{"id":542,"date":"2017-12-12T18:25:32","date_gmt":"2017-12-12T17:25:32","guid":{"rendered":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/?p=542"},"modified":"2017-12-12T18:28:07","modified_gmt":"2017-12-12T17:28:07","slug":"150-jahre-jammern-ueber-die-sozialdemokratie-und-ihre-depressionen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/2017\/12\/12\/150-jahre-jammern-ueber-die-sozialdemokratie-und-ihre-depressionen\/","title":{"rendered":"150 Jahre jammern. \u00dcber die Sozialdemokratie und ihre Depressionen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-549 alignleft\" src=\"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_1536-e1513099383597-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/>Samstag, 9. Dezember 2017.\u00a0 Jetzt muss die SPD also doch wieder ran. Die Republik braucht die Sozialdemokraten, um in unruhigen Zeiten Stabilit\u00e4t zu beweisen. Bock haben sie nicht. Wir erinnern uns: Sie wollten zu sich finden und in der Opposition wachsen, um wieder zeigen zu k\u00f6nnen, was sie denken, drauf haben.<br \/>\nDas k\u00f6nnen sie jetzt erst einmal vergessen, dieses \u201ezu sich finden\u201c. Die kontemplative Reise ins Innerste abgesagt. Exerzitien f\u00fcr die Genossen und Genossinnen gestrichen. Meditation hinter Klostermauern, Schweigegel\u00fcbde inclusive, bis auf Weiteres verschoben.<\/p>\n<p>Man wird gebraucht. Ja, ein armer Angestellter oder Beamter w\u00fcrde sich wegen eines Burn Outs beurlauben lassen, eine l\u00e4ngere Auszeit nehmen, in Kur gehen. Die Partei und seine einzelnen Glieder k\u00f6nnen das nicht. Jetzt muss der seelisch, kranke Genosse seine letzten Kr\u00e4fte mobilisieren und in eine weitere Groko gehen. Das steht f\u00fcr die Meisten innerhalb und au\u00dferhalb der SPD schon fest, dass die Groko kommt. Im Januar wird man da schon weit sein. Man kennt sich doch von fr\u00fcher. Ist ja nicht so, dass man nicht schon mal einen Latte zusammen getrunken h\u00e4tte. Man wei\u00df, wie der andere tickt.<\/p>\n<p>Und der Preis? Danach wird der kranke Genosse und die kranke Genossin noch angeschlagener sein. Im Kopf vor allem. Vielleicht wird das sogar chronisch werden. Chronisch krank im Kopf. Das passiert, wenn man sich keine Auszeit erlaubt. Der Alptraum des Genossen: Noch mehr W\u00e4hler weg, wenn man den Weg Richtung Groko nimmt. Bedeutungslosigkeit, zittert der Sozialdemokrat. Nach der n\u00e4chsten Koalition mit den Christdemokraten kann man das Volkspartei endg\u00fcltig streichen. Von Arbeiterpartei redet schon niemand mehr. Das glaubt einem sowieso keiner.<br \/>\nVielleicht muss man danach sogar hoffen, hier und da die 5 Prozent H\u00fcrde zu \u00fcberspringen? Vielleicht fliegt man aus Landtagen? Aber was soll man machen? Man muss ja helfen. Wenn der Staat einen braucht, dann ist man da. Das war immer so. Man opfert sich f\u00fcr das Land. Und das Volk ist leider zu doof, die Erfolge der Sozialdemokratie zu sehen.<\/p>\n<p>Ob das im Kaiserreich, in der Weimarer Republik oder damals unter dem Gerhard war. Immer hat man unliebsame Sachen durchgesetzt, um notwendige Reformen auf den Weg zu bringen, einen Krieg zu beenden, die Arbeiterklasse sozial abzusichern.