SCHWARZ ROT GOLD

Der Adi hat seine Flagge und den ganzen Krempel jetzt wieder reingeholt. „Wo die Deutschen wieder einmal so im Osten versagt haben, muss ich nicht auch noch Flagge zeigen“, erklärt Adi gerne, wenn jemand fragt, und irgendeiner fragt ja immer. Dabei hatte sich Adi so Mühe mit dem Haus- und Hofschmuck gegeben. Sein Auto hatte zwei kleine Fähnchen im Fenster, die Seitenspiegel waren mit Deutschlandüberzieher versehen, in seinem Garten hisste er an einem 10 Meter Fahnenmast Schwarz Rot Gold und in jedem Fenster hing wenigstens ein kleiner Deutschlandwimpel. Der Adi war der zwölfte Mann in Russland, also eigentlich hinterm Fernseher, aber dort schrie er bis nach Russland.

Aber ach, hat alles nichts genützt. Der Deutsche hat im Osten wieder versagt, betont Adi, wenn man ihn fragt und irgendeiner fragt ja immer. Der Deutsche kann den Osten einfach nicht. Adi weiß das. Adi hat Bücher gelesen, wo das drinnen steht. Der deutsche Plan im Osten neue Gebiete für das Volk zu annektieren, ist im 20. Jahrhundert zweimal schön daneben gegangen, schreiben deutsche Wissenschaftler in deutschen Büchern, die über deutsche Verlage vertrieben werden.

Das erzählt Adi gerne jeden, der danach fragt und irgendjemand fragt ja eigentlich immer.

Nein, jetzt wird nicht mehr Flagge gezeigt, auch wenn Adi stolz auf seine Flagge ist. Seit 2006 darf der Deutsche nämlich wieder Flagge zeigen, weil er so ein klasse Gastgeber war.

„Du, der Deutsche, der hat sich verändert. Die Kartoffel ist richtig nett geworden.“ Solche Sätze haben die Ausländer im Sommer 2006 gesagt, als die ganzen Ölaugen, Neger und Itaker Adi und die anderen Deutschen besucht haben. Das war ein Jahr. Adi kriegt immer Tränen in die Augen, wenn er daran denkt, wie schön das war. Weltmeister wurde man nicht, aber man gezeigt, dass es den guten Deutschen gibt. Und auch der Adi ist in Guter. Ein guter Deutscher. Auch der Adi isst gerne mal einen Döner oder zwei. Und Pizza. Die Pizza ist für den Adi eigentlich schon so normal wie eine anständige Currywurst. Da fängt nämlich Gastfreundschaft an. Auch mal das Fremde zulassen. Ja, und der Adi weiß, die Internationale Küche zu schätzen. Mach scharf, sagt er gerne, zu seinem Lieblings-Dönermann und der Dönnermann kann scharf, das glaube mal. Das betont der Adi auch gerne, das der Dönermann scharf kann, wenn man ihn fragt, und irgendeiner fragt ja immer.

1936 bei den Olympischen Spielen hat der Deutsche auch gezeigt, dass er ein guter Gastgeber war. Damals durfte auch der Neger aus Amerika mitspielen, da hat niemand was gesagt. Heute spielt der Neger sogar bei den Deutschen mit, da sagt natürlich der ein oder andere was. So als Nachbar möchte man ihn ja nicht haben, den Neger, sagt der ein oder andere leise. Weil das darf man wohl noch sagen, sagt man, wenn man das eigentlich nicht sagen darf. Neger, Neger, denkt Adi und lacht. „Lieber Neger, seien sie uns willkommen, aber nicht als Nachbar“, sagt ein Kollege von Adi immer. Der Spinnemann. Wie der Gauland. Auch so ein Spinnemann. Da muss sogar Adi lachen, wenn der Kollege so Späßchen macht. Aber heute ist Adi nicht nach Späßchen. Ne, Adi ist traurig. Jetzt auch noch die Schande von Russland. Um wer ist schuld? Viele. Der Osten. Der Neger. Die beiden Türken. Die Merkel. Und die Grünen sowieso. Die Windbeutel.

Naja, Adi hängt die Flagge ab. Und Montag,, wenn der Seehofer die Merkel richtig in den Popo … dann steht der Adi mit an der Grenze, Flüchtlinge kloppen.

Über dumme Menschen

Obacht Bürger! Münsters hat mit sinkenden Käuferzahlen in der guten Stube zu kämpfen. Münsters Einzelhandel geht den Bach runter.  In einem Leserbrief, verfasst von einer Monika R. aus dem Pendler-Dorf O., werden jetzt die wirklichen Gründe benannt.

Obacht! Es sind einmal nicht die Online Shops, die dem traditionellen Händler in der Stadt des Westfälischen Friedens den Krieg erklärt haben – heute geht es nicht gegen Amazon, Zalando und Co.

Obacht! Heute sind es auch nicht die zahlreichen Events, welche die Provinzhauptstadt in einen Vergnügungspark verwandeln. Natürlich machen sie dem Kaufmann das Leben schwer, da wir beim zu Tode Vergnügen gerne eine 1-Meter Bratwurst verspeisen, aber nicht unbedingt ein klassisches Porzellan Service erwerben.

Nein, heute steckt der Teufel mal nicht im Online Handel oder im Freizeitpark Deutschland. Nein, heute sind es die Horden marodierender Radfahrer, die täglich über Münsters Straßen jagen, die der Kaufmannschaft, den Erben der alten Hanse, den Garaus bereiten.1

Monika R. weiß in ihrem Leserbrief, von traumatisierten Besucher der Friedensstadt zu berichten, die einmal in der Innenstadt ausgesetzt, ängstlich sich an Mauerwände drückten, um sich gegen den Fahrradfahrer zu schützen. Zu Hilfe. Zu Hilfe, stand auf den Lippen dieser fremden Besucher, so Monika R. aus dem monothematischen Pendler-Dorf O.

Jetzt will man dem Schrecken jedes Autofahrer auch noch die Vorfahrt auf so mancher klassischer Autostraße schenken. Monika R. sagt: „Obacht! Die Situation ist völlig außer Kontrolle.“ Heute fragt die Leserin und besorgte Bürgerin zu Recht: „Und was kommt als Nächstes?“

Erst wenn der letzte Diesel verschrottet, das letzte Kohlekraftwerk abgestellt und wir auf jedem Hügel eine Windkraftanlage gestellt haben, werden wir erkennen, das der wahre Teufel Bio isst, so die Leserin Monika R. aus dem Vorgarten- und Carport- Paradies O.

Ich sage: „Monika R., du hast Recht. Bald wird der letzte Autofahrer Deutschland den Rücken kehren. Und ich hoffe, er nimmt dich mit.

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Der Ausdruck Garaus entstand aus dem Ruf „gar aus!“ (vollständig aus!), der im 15. Jahrhundert in Süddeutschland die Polizeistunde ankündigte. Später erhielt der Begriff allgemein die Bedeutung Ende. Heute wird er nur noch in der Wendung „jemandem/etwas den Garaus machen“ (jemanden töten oder vernichten, einer Sache ein Ende bereiten) verwendet