{"id":468,"date":"2017-09-28T18:39:38","date_gmt":"2017-09-28T16:39:38","guid":{"rendered":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/?p=468"},"modified":"2017-09-28T19:40:39","modified_gmt":"2017-09-28T17:40:39","slug":"noam-chomskys-requiem-fuer-den-amerikanischen-traum-oder-schweineoehrchen-fuer-mutter-ein-buchempfehlung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/2017\/09\/28\/noam-chomskys-requiem-fuer-den-amerikanischen-traum-oder-schweineoehrchen-fuer-mutter-ein-buchempfehlung\/","title":{"rendered":"Noam Chomskys \u201eRequiem f\u00fcr den Amerikanischen Traum\u201c oder Schweine\u00f6hrchen f\u00fcr Mutter \u2013 ein Buchempfehlung"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_470\" aria-describedby=\"caption-attachment-470\" style=\"width: 209px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-470 \" src=\"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Schweinsohr_Geba\u0308ck-1-252x300.jpg\" alt=\"\" width=\"209\" height=\"249\" srcset=\"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Schweinsohr_Geba\u0308ck-1-252x300.jpg 252w, http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Schweinsohr_Geba\u0308ck-1-768x913.jpg 768w, http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Schweinsohr_Geba\u0308ck-1-861x1024.jpg 861w\" sizes=\"(max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-470\" class=\"wp-caption-text\">Schweine\u00f6hrchen in ihrer charakteristischen Herzgestalt<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<style type=\"text\/css\">\n\t<!--\n\t\t@page { margin: 2cm }\n\t\tP { margin-bottom: 0.21cm }\n\t-->\n\t<\/style>\n<p><span style=\"font-size: large;\"><b>Noam Chomskys \u201eRequiem f\u00fcr den Amerikanischen Traum\u201c oder Schweine\u00f6hrchen f\u00fcr Mutter \u2013 ein Buchempfehlung<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: large;\">Ich bin Schweine\u00f6hrchenprofi. Ein Schweine\u00f6hrchen ist ein s\u00fc\u00dfes Kleingeb\u00e4ck aus Bl\u00e4tterteig. Zur Herstellung wird zun\u00e4chst Bl\u00e4tterteig auf reichlich Streuzucker ausgerollt und gefaltet. Anschlie\u00dfend werden die St\u00fccke gebacken, der Zucker karamellisiert. Durch eine regional unterschiedliche Schweine\u00f6hrchenfaltung entsteht die typische Herzform des s\u00fc\u00dfen Kleingeb\u00e4cks. Die Gr\u00f6\u00dfe der Schweine\u00f6hrchen variiert. In manchen Regionen haben sie fast Tellergr\u00f6\u00dfe. Wichtig: Nach dem Backen Schweine\u00f6hrchen mit Puderzucker bestreuen oder mit dunkler Kuvert\u00fcre \u00fcberziehen. W\u00e4hrend der Backzeit kann man gerne ein gutes Buch lesen, zum Beispiel Chomskys &#8220;Requiem f\u00fcr einen amerikanischen Traum&#8221;. Aber Achtung: Vergessen Sie nicht das s\u00fc\u00dfes Kleingeb\u00e4ck aus ihrem Ofen zu nehmen, sonst sehen sie wie auch dieser Chomsky irgendwann schwarz.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: large;\">Sonntag, 15 Uhr. Mit Kleinkind und Kleingeb\u00e4ck bei Mutter. \u201eAch Junge, was haben wir blo\u00df falsch gemacht?\u201c, fragt Mutter und guckt ernst \u00fcber mein selbstgebackenes Schweine\u00f6hrchen. \u201eWir haben dich doch auch nicht anders erzogen als den Jens-Peter. Und der Jens Peter arbeitet jetzt in der Wirtschaft. In England, wei\u00dft du?\u201c Ich nicke. \u201eIch wei\u00df\u201c, sage ich. \u201eUnd der hat sich jetzt schon sein zweites Haus gebaut. In England und eines Amerika. Mit Carport. Und drei Kinder hat der Jens-Peter. Den Jens-Kevin, den Jens-Kelvin und den Jens-Melvin. Ja, und am Wochenende ist der Jens-Peter trotzdem immer bei seinen Eltern und hilft im Garten. Ach Junge, wann hast du denn das letzte Mal im Garten geholfen?