Macht macht sexy – über Trump, Sarkozy, Berlusconi und Co

Männer und Macht. So einem richtigen Mann, so einem Typen, der eine Dame auch mal die Hand auf den Po legt und ihr dabei seine geilen Fantasien ins Ohr flüstert, möchte man in Zeiten von „#Metoo“ doch nicht an der Macht wissen. Oder?
Die eine Hälfte schreit, die andere Hälfte bewundert. Ob Donald Trump, Sylvio Berlusconi, Nicolas Sarkozy, neben ihrer fragwürdigen Politik stehen sie alle ihren Mann und betonen gerne immer wieder, was sie für wilde Hengste sind. Die Frauen an ihrer Seite oft Schmuckstücke, die man gut auf einer öffentlichen Veranstaltung präsentieren kann. Macht macht sexy, ohne Frage. Wer erinnert sich zum Beispiel nicht an die Affäre Dominique Strauss-Kahn. Der Direktor des IWF wurde angeklagt, diverse Frauen vergewaltigt und an Sex Partys teilgenommen zu haben. Die Affäre kostete ihn vielleicht die Präsidentschaft, das ging den Franzosen doch ein wenig zu weit. Aber hinter vorgehaltener Hand bewunderten die Franzosen auch diesen geilen Franzmann, und nicht nur Männer bewunderten ihn. Auch seine Frau stand natürlich die ganze Zeit hinter ihm. Sogar als er offen zugeben musste, dass er an wilden Sex Orgien teilgenommen hatte, ließ sie ihn nicht fallen, hielt sie zu ihm. Erst als seine Ämter verloren hatte, die Präsidentschaft futsch war und die Presse ihn nicht mehr interessant fand, verließ sie ihn. Macht macht sexy und jetzt war sie eben futsch, die Macht. Es ist gut, dass immer wieder Debatten wie die „#MeToo“ Debatte solchen Machtmenschen zeigen, dass sie sich nicht alles erlauben können. Es ist zwiespältig, dass viele Frauen, solche Männer zum einen verurteilen, zum anderen scheinbar offen bewundern. So wird das Spiel weiterhin gespielt und das Objekt Frau von vielen Männern als Statussymbol wie der SVU angesehen.

 

 

Über Miesepeter, das Klima und die große Weltverschwörung

Münster,  10. Oktober, 13 Uhr. Im Radio sprechen sie davon, dass es der wärmste Herbst aller Zeiten wird oder wenigstens seit Beginn der Zeitmessung. Gerade hatten wir erst den wärmsten Sommer, davor den wärmsten Frühling, da schließt sich der Herbst doch gut an. Seit Monaten hat es hier nicht mehr ausgiebig geregnet. Immer mal wieder gab es einen Schauer, aber schnell waren die paar Tropfen versickert und vergessen und ein blauer Himmel vertrieb die düsteren Gedanken, dass dort was nicht stimmen könnte.

Karl B. aus M. sagt: „Du Miesepeter.“ Er meint, es ist eben auch schön, dieses Wetter. In den Straßencafé genießen die Bürger ihren goldenen Herbst bei einer Latte mit Schokostreuseln oder sogar einem Eiskaffee mit Sahnehäubchen. „Wann gab es denn schon mal sowas? Sei doch nicht immer so eine Miesepeter“, sagt Karl B. aus M., wenn ich erzähle, dass ich das Wetter nicht normal finde, mir Regen wünsche. Er findet es auch nicht normal, aber gleich vom Weltuntergang sprechen, den Diesel verbieten und die Kohle verbannen. „Junge“, sagt er. „Du hast doch studiert.“ Was wirklich ein seltsames Argument ist, dieses studieren. Jedenfalls verstehe ich das Argument nicht. Muss ich auch nicht, denn Karl B. aus M. gibt es nur in meinem Kopf und in diesem Text ist er kurzzeitig real. Aber es gibt andere, die realer sind als Karl B. aus M., und dann gibt es da noch die AFD. Sie ist sehr real und sie sehr seltsame Antworten auf meine Fragen und Ängste.

