{"id":1328,"date":"2021-10-16T10:46:02","date_gmt":"2021-10-16T08:46:02","guid":{"rendered":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/?p=1328"},"modified":"2021-10-16T10:46:24","modified_gmt":"2021-10-16T08:46:24","slug":"hoffmanns-buedchen-52-lukas-erklaert-die-welt-fussball-wahre-liebe-oder-das-spiel-ist-aus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/2021\/10\/16\/hoffmanns-buedchen-52-lukas-erklaert-die-welt-fussball-wahre-liebe-oder-das-spiel-ist-aus\/","title":{"rendered":"Hoffmanns B\u00fcdchen (52) -Lukas erkl\u00e4rt die Welt: Fu\u00dfball, wahre Liebe oder das Spiel ist aus"},"content":{"rendered":"\n<p>Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. Es ist Samstagsabend und vor der Hoffmannschen Auslage, den Schokoriegeln, Kaugummis, kleinen Chipst\u00fcten, \u00dc-Einern und und und &#8230; steht Lukas. Er war am Nachmittag im Station und erz\u00e4hlt begeistert vom Preu\u00dfen Spiel.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLukas, mich interessiert Fu\u00dfball nicht\u201c, sagt Herr Hoffmann ehrlich. Er muss noch die Steuer machen und hatte gehofft, wenigstens am Abend anfangen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSollte dich aber interessieren\u201c, fordert Stammkunde Lukas.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWieso?\u201c, fragt der B\u00fcdchen-Betreiber. Vielleicht die falsche Frage, denkt Herr Hoffmann, womit er Recht behalten wird, Lukas beginnt die ganz gro\u00dfe Erz\u00e4hlung auszupacken.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAch Herr Hoffmann\u201c, startet er harmlos. \u201eNachmittags mit einem Bierchen und einer Bratwurst in der Kurve stehen, war, ist und wird immer etwas besonderes sein.\u201c Lukas zeigt mit dem Kopf seiner Bierflasche auf Herrn Hoffmann. \u201eWas meinst du, wieviele V\u00e4ter ihre kleinen Stupse mitbringen?\u201c Herr Hoffmann zuckt mit den Schultern, er war seit Jahren nicht beim Fu\u00dfball.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMit leuchtenden Augen feuern die Kleinen mit Papa ihre Mannschaft an. Da m\u00f6chte man auch Kinder kriegen\u201c, lacht Lukas.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLukas, komm auf den Punkt,\u201c dr\u00e4ngelt Herr Hoffmann.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd wenn die andere Mannschaft, der Gegner, der Gegenspieler, die Anderen ein Tor schie\u00dfen, foulen oder nur zu schnell f\u00fcr unsere Jungs laufen, wird im Block gejammert, geheult geschrieen und b\u00f6seste Beschimpfungen zum Gegner gebr\u00fcllt. Da stirbt auch mal die Mutter, die sowieso ne Hure ist und der Spieler ein Bastard. Ein schwuler Hurenbastard. Und da schreit dann auch das Kind: Ey, du schwuler Hurenbastard. Und Papa ist stolz auf den kleinen Bub\u201c Lukas grinst.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLukas, mach hin.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Herr Hoffmann sieht immer noch nicht, was ihn daran interessieren sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Lukas trinkt noch einen Schluck, dann erz\u00e4hlt er weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHerr Hoffmann, h\u00f6r doch zu. Teilweise ist das ein Fu\u00dfballkrieg und du, der Fan, bist Teil dieses Spiels, nur ein kleiner Bauer, aber du geh\u00f6rst dazu, tr\u00e4gst die gleichen Farben wie deine Jungs, feuerst sie an, singst sie Richtung Tor, liebst, leidest mit ihnen, weinst und brichst vielleicht sogar kl\u00e4glich zusammen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Lukas b\u00fcckt sich, f\u00e4llt spielerisch in sich zusammen und schaut hoch zu Herrn Hoffmann, zeigt mit einer jammervollen Fratze wie man guckt, wenn das Spiel verloren scheint.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn den 90 Minuten, da ist alles anders.\u201c Lukas macht eine Kunstpause.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd dann ist das Spiel vorbei und vielleicht jammert der ein oder andere noch bis zum Ausgang und meinetwegen auch noch bis zum Stammkneipe. Aber wei\u00dft du was, Herr Hoffmann?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Herr Hoffmann sch\u00fcttelt den Kopf. Also er wei\u00df, dass er gerne noch ein wenig Steuer machen m\u00f6chte, das wei\u00df er.