<\/p>\n<p>Und immer hat der dumme W\u00e4hler nur gesehen, was er sehen wollte, jammern sie im Willy Brandt Haus. Die Genossen verh\u00f6kerten das Land in Versailles, vorher stachen sie den Soldaten den Dolch von hinten in den R\u00fccken. Die Sozialdemokraten verb\u00fcndeten sich mit Kaiser und Kapital. \u201eOben hui, unten pfui, so denkt der Arbeiter \u00fcber uns\u201c, klagen die Genossen. \u201eEs ist doch genau anders herum\u201c, jammern die Genossinnen. \u201eUnten hui und oben pfui.\u201c Was sie nicht alles f\u00fcr die Menschen gemacht haben? Und wer dankt es? Sicher nicht der Arbeiter, diese untreue Pflaume.<\/p>\n<p>\u201eEcht gemein ist das\u201c, murmelt der Martin. Immer wieder ist der Arbeiter zu doof, die Pflicht zu erkennen, die die Sozialdemokraten zu erf\u00fcllen haben. Auch jetzt wieder. \u201eJa, was gibt es denn f\u00fcr Alternativen?\u201c, poltert die Andrea. \u201eNeuwahlen?\u201c Was soll sich da \u00e4ndern? Das wird nur noch Schlimmer f\u00fcr alle ausgehen. \u201eMinderheitsregierung?\u201c Ein Land vier Jahre in der Warteschleife mit Feinden rechtsau\u00dfen, die nur darauf warten, das Land gegen die Wand zu fahren?<\/p>\n<p>Es ist ihre Pflicht, murmelt der Martin. Der Herr Doktor sagte noch: \u201eJunge, lass das. Bist nicht mehr der J\u00fcngste.\u201c \u201eAber wenn die Pflicht ruft, was sollst du machen?\u201c, sagt der Genosse. Leider hat man nach der Wahl etwas vorschnell gebr\u00fcllt, dass man jetzt erst mal sich finden will. \u201eErst mal Opposition\u201c, schrie man. H\u00e4tte man weniger krakeelt, w\u00fcrde man wenigstens nicht wie ein kompletter Idiot aussehen.<\/p>\n<p>Der Sozialdemokrat hat es wieder einmal am Schwersten. Kennt sie ja alles schon: Wenn mal beim Regieren was daneben geht, kriegen sie einen drauf, und wenn es ganz gut l\u00e4uft, lobt einen auch keiner. \u201eDas heimst sich dann die Merkel ein, diese Mitl\u00e4uferin\u201c, jammert der Sozialdemokrat nicht nur am Stammtisch, sondern gleich auch in den 20 Uhr Nachrichten.<\/p>\n<p>Der alte sozialdemokratische Patient: das Schlimmste sind die Depressionen. Sie kommen immer wieder, diese depressiven Sch\u00fcbe. Und wenn sie jetzt mitregieren, so jammern sie, dann haben sie endg\u00fcltig verloren.<\/p>\n<p>Aber vielleicht einfach mal versuchen, nicht wie das f\u00fcnfte Rad am Wagen zu wirken. Vielleicht einfach mal die Fresse aufmachen. Vielleicht einfach mal sagen, was man geschafft hat: \u201eHier Mindestlohn. Das waren wir.\u201c Einfach mal stolz sein. K\u00f6nnten sie eigentlich. Weil die SPD hat eine Menge in den fast hundertf\u00fcnfzig Jahren geschafft. Sie k\u00f6nnte stolz auf sich sein. Sie k\u00f6nnte mit erhobenen Haupt mit regieren, wenn sie nicht solche schlimmen Komplexe h\u00e4tte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag, 9. Dezember 2017.\u00a0 Jetzt muss die SPD also doch wieder ran. Die Republik braucht die Sozialdemokraten, um in unruhigen Zeiten Stabilit\u00e4t zu beweisen. Bock haben sie nicht. Wir erinnern uns: Sie wollten zu sich finden und in der Opposition wachsen, um wieder zeigen zu k\u00f6nnen, was sie denken, drauf haben. 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