{"id":590,"date":"2018-02-21T15:27:47","date_gmt":"2018-02-21T14:27:47","guid":{"rendered":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/?p=590"},"modified":"2018-02-21T15:54:09","modified_gmt":"2018-02-21T14:54:09","slug":"ueber-eine-zugreise-die-kaltfront-berlin-das-schmatzen-schluerfen-schnarchen-und-den-loesungsansatz-vorschlaghammer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/2018\/02\/21\/ueber-eine-zugreise-die-kaltfront-berlin-das-schmatzen-schluerfen-schnarchen-und-den-loesungsansatz-vorschlaghammer\/","title":{"rendered":"Deutschlandreise Berlin: \u00dcber das Schmatzen, den Schnodder, eine Zugreise und Karl Marx"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_595\" aria-describedby=\"caption-attachment-595\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-595\" src=\"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_1778-e1519222595605-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_1778-e1519222595605-300x300.jpg 300w, http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_1778-e1519222595605-150x150.jpg 150w, http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_1778-e1519222595605-768x768.jpg 768w, http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_1778-e1519222595605-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_1778-e1519222595605-100x100.jpg 100w, http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_1778-e1519222595605.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-595\" class=\"wp-caption-text\">Kekse und S\u00fc\u00dfwaren gibt es in Berlin<\/figcaption><\/figure>\n<p>M\u00fcnster, Hauptbahnhof. 15:34 Uhr. Regionalbahn Richtung Hamm. Ger\u00fcchte sagen, dass die Bahn langfristig versucht das Flexticket aus ihrem Angebot zu nehmen. Reisende sollen sich auf Zug und Zeit festlegen. So lassen sich Kapazit\u00e4ten besser planen. Man ist den Aktion\u00e4ren nicht den Reisenden verpflichtet. Spontanit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t sind gesellschafts-politisch erw\u00fcnscht, aber werden von der Bahn blockiert. &#8220;Junge, alles geht den Bach runter&#8221;, sagte letztens Mutter, als ich \u00fcber die Bahn schimpfte. Meine Mutter ist schon eine weise Dame, dachte ich da, was Bl\u00f6dsinn ist. Aber \u00fcber die Bahn zu schimpfen, ist auch Bl\u00f6dsinn oder einfach langweilig.<\/p>\n<p>Hamm, Hauptbahnhof. 15:57 Uhr. Weiter mit dem ICE nach Berlin. Im Bordbistro: Kaffee, Kaffee, Bier. Vor mir sitzt ein Herr, der zu seinem Salat mit H\u00e4hnchenbrustfilet ein Gl\u00e4schen Wein nimmt. Seine feingeistigen Gesten l\u00f6sen sich in Luft auf, als ich die Augen schlie\u00dfe und ihn schmatzen h\u00f6re. Aus Respekt wird Ekel. Ich muss die Augen \u00f6ffnen und mich auf anderes konzentrieren. Eine Freundin erz\u00e4hlte mir unl\u00e4ngst, dass sie nur noch die Fehler ihres Mannes wahrnimmt. Sein Schmatzen, Schl\u00fcrfen, Schnarchen machen sie wahnsinnig. Fr\u00fcher hat sie das nie geh\u00f6rt. Jetzt nimmt sie nichts anderes mehr an ihm wahr. Letztens hat sie getr\u00e4umt, dass sie ihm im Schlaf einen schweren Vorschlaghammer \u00fcber den Sch\u00e4del gezogen hat. \u201eIst das nicht schrecklich, so etwas zu tr\u00e4umen?\u201c, fragte sie mich. Am Schlimmsten sei gewesen, dass danach endlich Ruhe war und sie schlafen konnte. \u201eIch habe meinen Mann erschlagen und mich danach neben ihm ins Bett gelegt und endlich ruhig geschlafen\u201c, sagte sie. Ich muss daran denken, dass ich auch manchmal schnarche. Ich sollte den Vorschlaghammer wegr\u00e4umen, wenn ich wieder in M\u00fcnster bin.<\/p>\n<p>Berlin, Hauptbahnhof, 19:11. Zwei Zigaretten vor dem Eingang, zweimal werde ich angesprochen und um eine kleine Geldspende gebeten, Zweimal lehne ich ab. Kaltfront Berlin. Es ist sp\u00fcrbar k\u00e4lter in dieser Stadt. Nicht nur die Luft, auch das Miteinander. Ich habe Berlin noch nie gemocht. Das liegt aber an einer verkorksten Beziehung, die ich hier hatte, nicht an der Stadt. Doch die alte Liebelei hat mir die Stadt madig gemacht, Ich g\u00f6nne mir f\u00fcr zwei Euro einen Kaffee, nehme zwei Milch und zwei Zucker und warte auf die S-Bahn. Strau\u00dfberg Nord bis Ostkreuz. Ich schlie\u00dfe die Augen. \u00dcberall zieht man Rotze hoch, schnupft, hustet und r\u00f6chelt. Im Radio sprachen sie heute von der Grippewelle, die Deutschland erfasst hat. Auch mich und viele S-Bahn Reisende hat sie erfasst. Ich bin Teil einer Welle.