{"id":1311,"date":"2021-10-05T10:35:14","date_gmt":"2021-10-05T08:35:14","guid":{"rendered":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/?p=1311"},"modified":"2021-10-08T15:08:29","modified_gmt":"2021-10-08T13:08:29","slug":"hoffmanns-buedchen-50-herr-aermel-muss-rauchen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/2021\/10\/05\/hoffmanns-buedchen-50-herr-aermel-muss-rauchen\/","title":{"rendered":"Hoffmanns B\u00fcdchen (50) &#8211; Herr \u00c4rmel muss Rauchen"},"content":{"rendered":"\n<p>Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. Drau\u00dfen regnet es. Es ist fr\u00fcher Nachmittag und Herr Hoffmann \u00fcberlegt, ob er in seinem im B\u00fcdchen das Licht anmachen soll. \u201eAm Nachmittag\u201c, fl\u00fcstert Herr Hoffmann ein wenig Niedergeschlagen. Man sp\u00fcrt den Herbst in jeder Ecke. Der B\u00fcdchen Betreiber sp\u00fcrt ihn, den Herbst, in jeder Ecke.<\/p>\n\n\n\n<p>Das T\u00fcrgl\u00f6ckchen l\u00e4utet. Es ist ein Stammkunde. \u201eDer Herr \u00c4rmel\u201c, sagt Herr Hoffmann freundlich. Herr \u00c4rmel ist f\u00fcr Herrn Hoffmann immer ein Sonnenschein und vor allem an Regentagen, an ersten Herbsttagen \u201eGuten Tag, Herr Hoffmann\u201c, gr\u00fc\u00dft Herr \u00c4rmel wie immer h\u00f6flich, und tritt mit seinem liebevollen Herr-\u00c4rmel-L\u00e4cheln an die Theke. \u201eHerr Hoffmann, verkaufen Sie eigentlich immer noch Zigaretten? Ich meine einzelne Zigaretten?\u201c Herr Hoffmann wird leicht rot. \u201eAlso&#8230;, \u00e4h&#8230;, das habe ich mal gemacht, aber&#8230;\u201c Herr \u00c4rmel l\u00e4chelt. \u201eKeine Angst, ich will Sie deswegen ganz sicher nicht verurteilen. Ich brauche nur eine Zigarette. Eine.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Herr Hoffmann guckt immer noch ertappt. An die Sch\u00fclerinnen der Schule gegen\u00fcber verkauft er in den Pausen einzelne Zigaretten und macht dadurch ein paar Euro extra. \u201eHerr Hoffmann, ihr kleines Extra Gesch\u00e4ft ist mir wirklich ganz egal, ich brauche einfach eine Zigarette. Verkaufen Sie mir eine, oder nicht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Herr Hoffmann greift unter die Theke. \u201eWelche Marke?\u201c, fragt er immer noch etwas unsicher. \u201eEine Starke\u201c, antwortet Herr \u00c4rmel ernst. \u201eIst was passiert?\u201c Herr Hoffmann sucht eine Zigarette raus und reicht sie Herrn \u00c4rmeln. \u201eHier. Geschenkt.\u201c \u201eDanke, Herr Hoffmann.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Herr Hoffmann wartet, ob Herr \u00c4rmel von selber beginnt, zu erz\u00e4hlen, aber, der f\u00fcr viele im Viertel seltsame Kauz l\u00e4chelt nur, geht raus und raucht in Ruhe seine \u201eeine\u201c Zigarette.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst als er fertig ist, kommt er wieder in den Kiosk und beginnt, zu erz\u00e4hlen. \u201eEntschuldigen Sie, das musste jetzt sein. Ich liebe diesen leichten Schwindel, den man hat, wenn man raucht. Wissen Sie, fr\u00fcher habe ich genauso viel geraucht wie G\u00fcnter.\u201c \u201eDer nette Nazi?