\u201c, fragt Mutter,und knuspert dabei sichtlich ohne Appetit an ihrem Schweine\u00f6hrchen rum (dabei ist Schweine\u00f6hrchen eigentlich ihr Lieblings-Geb\u00e4ck). Aber bei dem Jungen, so steht in ihrem Gesicht geschrieben, vergeht ihr sogar darauf der Appetit. <\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-size: large;\">Mutter, du hast doch \u00fcberhaupt keinen Garten\u201c, sage ich trotzig. \u201eAch Junge\u201c, sagt Mutter, zieht sich f\u00fcr alle h\u00f6rbar die Rotze in der Nase hoch und guckt traurig zu ihrem Enkelkind, meiner Tochter, was neben mir sitzt. Wie hat der Junge so ein wundervolles, h\u00fcbsches Kind blo\u00df hingekriegt, sagt ihr Blick. Sie hat sich nichts vorzuwerfen, aber was soll aus dem Kind blo\u00df mal werden, also bei dem Vater. Das Kind, ein zweij\u00e4hriges M\u00e4dchen, grinst. Es wei\u00df auch nicht, was es mal werden will und wie ich es hingekriegt habe, und ich werde es meiner Mutter und dem Kind auch nicht verraten. Ich m\u00f6chte auch nicht wissen, wie mich meine Mutter hingekriegt hat. Ganz sicher nicht. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: large;\">Das Kind und ich sitzen bei meiner Mutter wie jede Woche in der K\u00fcche und wie jede Woche ich h\u00f6re mir an, was ich alles in meinem Leben falsch gemacht habe. Eigentlich alles, so der Tenor. Sie liebt mich nat\u00fcrlich trotzdem, schon weil ich ihr Sohn bin und damit eben Familie. Familie ist wichtig, das Wichtigste. \u201e Da k\u00f6nntest du sogar bei diesen Gr\u00fcnen sein, dann w\u00fcrde ich dich auch noch lieben, Junge\u201c, sagt sie gerade. Das sagt sie auch jede Woche, diese Sache mit den Gr\u00fcnen. Die Gr\u00fcnen sind der Mutter rotes Tuch, denke ich, putze mit einem wei\u00dfen Tuch die Sahne von der Tapete, die das Kind gerade dahin geschmiert hat. Die Gr\u00fcnen, sie meint die neue Mitte, die gerade mit der FDP und CSU koalieren will, sind f\u00fcr meine Mutter immer noch Bombenleger, die ihre Rente streichen und uns in die Arbeitslosigkeit treiben wollen. Die gucken nur, dass alles teurer wird, sagt Mutter immer. Die gucken, dass alles teurer wird, sagt sie auch mit einem halben Schweine\u00f6hrchen zwischen den Mundwinkel heute wieder. Wenn am Montag die Milch oder die Kartoffeln wieder teurer sind, waren das, laut meiner Mutter, die Gr\u00fcnen. Und mit dem Geld pflanzen sie dann wieder einen Baum oder stellen dem Onkel Bernd ein Windrad vor die Haust\u00fcr. Das haben die Gr\u00fcnen n\u00e4mlich gemacht, dem Onkel Bernd ein Windrad vor die Nase gestellt. Onkel Bernd kann gar nicht mehr ruhig schlafen, weil das Windrad sich so laut dreht. Schon ganz krank ist der Onkel Bernd geworden. Und Tante Helga, die Frau von Onkel Bernd, muss sogar Medikamente nehmen, weil sie ganz bekloppt geworden ist. Wegen dem Windrad. \u201eUnd wie sieht das denn aus? \u00dcberall diese Windr\u00e4der. Einsperren sollte man die, diese Gr\u00fcnen\u201c, sagt Mutter, also heute beim Schweine\u00f6hrchen, ihrem Lieblingsgeb\u00e4ck und ihren Geschichten, ihren Geschichten \u00fcber den Jens \u2013 Peter.<\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-size: large;\">Ach Junge, was haben wir blo\u00df falsch gemacht?\u201c, fragt Mutter wieder. Dabei haben sie auf den ersten Blick gar nichts falsch gemacht. Ich habe eine Arbeit, sogar eine, die mir Spa\u00df macht. Ich habe auch ein Kind, eine Frau und ein Geheinrezept f\u00fcr Schweine\u00f6hrchen. Aber mit dem Jens Peter kann ich nicht mithalten. Der Jens Peter hat n\u00e4mlich Wirtschaft studiert. In England. Und jetzt arbeitet dieser Jens Peter bei einem Reifenkonzern im B\u00fcro und ist Chef und verdient sich den Arsch wund. Deswegen hat er auch H\u00e4user. Eines in England und eines mit Carport in Amerika.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: large;\">Das kann ich tats\u00e4chlich nicht sagen, dass ich mir den Arsch wund verdiene. Und H\u00e4user habe. Ne, ein Fahrrad habe ich und einen Schrebergarten. Schrebergarten, die Villa des kleines Mannes.. Das ist eben der Unterschied zwischen dem Jens Peter und mir. Ich habe Philosophie studiert und einen Taxischein gemacht. Auch nett, aber nichts zum Arsch wund verdienen. Der Jens Peter hat Betriebswirtschaft studiert und ist jetzt Chef. Jetzt verdient der Jens Peter sich den Arsch wund &#8211; das macht Mutter immer, Artikel vor die Vornamen setzen. Ich hasse das &#8211; jetzt verdient der Jens Peter sich den Arsch wund, damit er sich noch ein drittes Haus kaufen kann. Mit Carport und Garten und sicher kriegt er auch noch ein biertes Kind. Mal ein M\u00e4dchen. Weil so einer hat genug Saft im Luststengel, der kriegt auch vier Kinder hin.