<\/p>\n<p>24h Hostel. Neuk\u00f6ln. 19:40. Der Veranstalter des Poetry Slams hat mir ein Einzelzimmer reserviert. Das ist nicht selbstverst\u00e4ndlich auf einem Slam. Aber ich bin ein Urgestein dieser Szene, da hat man hier und da Vorteile. Zum Beispiel ein Einzelzimmer. Ich werfe die Tasche aufs Bett, gucke mich kurz um. \u201eRauchen verboten. F\u00fcnfzig Euro Strafe.\u201c steht auf einem Schild an der T\u00fcr. Das ist billig. Ich habe auch schon Hotelzimmer gesehen, wo man bis zu 150 Euro Strafe f\u00fcrs Rauchen bezahlen musste. Ich rauche trotzdem heimlich in den Zimmern. Wenn man aus dem Fenster raucht, riecht das niemand. Im 24h Hostel kennt man solche Tricks. Die Fenster lassen sich nicht \u00f6ffnen, so dass ich aufs Rauchen im Zimmer verzichten muss. Ein Grund mit dem Rauchen aufzuh\u00f6ren, ist f\u00fcr mich, den Dem\u00fctigungen zu entkommen, denen Raucher t\u00e4glich ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>U Bahnhof Neuk\u00f6ln. 19:55. U7 Richtung Rathaus Spandau. Eine Station bis zum Heimathafen, eine gro\u00dfe Theater- und Konzertb\u00fchne, wo heute ein Poetry Slam stattfindet, ein Dichterwettstreit, bei dem das Publikum entscheidet, was gut und was schlecht ist.<\/p>\n<p>U-Bahn Station Karl Marx Stra\u00dfe und am Ziel. Karl<\/p>\n<figure id=\"attachment_594\" aria-describedby=\"caption-attachment-594\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-594\" src=\"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_1777-e1519222632139-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_1777-e1519222632139-300x300.jpg 300w, http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_1777-e1519222632139-150x150.jpg 150w, http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_1777-e1519222632139-768x768.jpg 768w, http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_1777-e1519222632139-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_1777-e1519222632139-100x100.jpg 100w, http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_1777-e1519222632139.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-594\" class=\"wp-caption-text\">Saalslam Berlin. Gro\u00dfe B\u00fchne f\u00fcr kleine Autoren<\/figcaption><\/figure>\n<p>Marx feiert dieses Jahr seinen zweihundertsten Geburtstag. Im Mai 1818 wurde er geboren, hundert Jahre sp\u00e4ter die Oktoberrevolution und der Versuch seine Ideen in die Realit\u00e4t umzusetzen. Seine Anh\u00e4nger im fanatischen Glauben, dass die Geschichte automatisch in den Sozialismus und sp\u00e4ter Kommunismus m\u00fcndet. Die Geschichte vorherbestimmt. Das ist Fakt, sagen sie. Spinner sind das, sagt unter anderem Mutter.\u00a0 Ich nehme mir fest vor, dieses Jahr mal was von dem Karl Marx zu lesen. Aus Respekt.<\/p>\n<p>Der Slam selber eine Offenen B\u00fchne mit eher schwachen Texten. Ich werde als Sieger gefeiert, kann mich aber nicht wirklich dr\u00fcber freuen, da ich nur ein paar alte Texte vortrage und die Konkurrenz eher bescheiden ist. Warum macht man das blo\u00df?, frage ich mich und nehme mir vor, dass es das letzte Mal war. Solche Vors\u00e4tze machen aber gar keinen Sinn.<\/p>\n<p>Neuk\u00f6ln, 24h Hostel. 23: 30 Uhr. Sp\u00e4ter im Hostel sitze ich mit D\u00f6ner und Fernbedienung auf dem Bett und gucke \u201eGood bye Deutschland\u201c. Zu Hause habe ich kein Privatfernsehen und so bin ich schnell gefesselt. W\u00e4hrend mir Zwiebeln, D\u00f6nerfleisch, So\u00dfe und Rotkohl aus dem Brot aufs Bett fallen, versucht ein Auswanderer -P\u00e4rchen sein Gl\u00fcck in Thailand. Als sie schwanger wird, brechen sie das Projekt Auswanderung ab.\u00a0 &#8220;Die medizinische Versorgung in Deutschland ist doch besser&#8221;, sagen sie. Vielleicht werden sie noch einmal auswandern, wenn ihre Tochter aus dem Haus ist. Vielleicht werden sie auch einer christlich- fundamentalistischen Sekte beitreten, denke ich und schlafe mit Socken und dicken Pullover auf dem gro\u00dfen Bett mit der kleinen Decke ein. Alles ist gut. Morgen fahre ich wieder nach M\u00fcnster. Ich freue mich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcnster, Hauptbahnhof. 15:34 Uhr. Regionalbahn Richtung Hamm. Ger\u00fcchte sagen, dass die Bahn langfristig versucht das Flexticket aus ihrem Angebot zu nehmen. Reisende sollen sich auf Zug und Zeit festlegen. So lassen sich Kapazit\u00e4ten besser planen. Man ist den Aktion\u00e4ren nicht den Reisenden verpflichtet. Spontanit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t sind gesellschafts-politisch erw\u00fcnscht, aber werden von der Bahn blockiert. 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