Die Aussagen des Weltklimarats, dass Klimaänderungen vorwiegend menschengemacht seien, sind wissenschaftlich nicht gesichert, schreiben sie kurz und bündig auf ihrer Seite. Sie basieren allein auf Rechenmodellen, die weder das vergangene noch das aktuelle Klima korrekt beschreiben können. (afd.de Energie und Klima

Zwei Sätzen ist der AFD meine Klimaangst wert, dabei stehen sie doch so auf Ängste. Aber bitte nicht bei Dingen, die schon immer funktioniert haben, sagen sie.

So ein AFD Wähler hat es schon gut. Der ist eben kein Miesepeter. Weiter so, Bergmann, denkt er, der AFD Wähler. Lass dir von den Grünen und der Merkel nichts sagen, liebes Vaterland, schreien sie auf der Straße. Hambacher Wald abholzen! Braunkohle für alle. Wie lassen uns unseren Diesel nicht verbieten, sagen sie.

Jeder fünfte Wähler ist ein AFD Wähler. Jeder fünfte Stimme unterstützt diese Meinung.

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Die Affen halten sich alles zu, was man sich zu halten kann. Uns was man doch mitbekommt? Das ist Lügenpresse, Weltverschwörung und Angriff von Außerirdischen. Schöne einfache Welt.

Über meine Generation

Sonntag, 7 Oktober 2018. Nachmittags treffe ich vor einer Bäckerei Frank. Er steht in einem kleinen Pulk von Menschen und hat einen Aufkleber mit seinem Namen auf dem Pullover geklebt. Er erzählt mir, dass ich es hier mit der Sarah Wagenknecht Geschichte „Aufstehen“ zu tun habe. Ein erstes Treffen in Münster. Als ich wohl zu neugierig gucke, bietet er an, mir die Facebook Seite zu schicken. Darüber tauscht man sich aus und darüber ist auch das erste Treffen zustande gekommen. Gegenüber der Bäckerei im Cafe eines alten Kinos.

Ich kaufe meinen Kuchen und überlege, ob ich mich jetzt auch noch engagieren möchte und schäme mich sogleich für den Gedanken. Sieben Staffeln Suits, eine langweilige amersikanische Rechtsanwaltsserie bekifft den ganzen Tag gucken und keine Zeit haben, online eine Petition zu unterschreiben, dass zum Beipiel der Hambacher Forst bleiben muss. So einer nennt sich links im Geiste, schimpfe ich tief in meinem Kopf. Aber ganz weit im Geiste. Ganz weit in meinem Kopf.

Die meisten alten Straßen – Recken für Menschenrecht, Umwelt und Liebe haben aufgegeben. Ihre Zwei Kinder Familien, ihr kleines Glück erlauben kein politisches Engagement, wenn es nicht wenigstens ein wenig Gold oder Anerkennung dafür gibt. Sogar die Damen und Herren Autoren und Künstler machen keinen Handschlag aus Nächstenliebe oder für Muttererde. Das eigene Krönchen muss wenigstens von allen Seiten geputzt werden. Und eigentlich sollte man nichts für lau machen, sagen sie. Dann kommen morgen alle an und wollen, dass man umsonst spielt, liest oder rumhopelt, sagen sie. Habe ich sicher auch mal gesagt.

Gedankenspiel: Stellen sie sich vor, sie machen es gerne für eine gute Sache umsonst, aber die gute Sache kann auf ihre Hilfe verzichten. Dann weinen Sie auch wieder.

Wer hat sich in meiner Generation überhaupt engagiert. Wir waren die Generation Golf, Praktikum, Internet, die neue Pop Literatur und Ich-Ag. Wie waren uns selber am Wichtigsten. Meine Generation ging nur zur Love Parade auf die Straße. Naja, irgendwie ehrlich.