiel. Der hatte auch den Film geschaut, sich sogar das gleichnamige Konzeptalbum<i> (The Who \u2013 Quadrophenia)<\/i> besorgt. F\u00fcr so einen wie Karl kein Problem. Sein Vater ein angesehener Christdemokrat, Stadtrat, Elternsprecher, Prinz Karneval 1987 und stolzer Besitzer der Dom Apotheke. Hier, in der Apo, konnte der Kumpel sein Taschengeld durch Putzen und Pillen aufbessern. Am Samstagabend dann Kopfschmerztabletten, Blutverd\u00fcnner und kleine roten Tabletten gegen Herz Rhythmusst\u00f6rungen. Dazu Klassiker wie Amselfelder Tafelwein. Bis man kotzt. \u201e<i>Mods, Mods, we are Mods.&#8221; <\/i>Wie im Fernsehen.<i> <\/i>Wie ihre Helden, dachten das arme M\u00e4nnchen und Kumpel Karl. <i>Heute: Was der Karl jetzt macht, wei\u00df keiner. Mancher sagt, er fand in Karlsruhe seinen Frieden. Aber manche sagen viel und viele sagen manches. <\/i><\/p>\n<p>Sp\u00e4ter Lyrik. Der Jim Morrison Gedichtband. Ein Geschenk. Zum 18. Geburtstag von Marion. Gebraucht, aber mit Widmung. <i>Nutze den Tag.<\/i> Sonst war Marion aber okay. Sie war gerade eben sehr spirituell. Carlos Castenada, alte Indianer, Psycho Pilze in der W\u00fcste und so Sachen. Marion sagte: &#8220;<em>Also nach dem Abi Mexiko. Pilze in der W\u00fcste nehmen, Psycho Pilze . (PPPP -Philosophie: Putzen Pillen Psycho Pilze).&#8221; <\/em>Wenn man den Gedichtband von Jim Morrison gelesen hatte, wollte man damals Pilze in der W\u00fcste nehmen. Wenn man dagegen Carlos Castaneda gelesen hatte, wollte man ein Adler sein, \u00fcber eine W\u00fcste gleiten, auf Psycho Pilzen, drauf. 4P Philosphie. Pforten der Wahrnehmung. So war sie, das kleine, holde M\u00e4dchen Marion, die sp\u00e4ter Petra hei\u00dfen sollte.<\/p>\n<p>Und sie, die fr\u00fche Marion, war mit dem Holger. Er, der Holger, der ein wenig wie Jim Morrison aussah, was daran lag, dass er so aussehen wollte. Lange lockige M\u00e4hne, Lederhose, wei\u00dfes Hemd, nicht ganz zugekn\u00f6pft und zwischenzeitlich sehr seltsame Sachen sagen. <i>Ich gehe heute auf eine Reise. Alleine. Dystopische Nacht. Nicht denken, glauben, <\/i>sagte er z.B. gerne. Wohin wollte er? Warum alleine? Geheimnisvoller, cooler Holger, sagte das arme kleine M\u00e4nnchen und las flei\u00dfig Gedichte \u00fcber Menschen, die sich in Adler verwandeln und \u00fcber der W\u00fcste Mexikos Pilze knusperten. Das arme M\u00e4nnchen wollte auch so gerne ein cooles, geheimnisvolles armes M\u00e4nnchen sein.<\/p>\n<p>Dann endlich das Abitur in der Tasche. Die Pforten der Wahrnehmung waren endg\u00fcltig ge\u00f6ffnet worden. Das M\u00e4nnchen war jetzt nur noch drauf. Aber ohne Psycho Pilze und Carlos Castaneda . Die Zeit war vorbei. 4P gestorben. Dunkle Erfahrung, d\u00fcstere Erkenntnis: Mondm\u00e4dchen Marion hatte sich in der W\u00fcste Mexikos die Birne zerfr\u00e4st, also geistig zerfr\u00e4st <i>Putzen, Pilze, Pillen. Psycho Petra. Sie hatte nach dem Abi ein halbes Jahr in einer Apotheke geputzt, sich in Petra umbenannt und dann mit dem Ersparten nach Mexiko. Gleich ab in die W\u00fcste, Pilze schlucken, Psycho Pilze. Zu Hause dann Pillen vom Arzt gegen das was von den Pilzen \u00fcbrig blieb. Und es blieb ganz sch\u00f6n was \u00fcbrig, also h\u00e4ngen, also in der Petra, ehemalige Marion. <\/i><\/p>\n<p><i>Das arme, kleine M\u00e4nnchen sp\u00fcrte: Heute ist anders als gestern. Nach den Achtzigern kamen die Neunziger, eine Wahrheit f\u00fcr man kein erweitertes Bewiu\u00dfsein braucht.. Und mit den Neunzigern neue Subkulturen, Filme, Helden und nat\u00fcrlich Pillen. Drauf geht auch anders, dachte das M\u00e4nnchen J<\/i>etzt gab es Nirwana und Kurt Cobains letzten Tanz. Das M\u00e4nnchen nahm, was man kriegen konnte. Und man konnte eine Menge kriegen&#8230;. Aber davon erz\u00e4hlt die Fortsetzung.<\/p>\n<p>Fortsetzung folgt&#8230; denke ich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was f\u00fcr ein armes M\u00e4nnchen! Quadrophenia mit Sting (seine erste Rolle als Schauspieler) gesehen und am n\u00e4chsten Tag dem Opa den alten Armeeparka aus dem Schrank geklaut. Das M\u00e4nnchen wollte Mod oder Scooter Boy werden. So genau war das nicht klar; so genau kannte das M\u00e4nnchen den Unterschied nicht. 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