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDanach legst du das ab. Das Spiel ist aus. Ich bin wieder Lukas und du bist wieder Herr Hoffmann und nicht irgendein Avatar, der eine Woche durch die Stadt l\u00e4uft, sich \u00e4rgert, jammert, weint, die gegnerische Mannschaft verflucht und ihre Fans jagt, wenn er sie sieht. H\u00f6rst du: Das Spiel ist aus.\u201c Lukas schaut jetzt ernster. Er nimmt seinen Fan-Schal ab, faltet ihn langsam zusammen. Achtung Stimmungsaufbau, denkt Herr Hoffmann. Das wird nichts mit der Steuer, bef\u00fcrchtet er langsam.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber f\u00fcr diese Spastis h\u00f6rt das Spiel nie auf. Die sind in jeder Sekunde Fan und sie schreien, jammern, weinen die ganze Woche weiter. Und zwischenzeitlich verhauen sich diese Hooligans gegenseitig, und wenn keine da sind, irgendeinen Unbeteiligten, der mit Fu\u00dfball noch nicht mal, was am Hut hat.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt regt Lukas sich richtig auf. Seine Stimme wird schneller und lauter und seine Ohren verf\u00e4rben sich rosa.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd wenn dann wieder Weltmeisterschaften oder Europameisterschaften sind, kann sich der ganze Hass auf die anderen L\u00e4nder \u00fcbertragen und die Menschen dort. Dann darf man die ganze Welt verkloppen, weil das ja alles Gegner sind. Feinde. Diese Typen raffen es echt nicht. Sie merken nicht, dass das Spiel schon lange aus ist. Da funktioniert doch bei denen was nicht. Warum sagt den keiner mal&#8230;\u201c Lukas br\u00fcllt den letzten Satz raus: \u201cDas Spiel ist aus, ihr Penner.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Da l\u00e4utet das T\u00fcrgl\u00f6ckchen. Es ist Paket Paul (ein Stammkunde und eben der Paketbote. Herr Hoffmann hat eine DHL Paketstation im Kiosk. Lohnt nicht).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Spiel ist aus? Alles in Ordnung\u201c, fragt er, guckt neugierig auf Herrn Hoffmann und Lukas.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eFu\u00dfball\u201c, sagt Herr Hoffmann.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein, nicht Fu\u00dfball, Herr Hoffmann. Alles. Wenn ich aus dem Station gehe, ist das Spiel aus. Und wenn so ein rechter Affe in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone Ausl\u00e4nder jagt, weil Deutschland gerade gegen meinetwegen die T\u00fcrkei verloren hat, dann rafft er nicht, dass das Spiel aus ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Paket Paul mischt sich ein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOl\u00e9, ol\u00e9, oje!\u201c Er grinst und geht an den beiden vorbei zu seinen Paketen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist nicht witzig\u201c, m\u00f6ffelt Lukas hinter ihm her.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOje\u201c, sagt Paket Paul.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hantiert einen Augenblick zwischen seinen Paketen rum. Dann kommt er an die Theke und \u00f6ffnet seinen DHL Windbreaker (\u201eEin ganz h\u00fcbsches Teilchen\u201c, sagt G\u00fcnter, ein anderer Stammkunde). Paket Paul steht im Trikot vor den beiden Anderen. Stolz dreht er sich um: \u201e1 FC Gartengl\u00fcck, meine Mannschaft. N\u00e4chste Woche geht\u2019s gegen die Kleing\u00e4rtnerinnen von Teutonia M\u00fcnsterblick. Gemischte Mannschaft. Aber wenn ich die vorher sehe&#8230;\u201c Paket Paul droht spielerisch mit der Faust.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr Hofmann schmunzelt. Lukas ist noch unentschlossen, ob er es witzig findet.<\/p>\n\n\n\n<p>Paket Paul haut Lukas freundschaftlich auf den Oberarm.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHast ja Recht\u201c, sagt er. \u201eNur&#8230; Wahre Liebe h\u00f6rt nicht am Stadiontor auf.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In M\u00fcnster hat sich einmal ein Schwan in ein schwarzes Tretbott verliebt, ungl\u00fccklich verliebt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWahre Liebe ist manchmal sehr einseitig\u201c, fl\u00fcstert Herr Hoffmann leise. \u201eWohl war\u201c, antworten seine beiden Stammkunden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. Es ist Samstagsabend und vor der Hoffmannschen Auslage, den Schokoriegeln, Kaugummis, kleinen Chipst\u00fcten, \u00dc-Einern und und und &#8230; steht Lukas. Er war am Nachmittag im Station und erz\u00e4hlt begeistert vom Preu\u00dfen Spiel. \u201eLukas, mich interessiert Fu\u00dfball nicht\u201c, sagt Herr Hoffmann ehrlich. 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