{"id":224,"date":"2017-04-12T17:22:02","date_gmt":"2017-04-12T15:22:02","guid":{"rendered":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/?p=224"},"modified":"2017-04-12T17:30:03","modified_gmt":"2017-04-12T15:30:03","slug":"was-ist-ein-poetry-slam-teil-drei","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/2017\/04\/12\/was-ist-ein-poetry-slam-teil-drei\/","title":{"rendered":"Was ist ein Poetry Slam \u2013 Teil Drei"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-222 size-medium alignleft\" src=\"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/IMG_0502-e1492010239151-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/IMG_0502-e1492010239151-300x300.jpg 300w, http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/IMG_0502-e1492010239151-150x150.jpg 150w, http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/IMG_0502-e1492010239151-768x768.jpg 768w, http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/IMG_0502-e1492010239151-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/IMG_0502-e1492010239151-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\u201eUnd kann man davon leben?\u201c Diese existenzielle Frage verfolgt mich nun mein Leben lang. Fr\u00fcher, als ich ein Studium noch mit dem Taxi finanzierte, fragten mich die Fahrg\u00e4ste, ob man vom Taxifahren leben kann. Heute, wo ich mit meinen Slam Texten auf B\u00fchnen stehe, fragt das Publikum, ob man vom Geschichtchen schreiben leben kann.<\/p>\n<p>Auf Poetry Slams, diesen Fast Food Literaturb\u00fchnen, bekommt man Fahrkosten erstattet, eine Unterkunft gestellt und ein paar belegte Br\u00f6tchen geschmiert. Fr\u00fcher gab es Bier statt belegte Br\u00f6tchen, aber heute nehmen sich die Slam Poeten sehr wichtig, so dass nicht mehr vor und w\u00e4hrend der Veranstaltung getrunken wird und man sich mit einem Smoothie und vielleicht noch einem Avocado Br\u00f6tchen zufrieden gibt. Honorare gibt es eigentlich auf Slams nicht, aber bei der Fahrkostenerstattung kann man tricksen.<\/p>\n<p>So gibt es Halunken, die es schaffen, umsonst durch Deutschland zu reisen, ohne einen Cent f\u00fcr eine Fahrkarten auszugeben. Diese Sparf\u00fcchse schlie\u00dfen sich w\u00e4hrend der Zugfahrt auf dem Klo ein und hoffen, nicht erwischt zu werden. Schwarzfahren nennt man diese Ninja Technik umgangssprachlich. Bef\u00f6rderungserschleichung ist der juristische Fachausdruck. Wie alle Ninja Techniken ist auch das Schwarzfahren eine hohe Kunst. Sie kommt aus Japan und es die Kunst der Unsichtbarkeit.<\/p>\n<p>Hier ein paar Kniffe f\u00fcr den schwarzfahrenden Slam Poet. Es ist schwierig, in den Regionalbahnen schwarz zu fahren. Erstens wird in der Regionalbahn, also im Nahverkehr, sch\u00e4rfer kontrolliert. Zweitens ist der Schaffner im Nahverkehr oft kein geselliger Bursche, mit dem sich reden l\u00e4sst. Horden betrunkener Fu\u00dfballfans und ausgelassene Kegeldamen haben den Nahverkehrs-Schaffner zu einem Misanthropen werden lassen. Ein erb\u00e4rmlicher Stundenlohn tut sein \u00fcbrigens. Drittens sind die Zugklos oft kaputt, verschlossen oder in einem f\u00e4kalem Endstadium, so dass man kaum eine M\u00f6glichkeit hat, sich dort vor dem Schaffner zu verstecken.<\/p>\n<p>In ICs oder ICEs ist es schon leichter, ohne Fahrkarten ans Ziel zu kommen. Hier wird nicht regelm\u00e4\u00dfig kontrolliert, die Zugklos sind bequem und bieten auch auf langen Strecken Gem\u00fctlichkeit. Sie sind wahre \u201eStille \u00d6rtchen\u201c.<\/p>\n<p>Der wichtigste Grund, warum der Fernverkehr dem Schwarzfahrer die Hand reicht, ist aber, dass man nachl\u00f6sen kann. Wenn man also tats\u00e4chlich erwischt wird, hat man noch die M\u00f6glichkeit, zu sagen, dass keine Zeit mehr bestand, eine Karte am Bahnhof zu ziehen. Neben einer kleinen Bearbeitungsgeb\u00fchr ist das nachgel\u00f6ste Ticket noch nicht mal vieler teurer.<\/p>\n<p>So mancher Slam Poet verdient sich also sein Lebensunterhalt mit der Schwarzfahrerei, einem Leben auf Zugklos und im st\u00e4ndigen Versteckspiel mit dem Schaffner.<\/p>\n<p>Eine weitere M\u00f6glichkeit, sich seinen Lebensunterhalt durch Slams zu verdienen, besteht im Verkauf von B\u00fcchern, Jutebeuteln, Stickern oder kleinen Heften, die der Slam Poet f\u00fcr die \u201eB\u00fchne der lyrischen Lust\u201c kreativ angelegt hat.<\/p>\n<p>F\u00fcr zehn Euro verkauft so mancher Slam Poet Jutebeutel, auf denen zum Beispiel ein Mikrofon abgebildet ist, gerne noch mit einer kleinen Unterzeile, welche die Liebe zur Slam Poesie, unterstreicht. \u201eThe points are not the point; the point is poetry.\u201c Aha!<\/p>\n<p>Schwarzfahren und Jutebeutel verkaufen. Zwei Wege als B\u00fchnenliterat zu \u00fcberleben, \u00fcber die Runden zu kommen.<\/p>\n<p>Daneben bieten sich noch M\u00f6glichkeiten wie Flaschensammeln, ein Griff in die Abendkasse des Veranstalters oder Nachts den Kollegen die erhaltenen Fahrkosten aus der Brieftasche klauen. Das sind aber Wege der Lebensunterhaltung, die auch Nicht \u2013 Slammern zu Verf\u00fcgung stehen, die also nicht prim\u00e4r der schreibenden Zunft vorbehalten sind (und auch nicht aus Japan kommen).<\/p>\n<p>Man sieht also, man kann von der B\u00fchnenliteratur leben. Und ansonsten: Mutti fragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eUnd kann man davon leben?\u201c Diese existenzielle Frage verfolgt mich nun mein Leben lang. Fr\u00fcher, als ich ein Studium noch mit dem Taxi finanzierte, fragten mich die Fahrg\u00e4ste, ob man vom Taxifahren leben kann. Heute, wo ich mit meinen Slam Texten auf B\u00fchnen stehe, fragt das Publikum, ob man vom Geschichtchen schreiben leben kann. Auf [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,8],"tags":[9],"class_list":["post-224","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-poetry-slam","tag-poetry-slam"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/224"}],"collection":[{"href":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=224"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/224\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":226,"href":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/224\/revisions\/226"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=224"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=224"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=224"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}