\u201c, Herr Hoffmann l\u00e4chelt. \u201eNa, ob der nett ist? Jedenfalls habe ich genauso viel geraucht. Der Job, wissen Sie? Als Architekt stand ich immer unter Strom. Hier ein neues Projekt, dort eine Ausschreibung. Dann die Existenzangst, wenn keine Auftr\u00e4ge da waren. Erst beim Bauordnungsamt habe ich die Kurve gekriegt. Wissen Sie, auf einmal fing die Angst an. Die Bildchen auf den Schachteln haben ihr \u00fcbriges getan.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Herr Hoffmann nickt. Er kennt das Gef\u00fchl. Auch Herr Hoffmann hat jahrelang geraucht und dann Panik bekommen. Er war ein richtiger Hypochonder. Nach jeder Zigarette glaubte er, die Metastasen in sich bl\u00fchen zu sp\u00fcren. Jeder Stich in seiner Seite war Lungenkrebs, jedes Kribbeln in den Beinen, der Anfang eines Raucherbeins.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd wie haben Sie es geschafft? Einfach aufgeh\u00f6rt?\u201c, fragt Herr Hoffmann. Herr \u00c4rmel winkt ab. \u201eNe, nicht einfach aufgeh\u00f6rt. Das ging bei mir \u00fcber zwei, drei Jahre. An guten Tagen: Aufh\u00f6ren. An schlechten Tagen: Wieder anfangen. Dann Schuldgef\u00fchle, Furcht vor Krankheiten, wieder aufh\u00f6ren und ein paar Tage sp\u00e4ter die n\u00e4chste erste Zigarette. Es war furchtbar. Kennen Sie das Buch <em>Endlich Nichtraucher<\/em>?\u201c Herr Hoffmann kennt es. Zweimal hat er es gelesen. \u201eUnd hat es bei Ihnen geklappt?\u201c Herr Hoffmann sch\u00fcttelt den Kopf. \u201eBei mir auch nicht. Ich habe nachher mehr geraucht als zuvor. Also f\u00fcr mich war das nichts.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd dann?\u201c Jetzt ist Herr Hoffmann doch neugierig. Wie so viele hatte er auch seine Rauchervergangenheit. \u201eDie harte Tour. Ich wurde krank. Herz. Gl\u00fccklicherweise war es nur ein Warnschuss. Aber nach ein paar Tagen Krankenhaus und der Ansage einer \u00c4rztin, dass ich mir jetzt \u00fcberlegen d\u00fcrfte, ob ich noch ein paar Jahre weiterleben oder ob ich mir schon den Grabstein aussuchen m\u00f6chte, habe ich es geschafft.\u201c Herr \u00c4rmel lacht bitter auf. \u201eSp\u00e4ter h\u00f6rte ich, dass sie mit meinem Herz ganz sch\u00f6n \u00fcbertrieben hat, also die \u00c4rztin, aber da war ich \u00fcber den Berg. Ich habe ihr sogar einen Blumenstrau\u00df als Danke sch\u00f6n geschickt. So ein Quatsch\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd heute fangen Sie wieder an?\u201c, fragt Herr Hoffmann ironisch. \u201eNein\u201c, Herr \u00c4rmel l\u00e4chelt. \u201eNur&#8230;es gibt so Tage, wissen Sie, da will man ausbrechen. Irgendwie raus aus seinem K\u00f6rper. Kennen Sie das?\u201c Herr Hoffmann \u00fcberlegt, aber Herr \u00c4rmel wartet gar nicht auf seine Antwort. \u201eAm Liebsten w\u00fcrde ich mir heute Opium in die Halsschlagader spritzen, aber ich habe Angst vor Spritzen und eigentlich auch vor Opium.\u201c \u201eDas ist ja bl\u00f6d\u201c, sagt Herr Herr Hoffmann. \u201eJa, das ist ja bl\u00f6d\u201c, sagt Herr \u00c4rmel nur. \u201eAuf Wiedersehen, Herr Hoffmann.\u201c \u201eHerr \u00c4rmel.\u201c Herr Hoffmann bleibt ohne eine richtige Antwort zur\u00fcck. Opium spritzen? Ein seltsamer Geselle, der Herr \u00c4rmel. Oder hat Herr Hoffmann irgendwas im Viertel verpasst?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Hoffmann steht hinter seiner Theke. 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