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: large;\">Mutter, ich arbeite auch nicht weniger als Jens Peter. Die Einkommensschere, die ist Schuld. \u201c, sage ich in einer Lautst\u00e4rke, die sogar der Tochter missf\u00e4llt. Statt Sahne zu malen, f\u00e4ngt sie an zu heulen. \u201eSprich nicht so \u00fcber den Jens Peter\u201c, sagt Mutter. \u201eGuck, dass Kind weint auch schon, weil du so schlecht \u00fcber den Jens Peter redest.\u201c \u201eAch Mutter. Lass mich doch endlich mit diesem Jens Peter zufrieden.\u201c \u201eAch Junge. Bald w\u00e4hlst du auch noch die Gr\u00fcnen, was?\u201c Ach Mutter, denke ich und spreche wirklich lieber nicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: large;\">Letztens habe ich von Noam Chomsky \u201eRequiem f\u00fcr den Amerikanischen Traum\u201c gelesen. Da beschreibt Chomsky die L\u00e4cherlichkeit des Amerikanischen Traums. Vom Tellerw\u00e4scher zum Million\u00e4r, das gab es vielleicht mal. Jetzt gibt es das ganz sicher nicht mehr, sagt er. Er spricht \u00fcber Amerika. Also dem Land, wo der Jens Peter sein zweites Haus mit Carport hat. Aber er k\u00f6nnte auch \u00fcber Europa reden. Die Reichen und M\u00e4chtigen haben vor allem ein Ziel, n\u00e4mlich noch reicher und m\u00e4chtiger zu werden. Die Demokratie dient ihnen nur als Werkzeug, die Massen ruhig zu halten, ihnen das Gef\u00fchl zu geben, dass jeder den Aufstieg schaffen kann. Schweine\u00f6hrchen f\u00fcr alle. Ne, das ist laut Chomsky eine Bl\u00f6dsinn. Den gesellschaftlichen Aufstieg kann nicht jeder schaffen. Arm bleibt meistens arm. Die Klassen bleiben unter sich. Das war so, das ist so, das wird so bleiben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: large;\">Wenn man Philosophie studiert, kann man das ganz sicher nicht schaffen, sagt Mutter und da hat sie und der Jens Peter leider recht. Mit den Gr\u00fcnen hat das nichts zu tun. Die wollen leider auch schon lange keine gerechtere Welt mehr. Das Windrad ist hier nur noch Symbol. Aber den Traum einer besseren Welt, vielleicht sogar den alten amerikanischen Traum, das wir alle gleich sind, und es alle schaffen k\u00f6nnen, dass der Fahrstuhl durch die sozialen Schichten f\u00fcr alle offen ist, diesen Traum haben auch die Gr\u00fcnen begraben. Und Chomsky singt das Totenlied, den Abgesang auf den amerikanischen Traum. Ich glaube, dass ist die Botschaft des Buchs, denke ich und gucke traurig zu Kind und Mutter. Schweine\u00f6hrchen bleibt Schweine\u00f6hrchen. Arm bleibt arm und Schuster bleib bei deinen Leisten, sage ich und streichle der Tochter das K\u00f6pfchen.<\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-size: large;\">Ach Junge\u201c, sagt Mutter, streichelt mir das K\u00f6pfchen. \u201eJa, Mutter?\u201c, frage ich, verwundert \u00fcber so viel Z\u00e4rtlichkeit. \u201eAber Schweine\u00f6hrchen, das muss ich dir lassen, Schweine\u00f6hrchen kannst du.\u201c Na, immerhin etwas, denke ich und bei\u00dfe selber noch einmal in mein s\u00fc\u00dfes Kleingeb\u00e4ck.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kunstmann.de\/titel-0-0\/requiem_fuer_den_amerikanischen_traum-1286\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Noam Chomsky, Requiem f\u00fcr den amerikanischen Traum, Kunstmann Verlag, 2017<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Noam Chomskys \u201eRequiem f\u00fcr den Amerikanischen Traum\u201c oder Schweine\u00f6hrchen f\u00fcr Mutter \u2013 ein Buchempfehlung Ich bin Schweine\u00f6hrchenprofi. 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