{"id":1223,"date":"2021-08-05T14:12:45","date_gmt":"2021-08-05T12:12:45","guid":{"rendered":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/?p=1223"},"modified":"2021-10-08T15:12:02","modified_gmt":"2021-10-08T13:12:02","slug":"hoffmanns-buedchen-37-hoffmanns-kunden-ein-seltsamer-mann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ruhmundelend.de\/Blog\/2021\/08\/05\/hoffmanns-buedchen-37-hoffmanns-kunden-ein-seltsamer-mann\/","title":{"rendered":"Hoffmanns B\u00fcdchen (38) &#8211;  Hoffmanns Kunden \u201eEin seltsamer Mann\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Herr Hoffmann steht hinter der Theke und liest ein Buch \u00fcber zwei Kinder, die in ihren Sommerferien von zu Hause abhauen. Eine Kundin hat es ihm empfohlen. Es ist spannend. Herr Hoffmann w\u00e4re als Kind gerne so frei, so mutig gewesen, einfach abzuhauen. \u201eUnd es wird nicht leichter mit dem Abhauen\u201c, denkt Herr Hoffmann beim Lesen. Wenn nicht gerade Kunden im B\u00fcdchen sind, kann sich Herr Hoffmann kaum von der mittlerweile als Taschenbuch herausgegebenen Ausgabe losrei\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was w\u00fcrde er wohl sagen, wenn er w\u00fcsste, dass vor seinem Laden ein Stammkunde steht und ihn beobachtet?<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts w\u00fcrde er sagen. Vielleicht w\u00fcrde er sich ein wenig wundern, aber ansonsten weiter lesen, da das Buch mit Sicherheit spannender ist, als jede \u00dcberraschung, die hinter dem Spanner steckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, und tats\u00e4chlich ist es auch gar kein Spanner. Es ist Herr \u00c4rmel. Der Herr \u00c4rmel, der w\u00f6chentlich bei Herrn Hoffmann seinen Lotto Schein abgibt und kurz mit dem B\u00fcdchen-Verk\u00e4ufer von der Lotto-Millionen tr\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr \u00c4rmel hat sich gerade festgeschaut. Er schaut durch das Fenster von Herrn Hoffmann auf eine Flasche Orangensaft. Aber h\u00f6chstwahrscheinlich sieht Herr \u00c4rmel auch die Flasche Saft gerade gar nicht. Herr \u00c4rmel hat einen Gedanken, eine Idee, eine Eingebung und wenn er so einen geistigen H\u00f6henflug erlebt, genie\u00dft er ihn an Ort und Stelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr \u00c4rmel ist kein seltsamer Mann. Herr \u00c4rmel ist nur viel alleine und da gew\u00f6hnt man sich Sachen an, die in Gesellschaft nicht unbedingt angebracht sind, dort seltsam wirken. \u201eHerr \u00c4rmel ist auf jeden Fall ein seltsamer Mann\u201c, sagen manche seiner Nachbarn. Frau Jacob hat es ihm erz\u00e4hlt. Sie ist auch eine Nachbarin, aber auch eine Freundin. Sie helfen sich gegenseitig mit dem Garten.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr \u00c4rmel hat fr\u00fcher mal als Architekt gearbeitet. Sp\u00e4ter hat er dann in die \u00d6ffentliche Verwaltung gewechselt, Bauordnungsamt. Er nahm sich immer dicke B\u00fccher mit ins B\u00fcro und meistens hatte er Zeit, sie zu lesen. Und wenn er nicht las, gr\u00fcbelte er. Das Amt hat ihn dazu gemacht, denkt er manchmal. Aber eigentlich h\u00e4lt er nichts von Schuldzuschreibungen. Eigentlich ist Herr \u00c4rmel ein gl\u00fccklicher Mann. Einsam, aber gl\u00fccklich.<\/p>\n\n\n\n<p>Und manchmal denkt er, Herr Hoffmann ist auch so einer, so ein Seelenverwandter. Und wenn er das denkt, fragt er sich, was das denn \u00fcberhaupt ist, so eine Seele und verf\u00e4llt wieder ins Gr\u00fcbeln.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHallo Herr \u00c4rmel\u201c, sagt Student Lukas, der gerade um die Ecke kommt und klopft Herrn \u00c4rmel auf die Schulter. Herr \u00c4rmel schreckt hoch. \u201eAh, Lukas. Hast du mich erschreckt\u201c, sagt er zum B\u00fcdchen Stammkunden und studentischen Besserwisser. Lukas grinst. \u201eEntschuldigung.\u201c \u201eAlles gut\u201c, sagt Herr \u00c4rmel, dreht sich um und geht seiner Wege.<\/p>\n\n\n\n<p>Lukas schaut ihm hinterher. \u201eEin seltsamer Mann. Fast wie unser Herr Hoffmann \u201c, denkt er und betritt das B\u00fcdchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Hoffmann steht hinter der Theke und liest ein Buch \u00fcber zwei Kinder, die in ihren Sommerferien von zu Hause abhauen. Eine Kundin hat es ihm empfohlen. Es ist spannend. 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